Feuerwehrchef mahnt

Stundenlanger Gefahrguteinsatz in Soest wäre vermeidbar gewesen

Neben der Feuerwehr Soest war auch die Analytische Task Force aus Dortmund im Einsatz.
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Neben der Feuerwehr Soest war auch die Analytische Task Force aus Dortmund im Einsatz.

Nach dem Gefahrgut-Einsatz bei Börde Recycling in Soest mahnt Soests Feuerwehrchef, dass der Vorfall einfach zu verhindern gewesen wäre.

Soest – Bevor Soests Feuerwehrchef Jürgen Wirth am Samstag seine verdienten Kameraden beförderte und ehrte, berichtete er über eine Rückmeldung der Feuerwehr Dortmund, die am Donnerstag zusammen mit der Feuerwehr Soest wegen eines zunächst unbekannten Gefahrstoffs bei der Firma Börde Recycling im Einsatz war. „Die Führungsgruppe aus Dortmund war sehr erfreut über die professionelle Zusammenarbeit und Organisation am Sälzerweg“, so Wirth.

Vor allem das Zusammenspiel der Atemschutztrupps, die aus Soest und Dortmund gemeinsam zur Probe-Entnahme im Einsatz gewesen waren, sei gelobt worden. „Diese Rückmeldung ist ein Spiegel unserer Arbeit und bestätigt uns, dass wir den direkten Vergleich nicht zu scheuen brauchen. Wir können in einem Orchester vieler Feuerwehren gut mitspielen“, unterstrich Wirth.

Einsatz in Soest: Sorglosigkeit bei Müllentsorgung brachte Gefahr für Mitarbeiter und Feuerwehr

Die Analytische Task Force der Feuerwehr Dortmund, die in ihrem mobilen Labor analysieren konnte, dass es sich bei dem unbekannten Stoff um hochgefährliches Phosphin handelte, habe bestätigt, dass ihr Einsatz „absolut gerechtfertigt und notwendig“ war. Jedoch mahnte Wirth im Gespräch mit unserer Redaktion auch, dass es zu diesem Einsatz der Feuerwehr gar nicht hätte kommen müssen – das Phosphin, das unter anderem zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt wird, hätte ganz einfach nicht im Gelben Sack, sondern als Sondermüll entsorgt werden müssen.

Diese Sorglosigkeit bei der Müllentsorgung sei ein Dauerproblem und „eine Gefahr für die Mitarbeiter des Betriebes und auch für die Feuerwehrleute, die gerufen werden, wenn etwas passiert“. Da die Materialien oftmals geschreddert werden, bevor sich ihre Gefahr entpuppt, könnte nicht mehr sofort festgestellt werden, „mit was wir es zu tun haben“, weil nach dem Schreddern beispielsweise keine Gebinde mehr zu finden sind. „Im allerschlimmsten Fall kommt es dann beim Sortierprozess zur Zerstörung der Anlage. Der Arbeitsplatz vieler Mitarbeiter ist dann nicht mehr da.“ Wirth fehlt das Verständnis: „Es gibt doch die Abfallsammelstelle der Stadt und keinen Grund, den Müll irgendwo unsachgemäß zu entsorgen.“

Die Analytische Task Force (ATF)

Bundesweit gibt es acht ATF-Standorte. Die ATF bestehen aus besonders für die Bewältigung von Lagen mit Gefahrgütern ausgebildeten Einsatzkräften und spezieller Messtechnik. Sie werden in einem Radius von 200 Kilometern um ihren Standort tätig. Eine dieser acht Task Forces ist der Feuerwehr Dortmund angegliedert. Die ATF kann von der lokalen Feuerwehr am Einsatzort angefordert werden, wenn – wie im aktuellen Fall in Soest – beispielsweise unklar ist, mit welchem Stoff es die Feuerwehrleute da überhaupt zu tun haben. Die ATF kann mit einem mobilen Labor eine Schnellanalytik zur Stoff-Bestimmung durchführen.

Weitere Standorte gibt es bei den Berufsfeuerwehren Hamburg, Mannheim, Köln, München, Leipzig, Essen und dem Landeskriminalamt Berlin. Die Dortmunder ATF setzt sich aus Angehörigen der Berufs- und Freiwilligen Feuerwehr zusammen. Der Bund stattet die ATF mit Messtechnik und Einsatzfahrzeugen aus, koordiniert die Ausbildung und beteiligt sich an den Unterhaltskosten.

Als die Flammen immer wieder hochzüngelten und sich nicht löschen ließen, sei den Einsatzkräften bewusst geworden, dass sie es mit einer unbekannten Gefahr zu tun hatten. Als auch der Chemie-Fachberater der Feuerwehr keine sichere Diagnose liefern konnte, wurde die ATF Dortmund hinzugezogen. Nachdem vier Einsatzkräfte aus Dortmund anhand eines Videos keine sicheren Schlüsse ziehen konnten, bot die ATF an, mit vollem Aufgebot anzurücken. „So einen Vorschlag, dass Fachleute und Labortechnik zu einem kommen, lehnt man nicht ab“, so Wirth.

Einsatz in Soest: Unbekannter Stoff geht in Flammen auf - Taskforce der Feuerwehr Dortmund rückt an

Einsatz in Soest: Unbekannter Stoff geht in Flammen auf - Taskforce der Feuerwehr Dortmund rückt an
Einsatz in Soest: Unbekannter Stoff geht in Flammen auf - Taskforce der Feuerwehr Dortmund rückt an
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Einsatz in Soest: Unbekannter Stoff geht in Flammen auf - Taskforce der Feuerwehr Dortmund rückt an
Einsatz in Soest: Unbekannter Stoff geht in Flammen auf - Taskforce der Feuerwehr Dortmund rückt an

Durch die Stoff-Analyse kam die Feuerwehr zu einem gesicherten Ergebnis und konnte weitere Maßnahmen einleiten – der Firmen-Mitarbeiter, der zunächst eigene Löschversuche unternommen hatte, kam zur Kontrolle ins Krankenhaus, die Firma konnte nach einer Reinigung den Betrieb fortsetzen und die Feuerwehrleute um Einsatzleiter Wirth konnten nach sechs Stunden beruhigt abrücken.

Feuerwehr Soest ist stets auf der Suche nach Spezialisten

In diesem Zusammenhang richtete Jürgen Wirth das Wort an alle Soester, die in ihrem Beruf mit Gefahrstoffen zu tun haben – ob Chemiker, Apotheker oder Student: „Wir leben im täglichen Einsatz von Fachberatungen und suchen immer Leute, die mitarbeiten wollen. Wer Lust an sowas hat und sich einbringen möchte, kann sich gerne melden. Wir überlegen dann zusammen, wie die Fachberatung aussehen könnte.“

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