Peter Behrens erzählt von seinem Absturz

Peter Behrens (rechts) erzählt Klaus Marschall seine Lebensgeschichte, über die Anfänge, den Aufstieg und den Absturz. Der Soester schreibt ein Buch über den einstigen Trio-Schlagzeuger, dem nichts von seinem einstigen Ruhm geblieben ist. - Foto: Niggemeier

SOEST - Er ist Rentner, und er lebt sehr, sehr bescheiden. Zu Hause in seiner Wohnung über der Stammkneipe „Kling-Klang“ in Wilhelmshaven fühlt er sich wohl. Schaut er – so wie am Dienstag in Soest – auf sein Leben zurück, dann sagt Peter Behrens: „Ich würde alles noch einmal so machen.“

Viel blieb dem einstigen Schlagzeuger von „Trio“ nicht von seinem Ruhm rund um den Welt-Hit „Da Da Da“. Schon ewig ist kein Geld mehr da.

Er galt als der traurige Trommler, oft ist in den langen Gesprächen mit dem Soester Lehrer Klaus Marschall von den wilden Zeiten die Rede, „meine besten Jahre“. Das war einmal, und das kommt nicht wieder. Nur für ein paar Tage bleibt der einstige Kult-Drummer in der Börde, denn er hat Heimweh nach dem hohen Norden.

Klaus Marschall lässt den 65-Jährigen Veteranen aus den Tagen der Neuen Deutschen Welle erzählen. Er will mehr über das Leben des Schlagzeugers erfahren, über den steilen Aufstieg und den schroffen Absturz, über die Alkoholprobleme. „Wir haben gefeiert, gesoffen und den Luxus genossen“, sagt der Ruheständler, der nur noch manchmal – hin und wieder am Wochenende – Musik macht. Es ist die Geschichte einer jähen Karriere vom Millionär zum Tellerwäscher, von einem, der sein Geld verprasste und dem letzlich nichts anderes übrig blieb, als sich mit Hartz IV durchzuschlagen.

Der 41-Jährige Soester, der ihm aufmerksam zuhört und seine Notizen macht, unterrichtet am Berufskolleg in Arnsberg. Es ist ihm wichtig, dass Schüler und Eltern Bescheid wissen über Drogen und über die Wege, die in die Sucht führen. Der Langläufer Hermann Wenning etwa – der kürzlich auch in der Soester Stadtbücherei las – beeindruckt Klaus Marschall: Er berichtet frei und offen über seine Drogenabhängigkeit – und darüber, wie es ihm allmählich gelang, wieder Fuß zu fassen. Gemeinsam mit ihm entstand die Idee, über Peter Behrens zu schreiben, der weiß, wie es ist, ganz oben zu landen, sich im Erfolg zu sonnen und plötzlich tief unten aufzuprallen. In Verleger Oliver Schwarzkopf fand Klaus Marschall einen Befürworter, der ihn ermutigt, das Projekt umzusetzen. Auch Peter Behrens ließ sich darauf ein, seine Biografie zu Papier zu bringen. Er zieht Bilanz, und er weiß nun: „Vieles ist gesagt, aber längst nicht alles erzählt. „Basta“, ist ein Wort, das er in der Arbeit mit dem Autor häufig hinzufügt, „basta, so war’s. So ist’s passiert und nicht anders.“ Der Mann, den einmal jeder kannte, reiste mit der Bahn an und prompt erkundigte er sich beim Zugbegleiter nach Söst statt nach Soest. Als er erfuhr, wie’s richtig heißt, fiel ihm wieder der alte Otto-Kalauer aus einem Sketch mit dem rasenden Reporter Harry Hirsch ein: „Karl Soost – Prost“. Ein Spruch, der ihn neugierig machte auf die Stadt.

Beim Besuch hier macht er klar: „Trio, das war nicht nur ,Da Da Da’, da steckte viel, viel mehr dahinter.“ Das hatte Substanz und war Punk vom Feinsten. - Köp.

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