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Tierärztin würde auch Menschen impfen - das sagen Zahnarzt und Apotheken-Mitarbeiterin

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Von: Daniel Schröder

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Spritzen sollen auch von Tierärzten, Apothekern und Zahnärzten verabreicht werden.
Spritzen sollen auch von Tierärzten, Apothekern und Zahnärzten verabreicht werden. © Friso Gentsch/dpa/Illustration

Um die Impfkampagne voranzutreiben, gibt es Überlegungen, dass bald vielleicht auch Zahnärzte, Apotheker und Tierärzte impfen dürfen.

Soest/Werl – Die Mitarbeiterin einer Apotheke aus dem Kreis Soest, die lieber anonym bleiben möchte, sieht die Impfungen entgegen der Meinung des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe jedoch weiterhin bei den Ärzten: „Ich glaube, die Ärzte kriegen das zusammen mit den mobilen Aktionen gut hin, wenn sie entsprechend aufgestellt sind. Impfen ist Ärzte-Sache.“ Zwar wisse sie dass die Impfungen eine immense Mehrarbeit bedeuten, doch die spüren die Apotheken ebenfalls – durch das Ausstellen von Impf-Zertifikaten. Die Nachfrage sei enorm und binde viele Ressourcen. Alle News zur Corona-Pandemie im Keis Soest finden Sie hier.

Mit Blick auf die Impfungen betonte sie: „Das ist nicht mal eben auf die Schnelle zu machen.“ Es gebe eben noch nicht die Möglichkeit, einzelne Spritzen über längere Zeiträume zu lagern. Wenn die Impfstoff-Ampulle – aus der durchschnittlich sechs Spritzen aufgezogen werden können – angebrochen ist, brauche man eben auch umgehend sechs Leute, die geimpft werden können. Der Impfstoff wird in den Ampullen von den Apotheken an die Arztpraxen geliefert. Solange die Ampulle nicht angebrochen ist, ist sie 31 Tage lang gekühlt haltbar. Für die Verabreichung wird der Stoff in den Arztpraxen mit Kochsalz verdünnt, ehe er fertig für die Spritze ist.

Tierärztin Barbara Tichy aus Werl steht Impfungen offen gegenüber: „Wir impfen ganz viele Spezies. Hunde, Katzen, Pferde, Kühe, Tauben – wir haben schon alle Tiere geimpft. Ich denke, die Tierärzteschaft ist der Aufgabe gewachsen, Menschen zu impfen. Vielleicht sogar noch besser als andere Berufsgruppen, in denen sonst eigentlich keine Spritzen verabreicht werden.“ Jedoch bräuchte es laut Tichy stets einen Humanmediziner in Anwesenheit, der in Notfällen reagieren könnte.

Ein Soester Zahnarzt, der ebenfalls namentlich nicht genannt werden möchte, könne sich nicht vorstellen, zum Impf-Arzt zu werden: „Heute Morgen hat schon ein Patient angerufen und gefragt, ob ich ihn impfen könne. Doch das ist vor allem in kleinen Zahnarztpraxen einfach nicht darstellbar.“ Zwar stehe her „absolut hinterm Impfen“, jedoch würden Impfungen nicht in den Alltag seiner Praxis integriert werden können: „Die Geimpften müssen noch 15 Minuten unter Aufsicht gehalten werden, das ist allein aus Platzgründen nicht umsetzbar. Zudem müssen die Patienten organisiert und terminiert werden, damit die Vakzine nicht vergeblich geöffnet werden. Das ist im laufenden Zahnarztpraxis-Betrieb völlig undenkbar.“ Diese Einschätzung habe ihm kurz zuvor auch ein Kollege gespiegelt.

„Die Politik grätscht uns da in die Beine. Die Pläne sind in meinen Augen mit heißer Nadel gestrickt und praktisch nicht umsetzbar.“

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