Sprache ist der Motor zur Integration

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Soest - Das Gelächter füllt den Raum und bricht gewissermaßen auch das Eis: Auf die Frage, was denn so schwer sei an der deutschen Sprache, sind sich die Teilnehmer des Integrationskurses der Soester Volkshochschule ziemlich einig: Die Artikel haben schon so manchem schlaflose Nächte bereitet.

Im dritten Modul lernen die Frauen und Männer nun schon zusammen in den Räumen des ehemaligen Grünflächenamtes am Ostenhellweg. Grammatik, Sprechen, Schreiben und Informationen über das Leben in Deutschland stehen an fünf Tagen in der Woche von 8.30 bis 12.30 Uhr auf dem Programm.

Und die Schüler haben ein gemeinsames Ziel: Sie alle wollen nach 600 Stunden Sprachunterricht und 100 Stunden Unterricht zu Geschichte, Politik, Religion und Kultur in Deutschland das begehrte B1-Zertifikat in den Händen halten. 

Schon jetzt stellen sich Erfolge ein. Die Kursteilnehmer, die aus Ländern wie dem Iran, aus Tunesien, Afghanistan, Guinea oder der Türkei stammen, stellen im Alltag fest, dass Hemmschwellen aus dem Weg geräumt werden können, manchmal langsam, aber stetig, und sicher immer in einem individuellen Lerntempo.

Mehr Motivation und Selbstbewusstsein durch Unterricht

Sie freue sich, die Sprache zu lernen, sagt eine junge Frau. Zuerst habe sie Angst gehabt, sich zu äußern, aber durch den Unterricht viel mehr Motivation und Selbstbewusstsein zu sprechen. Kursleiterin Marlies Felder, die die 14-köpfige Gruppe an diesem Morgen fünf Stunden lang unterrichtet, bestätigt das: „Zum Teil sind die Menschen nur wenige Monate hier, aber die Sprache ist so wichtig.“ 

Das wird sofort bestätigt von einem Mann, der sich freut, schon nach einem halben Jahr in den Ämtern viel mehr zu verstehen und auch ein Formular verstehen und ausfüllen zu können. Der, die oder das, Akkusativ oder Dativ, Briefe schreiben und mit anderen sprechen – sich verständlich machen können in einer anderen Sprache, das wollen die Menschen, die hierher geflüchtet sind.

Die meisten wollen lernen, um später beruflich Fuß zu fassen, wie die Frau aus Tunesien, die jetzt bei einer Fastfood-Kette arbeitet, aber irgendwann wieder als Grundschullehrerin oder in einem Kindergarten tätig sein möchte. Eine Teilnehmerin freut sich, einen Praktikumsplatz als Ingenieurin zu haben. Die gelernte Informatik-Ingenieurin fährt dazu nach Hamm. 

"Wir sind gut aufgestellt"

VHS-Chef Thomas Nübel und Fachbereichsleiterin Anja Plesser freuen sich, dass zum Wintersemester nun die Integrationskurse des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in Welver und Soest starten konnten.

 „Wir sind gut aufgestellt“, sieht er die Rahmenbedingungen des Ministeriums erfüllt, wie etwa die Raumsituation und das Personal. Die Kurse würden nun die Bemühungen um die Migranten in der Stadt um einen wichtigen Aspekt ergänzen, die Sprache eben.

So abgedroschen wie es sich anhöre, Sprache sei immer noch der Motor für eine Integration. Bausteine für die Stadtgesellschaft wolle man bieten, weiter denken in Richtung Berufsvorbereitung, Ausbildung und gute Chance schaffen für die Menschen. Ein Team um Leiterin Anja Plesser, die für Sprache und Politik verantwortlich ist, betreut die VHS-Kurse.

Ivana Lisek ist als Pädagogische Assistenz mit im Boot, und Alexandra Michalowski aus der Verwaltung kümmert sich um die Schüler. Fünf Lehrkräfte betreuen die Kurse in Soest und Welver. Neben den geflüchteten Menschen, würden aber auch Menschen aus der EU unterrichtet und in den Blick genommen.

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