Landesamt reagiert auf EU-Kritik am Vogelschutz

Junge Wiesenweihen in einem Getreidefeld. - Foto: Privat

KREIS SOEST - „Da beißt die Maus keinen Faden ab – wir kriegen das nicht in den Griff!“ Nach der Schelte der Europäischen Kommission, die Behörden täten zu wenig für das Vogelschutzgebiet, bestätigt der Sprecher des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV), Peter Schütz, wie schwierig der Artenerhalt der Feldvögel sei.

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- Vogelschutz in der Börde: EU knöpft sich Behörden vor

Die Rahmenbedingungen für diese Tiere hätten sich – nicht nur in der Soester Börde – gravierend verschlechtert, mit schnellen Korrekturen und besseren Vogelbeständen sei kaum zu rechnen.

Der Anzeiger hatte vom Blauen Brief aus Brüssel berichtet. Über das Bundesaußenministerium war die Protestnote („Vertragsverletzungsverfahren“) bis zum NRW-Umweltminister, dem Ausschuss, dem Landesamt für Umwelt sowie den Behörden im Kreis durchgereicht worden.

Bis September fordert Brüssel nun eine Antwort, warum es mit dem Vogelschutz in dieser Region hapert und was die Behörden dagegen zu tun gedenken. Binnen zehn Jahren sank die Zahl der Brutpaare der Wiesen- und Rohrweihen von 40 auf unter 20.

„Den kompletten Wegfall der Brachflächen“ nennt LANUV-Sprecher Schütz als Hauptgrund für die Misere. Diese Brachen seien gerade für den Wachtelkönig „ein ideales Jagdgebiet“ gewesen. Aber auch die veränderten Fruchtsorten auf den Feldern hätten sich zum Nachteil für die Vögel ausgewirkt. Suchten sie früher Futter und Schutz in den Getreidefeldern, treffen sie neuerdings in der Börde immer häufiger Maisfelder an – mit denen die Weihen und Wachtelkönige nichts anfangen können.

en schwerwiegenden Veränderungen schon damals gewusst, hätten wir das Vogelschutzgebiet Hellweg-Börde erst gar nicht bei der EU angemeldet“, sagt Schütz. So aber habe man weit über die Region ein Vorzeigeprojekt gestartet, sei aber auch die Verpflichtung eingegangen, nahezu Unmögliches leisten zu wollen. Schütz bestätigt: „Es ist Gefahr im Verzug.“

Aber nicht erst seit dem blauen Brief aus Brüssel. Naturschützer, Landwirte und Behörden würden schon seit längerem erkennen, dass die Ziele des Vogelschutzgebiets verfehlt werden. Deshalb treffe man sich seit dem vergangenem Jahr am runden Tisch, um gemeinsam Lösungen zu verabreden. „Einfach nur den schwarzen Peter weiterzureichen, genügt nicht“, so das LANUV.

Dabei steht schon jetzt fest: „Ohne Umkehr des Trends in der Flächennutzung wird es keine Umkehr bei der abnehmenden Zahl der Brutpaare geben“, sagt Schütz. - hs

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