Modellbau

Soester feilt seit mehr als fünf Jahren an der AIDA

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Noch kann Modellbauer Heiko Fischer seine AIDAcara nicht steuern, dafür fehlt die nötige Elektronik im Rumpf des Schiffes.

Soest - Mehr als 190 Meter lang und 27 Meter breit ist das Kreuzfahrtschiff Aida-cara, das seit 1996 über die Weltmeere schippert. Es ist das älteste und kleinste der Aida-Schiffe. Ganz so groß soll das Modell von Heiko Fischer dann doch nicht werden. 

Aber der Soester baut das Schiff immerhin im Maßstab 1:100 detailgetreu in seinem Hobbykeller nach – immerhin noch knapp zwei Meter lang. Heiko Fischer baut das Schiff aber nicht, um es sich auf den Kaminsims zu stellen, sondern er will es zu Wasser lassen. Seit nun fünf Jahren ist Fischer damit beschäftigt, zu bohren, fräsen und schleifen – alles in mühseliger Handarbeit.

Läuft alles gut, dann soll das Schiff schon im nächsten Jahr auf Jungfernfahrt gehen, erklärt der 48-Jährige. Fertig ist es auch dann noch längst nicht, „ich brauche noch mindestens zwei Jahren, bis alles fertig ist.“ Heiko Fischer ist sehr genau, fast penibel. 

An der Aida soll später einmal alles stimmen. Nur den Rumpf des Kreuzfahrtschiffes hat der Modellbauer im Internet gekauft, sonst fertigt er das Schiff in Kleinstarbeit. Selbst die Einlassungen für die Kabinen in den Rumpf hat der Soester selber gefräst – die vielen kleinen Fenster und Bullaugen sowieso. „Als Nächstes werden in die Fenster Glasscheiben aus Acrylglas eingesetzt“, sagt Heiko Fischer, der häufig mit der Pinzette arbeiten muss.

Comicfigur „Werner“ paddelt in einem selbst gebauten Boot von Heiko Fischer.

Vor zwölf Jahren ist Fischer auf den Kutter gekommen. „Ein alter Schulfreund hat mir sein Modell gezeigt, da dachte ich, das will ich auch“, sagt er. Die Aida ist erst das vierte Schiff, das der Soester anfertigt. Zunächst hat Fischer sich an einem Fischkutter versucht, das Modell steht heute in einer Vitrine in seinem Keller. „Das war eigentlich nur ein Gag“, sagt er über sein nächstes Projekt. 

Heiko Fischer hat die Hauptfigur aus der Comicverfilmung „Werner“ in ein Ruderboot gesetzt, das er selbst geschliffen und lackiert hat. Der „Werner“ sitzt aber nicht nur still und stumm im Boot, sondern paddelt kräftig mit – und bewegt dabei seinen Kopf –, wenn ihn Heiko Fischer mit seiner Fernsteuerung über die Seen und Gewässer in der Umgebung rudern lässt. „Für Heiko geht es immer erst richtig los, wenn es an die Technik geht“, sagt Ehefrau Anke Fischer, die ihren Mann vor allem für seine Geduld bewundert. „Das wäre für mich nichts.“ Heiko Fischer ist Elektroniker, in der Corona-Krise hat er seine Arbeitsstelle verloren.

„Es ist schwer, jetzt etwas Neues zu finden“, sagt er. Die gewonnene Zeit steckt er in sein Projekt. Eine Hupe, die passenden Soundeffekte, einen Suchscheinwerfer, Rettungsboote, die er einzeln zu Wasser lassen kann – das gehört auf Fischers Schiffen zur Standardausrüstung. Für die Aida hat sich der Hobbymodellbauer aber etwas Besonderes überlegt. „Ich möchte hinter jedem Fenster eine Leuchtdiode anbringen, sodass ich auf den Seiten bunte Bilder entstehen lassen kann“, erklärt Heiko Fischer enthusiastisch.

Hafen-Kran kracht auf Modellschiff

„Denn das Schönste überhaupt“, so Fischer, „ist es, wenn die Boote in der Dunkelheit auf dem Wasser leuchten.“ Und da es alleine weniger Spaß macht, nimmt er regelmäßig an Modellschiff-Treffen teil. Er ist Mitglied im Internet-Forum RC-Modellbau-Schiffe, um sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Einmal im Jahr gibt es ein großes Treffen in Greven im Münsterland, wo die Hobbybastler ihre Schiffe präsentieren. 

Unfreiwillig stand Heiko Fischer dort schon einmal im Mittelpunkt: Sein Bergungsschlepper „Happy Hunter“ kollidierte im Dunkeln mit seinem schwimmenden Hafen. „Der Kran ist auf das Schiff gefallen“, sagt Heiko Fischer. Gut, dass es sich dabei nur um ein Modell handelte, denn bei einem ähnlichen Unfall mit einem echten Schlepper, läge der Schaden wohl in Millionenhöhe, so aber konnte Fischer ihn am nächsten Tag mit ein wenig Kleber und einer Pinzette weitgehend beheben.

Die meisten Teile für die Aida bezieht Heiko Fischer aus Modellbaugeschäften. Seine Miniatur-Besatzung und die Kreuzfahrer rekrutiert er in Modellbahnshops. „Die Geschäfte werden aber immer weniger“, sagt Fischer, denn der Nachwuchs interessiere sich nur noch wenig für das Zusammenbauen, stattdessen „werden fertige Modelle gekauft, zusammengesteckt, sodass sofort gefahren werden kann“. Fischer produziert Einzelteile auch mit dem eigenen 3D-Drucker – so wird die Aida zu einem echten Unikat.

Heiko Fischer hat einen Wunsch

Sein Wunsch: Ein Mitstreiter aus der Umgebung, mit dem er fachsimpeln kann. Der dürfte dann wohl auch dabei sein, wenn Fischer das 22 Kilogramm schwere Schiff aus seinem Hobbykeller über die Wendeltreppe in das Erdgeschoss verfrachtet. Anke Fischer ist skeptisch – Heiko Fischer zuversichtlich, dass die Jungfernfahrt ein Erfolg wird.

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