Eigene Sternwarte

Sonnenfinsternis über Soest: Alde-Schüler beobachten das Spektakel auf besondere Art

Gebannt blickten Schüler und Lehrer durch die „Sofi-Brillen“ nach oben und wurden Zeugen der partiellen Sonnenfinsternis.	Fotos: daniel schröder
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Gebannt blickten Schüler und Lehrer durch die „Sofi-Brillen“ nach oben und wurden Zeugen der partiellen Sonnenfinsternis.

Am Himmel stand heute Mittag ein seltenes Naturschauspiel an: Eine partielle Sonnenfinsternis. Schüler des Aldegrever Gymnasiums in Soest erlebten das Spektakel auf besondere Art und Weise.

Soest – Diese Astronomie-Kurs-Schulstunde werden die Achtklässler des Aldegrever Gymnasiums wohl nicht mehr vergessen: Statt Theorie im Klassenraum stand Praxis an der frischen Luft auf dem Unterrichtsplan. Um die partielle Sonnenfinsternis live zu beobachten, ging es zusammen mit Kurslehrer Jan-Hendrik Begger pünktlich um kurz vor 12 Uhr auf das Dach des Gymnasiums – dort liegt die hauseigene Sternwarte.

Schulleiter Martin Fischer war am Vortag auf die Idee gekommen, das Naturschauspiel zum praktischen Unterrichtsinhalt zu machen: „Das wirkt doch viel nachhaltiger als theoretischer Unterricht. Wenn sich solche Möglichkeiten bieten, muss man sie nutzen“, erklärte Fischer. Mit Jan-Hendrik Begger, der nicht nur Mathe, Bio, Physik und den Astronomie-Kurs unterrichtet, sondern auch privat großer Astro-Fan ist , hatte Fischer für seine spontane Idee den richtigen Mann zur Seite. Mit großer Mühe – denn in Soest seien weit und breit keine mehr zu bekommen gewesen – wurden noch am Mittwoch die wichtigen Brillen, durch deren Filter die Sonnenfinsternis gefahrlos beobachtet werden kann, in Oelde besorgt.

Jan-Hendrik Regger beim Ausrichten des Teleskops.

Durch die „SoFi-Brillen“ richteten sich die gespannten Blicke nach oben, doch um die Sonnenfinsternis noch eindrucksvoller zu verfolgen, mussten die meisten Schüler sich ein Stück nach vorne bücken: Durch das Okular eines Spiegeltelekops, das ebenfalls mit einem starken Filter zur Sonnenbeobachtung ausgestattet wurde, waren die Schüler – zumindest gefühlt – hautnah dabei. Wie weit entfernt sich das Himmelsschauspiel ereignete, machte Jan-Hendrik Begger deutlich: „Passt auf, dass ihr nicht am Teleskop rüttelt. Ein paar Zentimeter hier unten sind Millionen von Kilometern da oben.“ Am Ende hatte jeder einen oder mehrere Blicke durch das Teleskop erhaschen können: „Das sah aus wie eine Torte, die angeknabbert wird“, sagte ein Schüler.

Der Blick durch das Spiegelteleskop.

Wie besonders diese Schulstunde war, verdeutlichte Martin Fischer: Die nächste totale Sonnenfinsternis soll erst am 3. September 2081 stattfinden. „Wer weiß, wie ihr dann noch die steilen Treppen hier hoch kommt“, sagte er in Richtung seiner Schüler.

Alde-Schüler beobachten Sonnenfinsternis: Die Erstmeldung

Soest - Heute (10. Juni 2021) ist über Deutschland eine partielle Sonnenfinsternis zu sehen. Der Neumond wird sich mitten am Tag vor einen Teil der Sonne schieben.

Der Neumond wird sich im Norden Deutschlands zu rund 20 Prozent und im Süden zu rund sechs Prozent vor die Sonne schieben. Im zentralen Nordrhein-Westfalen beträgt die Abdeckung etwa 14 Prozent.

Auf dem Dach des Aldegrever-Gymnasiums sind alle bereit.

Die größte Abdeckung wird in Deutschland je nach Standort von West nach Ost zwischen 12.20 und 12.40 Uhr zu beobachten sein. Rund eine Stunde zuvor beginnt der Mond sich in selber Richtung aus Sicht der Erde vor die Sonne zu schieben. Eine Stunde nach dem Maximum ist es wieder vorüber.

Die Schüler der Astronomie AG des Soester Aldegrever Gymnasiums erwarten die Sonnenfinsternis auf der hauseigenen Sternwarte. Mit Teleskopen und speziellen Brillen werden sie Zeugen des Ereignisses.

Sonnenfinsternis am 10. Juni 2021: Ohne spezielle Schutzbrille geht es nicht

Für Kinder wie Erwachsene gilt: Wer die Sonnenfinsternis ansehen will, sollte unbedingt eine spezielle Brille („Sofi-Brille“) tragen.

Experten warnen: Wer die Sonnenfinsternis ohne Brille oder einen anderen Schutz beobachtet, kann seine Augen schwer und irreparabel schädigen: Die ohnehin schon extrem hellen Sonnenstrahlen werden durch Hornhaut und Augenlinse so stark gebündelt, dass es zu Verbrennungen auf der Netzhaut kommt.

Nächste totale Sonnenfinsternis in Deutschland erst wieder im Jahr 2081

Sonnenfinsternisse sind selten, weil mehrere Faktoren zusammenkommen müssen. Ein solches Ereignis kann nur bei Neumond eintreten - und wenn der Mond genau zwischen Erde und Sonne steht. Durch die Neigung der Mondbahn zieht dieser aber meist ober- oder unterhalb der Sonne vorbei.

Maximal zwei bis vier Sonnenfinsternisse gibt es pro Jahr irgendwo auf der Erde. Die nächste, die auch in Deutschland zu sehen ist, wird es am 25. Oktober 2022 geben. Die letzte totale Sonnenfinsternis gab es in Deutschland am 11. August 1999, die nächste wird erst am 3. September 2081 stattfinden.

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