Kinderärztin stellt Demonstranten zur Rede

Maskengegner demonstrieren vor Grundschule - das sagen die Beteiligten

Fanden keinen gemeinsamen Nenner: Dr. Christine Stolk (rechts) und eine Demonstrantin, die als „Wortführerin“ agierte.
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Fanden keinen gemeinsamen Nenner: Dr. Christine Stolk (rechts) und eine Demonstrantin, die als „Wortführerin“ agierte.

Am Freitag demonstrierten Maskengegner vor einer Grundschule in Soest.

Soest – Vor der Soester Petri-Grundschule machte am Freitag ein halbes Dutzend Maskengegner seinem Unmut über die Maskenpflicht an Schulen Luft. Auf dem Bürgersteig gegenüber des Vordereingangs der Grundschule suchten sie das „Aufklärungs-Gespräch“ mit Eltern und Lehrern. Viele wollten nicht mit ihnen reden.

Eine Kinderärztin, die ihre Tochter eigentlich nur von der Schule abholen wollte, stellte die Demo-Teilnehmer zur Rede und fand dabei deutliche Worte. Die Grundschüler, die bewusst nicht von den Demonstranten angesprochen worden waren, verfolgten die Szenerie mit stummen Blicken. Das sagen die Beteiligten.

Mit stummen Blicken verfolgten die Schüler die Demonstration.

Das sagen die Demonstranten: Man wolle „nur informieren“, hieß es. Unternehmer Anatolio Solo berichtete: „Wir sind keine Querdenker, Corona-Leugner, noch irgendein anderer Quatsch. Und wir sprechen keine Kinder an.“

Er und seine Mitstreiter wollten darauf aufmerksam machen, dass die Schutzmasken gegen die Corona-Ausbreitung schädlich für Kinder seien. Zu ihren Quellen würden „zahlreiche Ärzte“ und verschiedene Studien zählen. „Die Masken verursachen Kopfschmerzen, Übelkeit und CO2-Vergiftungen“, sagte Solo. Auf die Frage, wie beispielsweise der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte zu dem Schluss kommen würde, dass Masken auch bei Kindern gesundheitlich unbedenklich seien, vermutete er „Unwissenheit oder Lobbyismus“.

Als Arbeitgeber habe er sich „ausführlich mit der Thematik befasst“. Als Alternative zur Maske präsentierte er einen für Klassenräume geeigneten CO2-Sensor. Wenn man gleichzeitig einen „Hepa-Filter“ einsetze, sei es möglich, die Aerosol-Verteilung in Verbindung mit regelmäßigem Stoßlüften zu verhindern. Der Stadt Soest lägen seine Konzepte seit Oktober vor, aber passiert sei nichts. „Wir haben Lösungsansätze und wollen den Verantwortlichen unter die Arme greifen!“

„Lasst Kinder lachen“ und „Für unsere Kinder sind wir hier“, hieß es auf Schildern der Teilnehmer.

Die Kosten beziffert er auf „weniger als 500 Euro pro Klassenraum“. Mit den Geräten, die von seiner Firma vertrieben werden, wolle er „nichts verdienen“. „Ich will eine Lösung.“ Was die Masken angeht habe er insbesondere Sorgen um die „ CO2-Rückatmung“.

Thomas Nübel von der Abteilung Schule der Stadt Soest war ebenfalls als Beobachter der Demo vor Ort. Er erklärte, dass CO2-Sensoren und Hepa-Filter nicht dafür sorgen würden, dass die Maskenpflicht in den Klassenräumen aufgehoben werden könnte.

Das sagt der Schulleiter: Schulleiter Volker Wilmes wurde mehrfach von den Demonstranten lautstark zu einem Gespräch aufgefordert. „Ich habe ihnen deutlich gesagt, dass ich daran kein Interesse habe“, berichtete er. Wenn er es sich hätte aussuchen können, hätte er die Demonstranten nicht dazu eingeladen, vor seiner Schule zu demonstrieren.

Zum Gespräch zwischen Schulleiter Volker Wilmes (2. von links) und Demonstrant Anatolio Solo (recht) kam es nicht.

„Aber wir haben in unserer Demokratie das Demonstrationsrecht und das Recht auf freie Meinungsäußerung. Und das ist gut so. Glücklicherweise wurden keine Kinder angesprochen. Doch auch die Kinder müssen lernen, dass es andere Meinungen gibt und man diese akzeptieren muss.“

Das sagen Eltern und Kinder: Dr. Christine Stolk, Mutter und Kinderärztin aus Soest, wollte am Freitagmittag eigentlich nur ihre Tochter abholen. Doch dann entschied sie sich, die Worte der Demonstranten nicht unkommentiert stehenzulassen. „Das ist peinlich. Können Sie sich nicht irgendwas Sinnvolles einfallen lassen?“, fragte sie in Richtung der anderen Straßenseite.

Die Polizei begleitete die Demo.

Sie erklärte: „Natürlich freuen wir uns alle, wenn Corona vorbei ist und wir keine Maske mehr tragen müssen. Aber auch ich atme jeden Tag CO2 ein und lebe immer noch. Das ist vollkommen normal.“ Zwar seien Kinder statistisch nicht oft von schweren Corona-Verläufen betroffen, doch würden sie das Virus weitergeben wie jeder andere Mensch auch. „Und das unbemerkt, weil sich die Krankheit oft nicht zeigt.“

Deshalb sei das Maske-Tragen bei Kindern gegen die Pandemie-Ausbreitung wichtig. Stolk ärgerte sich, dass die Demo vor einer Grundschule stattfand. „Ich glaube zwar nicht, dass die Kinder dadurch eingeschüchtert werden. Aber ich finde es einfach nur lächerlich.“ Ihre Tochter schloss ab: „Ich habe von der Maske noch nie Kopfschmerzen bekommen. Manchmal vergesse ich sogar, sie abzusetzen.“

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