1. Soester Anzeiger
  2. Lokales
  3. Soest

Acht Jahre und 152 Tage nach dem Feuer: Darum wurde die Ostönner Brandruine plötzlich plattgemacht

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Daniel Schröder

Kommentare

Martin Maibrink gab der Ruine mit dem Abrissbagger den Rest. Die Natur war dem Gebäude bereits sichtbar an die Substanz gegangen.
Martin Maibrink gab der Ruine mit dem Abrissbagger den Rest. Die Natur war dem Gebäude bereits sichtbar an die Substanz gegangen. © Daniel Schröder

Auf diesen Tag haben wohl die meisten Ostönner lange gewartet – um genau zu sein: Acht Jahre und 152 Tage! Am Mittwoch wurde die Brandruine an der alten B1 mit dem Abrissbagger dem Erdboden gleichgemacht.

Ostönnen – Am 29. Januar 2013 brannte der historische Gasthof an der Werler Landstraße, der Brand beschäftigte die Feuerwehr Soest mehr als elf Stunden lang. Wenige Tage später stand für die Polizei fest, dass das Feuer das Werk von Brandstiftern gewesen sein muss. Der Brand war an mehreren Stellen im Haus gelegt worden. Die Täter mussten vor dem Zündeln also in den Gasthof eingedrungen sein. Da jedoch bis heute kein Täter ermittelt und verurteilt werden konnte, hat die Versicherung bislang nicht gezahlt. Deshalb wurde die Brandruine im Laufe der acht Jahre seit dem Brand zum Ostönner Schandfleck am östlichen Ortseingang.

Ein Schandfleck, der der Witterung der vergangenen Jahre immer weniger entgegenzusetzen hatte: Nachdem der Dachstuhl aus Sicherheitsgründen schon vor längerer Zeit abgerissen worden war, ging es am Mittwoch dem restlichen Teil des verfallenen Gebäudes an die Substanz: Mit dem Abrissbagger ließ Martin Maibrink vom Lippetaler Abbruchunternehmen Hofhoff letztlich nur einen Haufen Schutt von der – jetzt ehemaligen – Brandruine übrig.

Brandruine Ostönnen: Stadt ordnet Abriss aus Sicherheitsgründen an

Der Abriss war zuvor von der Stadt Soest angeordnet worden, berichtete Stadtsprecher Thorsten Bottin. Eine Wand hatte sich nach außen geneigt. Deshalb musste die westlich des Gebäudes liegende Gasse gesperrt werden. Wegen der akuten Gefahr folgte der angeordnete Abriss. Wie sehr der Zahn der Zeit an der Ruine genagt hatte, wurde durch den gefräßigen Abrissbagger deutlich: Neben unzähligen durchgefaulten Balken wurden auch kleine Bäume und Sträucher, die mittlerweile im Innern des Hauses gewachsen waren, entwurzelt.

Brandruine Ostönnen: „Hier gab es viele schöne Familienfeiern und viel Spaß mit Stammgästen“

Durch den Abrissbagger kam aber auch manche Erinnerung hoch. Nachdem Frank-Dieter Sievert, der in fünfter Generation zwischen den 1960er- und 1990er-Jahren am Zapfhahn stand und den Abriss mit eigenen Augen verfolgte, ein Foto der verstaubten, aber ansonsten intakten Biergläser sah, sagte er: „Hier gab es viele schöne Familienfeiern und viel Spaß mit Stammgästen.“ Trotz aller emotionaler Verbundenheit betonte er: „Man ist froh, dass sich hier jetzt mal was tut. Es war kein schöner Anblick.“

Viele Gläser blieben über die Jahre heile im Schrank.
Viele Gläser blieben über die Jahre heile im Schrank. © Daniel Schröder

Nach dem Abschied der Familie Sievert war das Objekt mehrfach verpachtet worden, bevor im Jahr 2002 Werner Horschig das Lokal, das bis dahin „Zur Post“ hieß, kaufte und in „Petras Landgasthof“ umbenannte.

Helmut Reinecke (links) und Frank-Dieter Sievert.
Helmut Reinecke (links) und Frank-Dieter Sievert. © Daniel Schröder

Auch Dr. Helmut Reineke, der im Nachbarhaus wohnt, verfolgte die Abrissarbeiten mit gespanntem Blick: „Es ist wunderbar, dass das Gebäude endlich abgerissen wird“, sagte er. „Zum Glück“ habe er aus seinen Wohnräumen keinen Blick auf die Ruine gehabt. Aber: „Es war schon schlimm, wenn man in den Ort reinkam und verfolgen konnte, wie das Gebäude immer mehr zu einem ‘wunderschönen’ Biotop wurde. Passend zum bevorstehenden Schützenfest-Wochenende wird die Ruine jetzt dem Erdboden gleichgemacht.“

Ab jetzt dürften sich viele Ostönner allerdings eine neue Frage stellen: Wie lange wird es dauern, bis auch der Schutthaufen voller Sondermüll beseitigt ist und auf dem Grundstück endlich etwas neues gebaut werden kann?

Auch interessant

Kommentare