Patrick Weber

Tempo-30-Debatte: Taxifahrer sieht seinen Job in Gefahr

Sollte Soest zur 30-Zone werden, befürchtet Patrick Weber katastrophale Auswirkungen für sein Gewerbe.
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Sollte Soest zur 30-Zone werden, befürchtet Patrick Weber katastrophale Auswirkungen für sein Gewerbe.

Ein neues Kapitel in der Tempo-30-Debatte. Ein Taxi-Unternehmer berichtet, was ein flächendeckendes Tempolimit in der Soester Kernstadt für seinen Betrieb für Auswirkungen hätte.

Soest – Als Patrick Weber, Geschäftsführer des Soester Unternehmens Taxi Parowicz, in der vergangenen Woche las, dass Feuerwehr-Chef Jürgen Wirth schlimme Auswirkungen für die Ausrückezeit der Feuerwehr sieht, wenn die ganze Soester Kernstadt zur Tempo-30-Zone werden würde, machte es bei ihm klick. „Bis dahin hatte ich das Thema nur unterbewusst verfolgt. Doch dann ist mir plötzlich klar geworden, was das auch für uns an Auswirkungen bedeuten würde“, berichtete Weber.

Durch die mögliche Tempo-Beschränkung könnten er und seine Mitarbeiter nur noch 60 Prozent der Fahrten anbieten, rechnete er vor. „Das würde gerade in Stoßzeiten zu großen Problem führen. Gerade Dialyse-Fahrten vom Klinikum oder vom Marienkrankenhaus sind eng getaktet. Die Patienten sind sowieso schon kaputt und geschlaucht und wollen nur nach Hause. Diese Fahrten würden wir dann nicht mehr schaffen, wenn wir innerstädtisch nur noch 30 km/h schnell fahren dürften.“

Tempo 30 in Soest? „Die Kneipen hätten Schwierigkeiten, ihre Gäste loszuwerden“

Eine weitere Wechselwirkung hätte das Tempolimit wohl auf das Nachtleben, vermutet er: „Die Kneipen hätten in der Nacht Schwierigkeiten, ihre Gäste loszuwerden, weil die Taxen nicht schneller vorankommen. Was wäre denn wohl los, wenn man die Leute zur Kirmes nicht schnell aus der Stadt bekommt? Wenn Alkohol im Spiel ist, steigert sich irgendwann die Aggressivität der Leute.“

Rund 80 Prozent seiner Fahrten würden zumindest innerstädtische Berührungspunkte in Soest haben – und zwar längst nicht nur dort, wo man tagsüber sowieso nicht schneller als durchschnittlich 30 vorankommt, erklärte er.

Tempo 30 in Soest? „Irgendwann hätte Soest das Problem, dass es keine Taxi-Unternehmen mehr gibt“

„Es gibt zwar viele Taxen in Soest, aber es müssen jetzt schon viele Kunden vertröstet werden. Gleichzeitig kämpfen wir mit steigenden Spritpreisen. Tempo 30 würde die Lage nicht verbessern. Es rechnet sich nur, wenn die Auftragsbücher voll sind. Bei maximal 30 km/h würde man die Bücher gar nicht voll bekommen können. Irgendwann hätte Soest dann das Problem, dass es keine Taxi-Unternehmen mehr gibt.“

Tempo 30 in Soest: Die Debatte

Nachdem sieben deutsche Großstädte und die Metropole Paris Tempo 30 für ihre Straßen ins Visier genommen haben, flammt auch in Soest die Diskussion um Geschwindigkeitsbegrenzungen wieder auf. Einige sind dafür: „Überall wo wir als Kommune das regeln können, sollte Tempo 30 vorgeschrieben sein“, formuliert Anne Richter die Forderung der Grünen. Andere präsentieren Alternativmodelle, wieder andere haben noch Diskussionsbedarf. Was denken Sie? Verraten Sie uns Ihre Meinung per Mail an stadtredaktion@soester-anzeiger.de.

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