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Soest würde bei Starkregen voll laufen - jeder muss sich selber schützen

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Von: Gökcen Stenzel

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So sah Hattrop nach Starkregen im Juli 2021 aus.
So sah Hattrop nach Starkregen im Juli 2021 aus. © Daniel Schröder

Jeder Einzelne muss sich und sein Zuhause selber schützen – das erfordern die extremen Wetterlagen immer mehr.

Soest - „Wir werden nicht jeden schützen und nicht jedes Haus retten können“, sagte Birgit Dalhoff, die für Wasserwirtschaft zuständige Sachgebietsleiterin des Kreises, jetzt im Ausschuss für Ordnungsangelegenheiten und Rettungswesen. Mit „wir“ meinte die Expertin die Helfer, die alles dafür tun müssen, Leib und Leben zu retten, aber: „Bei einem Starkregen-Ereignis, das nie so genau vorhersagbar ist, geht es um extreme Wassermassen in kurzer Zeit, die sehr lokal für Überschwemmungen und sehr starke Fließgeschwindigkeiten sorgen. Da kommen Autos ins Schwimmen, da werden Fußgänger von den Beinen gerissen. Lebensgefahr.“

Gerade die Soester Innenstadt sei wegen ihrer Tallage gefährdet, das hätten die vergangenen Jahre bereits gezeigt, zuletzt war die Stadt 2017 regelrecht vollgelaufen. Das bedeute, so Dalhoff, dass sich jeder Hausbesitzer darüber informieren muss, inwieweit sein Grundstück starkregengefährdet ist (siehe Box). Und dass er entsprechende Vorsorge-Maßnahmen ergreifen muss. Die Ableitungen in die Gräften würden da bei weitem nicht ausreichen. Gerade Neubauten müssten ganz anders gedacht und realisiert werden vor dem Hintergrund der häufiger auftretenden Extremwetterlagen.

Vorhanden seien ja jetzt aussagekräftige, interaktive Karten, an denen sich die jeweilige Gefahrenlage ablesen lässt. Daran werden sich die Schutzmaßnahmen und Handlungskonzepte orientieren. Vorhanden sind auch, ganz praktisch, Starkregen- und Hochwasserschutzkomponenten. Zwar sind Starkregen und Hochwasser erst einmal unterschiedliche Phänomene, sie bedingen einander jedoch oft genug.

Vom Kreis Soest beschafft wurde das mobile Hochwasserschutzsystem „Aquariwa“: Das System besteht aus Kunststoffplatten, die unkompliziert zu großen Zylindern geformt werden können. Der stellvertretende Kreisbrandmeister Meinhard Reinecke stellte das System auf dem Gelände des Rettungszentrums praktisch vor.

Wenn diese Zylinder mit Wasser, Sand, Kies oder ähnlich schwerem Material gefüllt werden, entsteht damit eine effektive Barriere. Am Rettungszentrum waren 35 Meter zur Demonstration aufgebaut, insgesamt stehen demnächst 750 Meter zur Verfügung. Das Material wird bei der Feuerwehr Lippstadt untergebracht, von der es auch sachkundig betrieben wird. „Im Ernstfall kann es schnell mobil eingesetzt werden – überall im Kreis oder darüber hinaus, wenn überörtliche Hilfe angefordert wird“, so Reinecke.

Flexibel einsetzbar sind im Hochwassereinsatz auch die mit Pumpen bestückten Rollcontainer, die beeindruckende Mengen Wasser befördern können: Die drei neuen Module haben eigene Stromerzeuger, sodass die Pumpen auch laufen, wenn der Strom ausfällt. Jedes Modul verfügt über zwei Pumpen, die je 2.500 Liter in der Minute schaffen. Rechnet man alle zusammen, handelt es sich um 15.000 Liter pro Minute insgesamt.

Tipps und Karte

Wichtige Tipps zur Hochwasservorsorge (zum Beispiel Lichtschächte erhöhen, Gefälle des Grundstücks anpassen) gibt es hier. Ob das eigene Grundstück gefährdet ist, lässt sich im Geoportal NRW einsehen – siehe Starkregenhinweiskarte.

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