Resümee von Stadt und Polizei

Die große Bilanz: "Jahrhundertkirmes" lockt 1,3 Millionen Besucher

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Immer weniger Riesenrad: Sauber aufgereiht liegen die Stahlträger auf dem Sattelzug – und im Hintergrund kommt am Montagvormittag die Petrikirche immer deutlicher zum Vorschein.

Soest – Montagmittag, halb zwölf: Draußen vorm Soester Rathaus fehlt dem Riesenrad schon ein sattes Viertel seiner Fläche, rundherum wird geschraubt und verstaut, Lastwagen prägen das Bild.

Drinnen im kleinen Sitzungssaal gibt es Fischbrötchen und starken Kaffee – die Stadt hat zum traditionellen Katerfrühstück eingeladen. Das Schöne: Während draußen ziemlich trübsinnig eingepackt wird, teilen die Teilnehmer drinnen fröhlich aus: Anstatt Katzenjammer gibt es nichts als Komplimente und Superlative für die 682. Soester Allerheiligenkirmes.

Die erste Kostprobe gibt Bürgermeister Eckhard Ruthemeyer: „Ich bin ja zurückhaltend mit Superlativen, aber für mich war das eine Jahrhundertkirmes!“ Die bürgermeisterliche Begründung kommt so schnell wie eine Talfahrt im „Apollo 13“: Die Wetter-Voraussagen seinen grottenschlecht gewesen, doch pünktlich zur Eröffnung habe es bis auf ein paar Tropfen aufgehört zu regnen. Und weil der fünftägige Festreigen medial exzellent begleitet worden sei, habe es „mindestens Sonntag“ einen Besucherrekord gegeben.

Darauf ein Fischbrötchen: Nach dem Fest gab es viel Lob für die 682 Auflage der Allerheiligenkirmes.

„Der Erfolg hat mit Sicherheit mit dem einzigartigen Flair hier in Soest zu tun“, freut sich Thomas Schneider, selbst Schausteller und Soester. Sein Dank gilt den Soester Bürgern, die viele Einschränkungen in Kauf genommen hätten sowie der Stadtverwaltung, die „der Kirmes eine große Bedeutung zumisst“. Sein Fazit: „So wie in diesem Jahr wünschen wir uns das auch in der Zukunft.“

Karussell bleibt plötzlich stehen: Stau in der Stadt und bei Apollo 13

Als „ziemlich entspannt“ präsentiert Andreas Stache als Leiter der Polizeiwache Soest das Kirmes-Treiben 2019. Der Mann schätzte die Besucherzahl auf 1,3 Millionen, diagnostiziert eine „deutliche Steigerung“. „Das können wir gerne jedes Jahr wieder so machen“, meint er angesichts von nur zwei Festnahmen und vergleichsweise wenig Gewalt. In Atem hatte die Beamten am Mittwoch ein Mann gehalten, der falsche Zehn-Euro in Umlauf gebracht hatte.

So schön war die Allerheiligenkirmes 2019:

Besondere Blicke auf die Soester Allerheiligenkirmes 2019

Allerheiligenkirmes am Freitag

Doch weil in diesem Jahr erstmals Schausteller und Polizei in einer Whatsapp-Gruppe kooperierten „und auch Kommissar Zufall zur Hilfe kam“, habe man den Täter schnell verhaften können. Ansonsten gab es viele Fehlanzeigen: Keine Wohnungseinbrüche, kaum Diebstähle, nichts Spektakuläres. Dafür eine Geschichte zum Schmunzeln. „Am Sonntagabend hat es eine Meldung gegeben, dass aus dem ,Tower Event Center’ am Bahnhof ein Mann aus einer Gondel gefallen sei“, erzählt Stache. Tatsächlich aber hätte sich ein alkoholisierter Mann mit der Metall-Statue vor dem Center geprügelt – und „naturgemäß verloren“.

Das Kater-Frühstück endet mit viel Seichtem: So attestiert Ansgar Rochell vom DRK seinen täglich 40 ehrenamtlichen Helfern ein Miteinander „wie auf einem Klassentreffen“. RLG-Betriebsleiter Jürgen Schmidt freut sich über einen Anstieg der Park & Ride-Fahrgäste – und stellt viele Verspätungen am Sonntag fest, weil der Autoverkehr schlicht zu groß gewesen sei. Zum Schluss gibt‘s von Vertretern der Stadt noch Lob fürs Besucher-Plus am Sonntag und die mobilen Stellwände fürs Urinieren. 

Als schließlich das letzte Fischbrötchen vertilgt ist, ist das Riesenrad draußen schon zur Hälfte demontiert.

Nach der Kirmes: Still ruht der Bahnhof

So wie Thomas Eckert ging es am späten Freitagabend vielen Fahrgästen am Soester Bahnhof: Anstatt im Halbstunden-Takt in Richtung Unna fahren zu können, herrschte bis nachts um zwei Stille auf den Gleisen. Umso lauter äußern Fahrgäste wie Eckert ihren Unmut: Es habe weder Busse noch Taxis gegeben – und keine Informationen am Bahnhof. Michael Lutter erzählt, wie er zweieinhalb Stunden am Bahnhof wartete, ehe gegen 2 Uhr eine Bahn in Richtung Werl eingefahren sei. Und ein weiterer Anzeiger-Leser macht seinem Unmut Luft, weil ein Bus in Richtung Wickede in der Nacht wegen der Sperrung auf der A44 im Stau stecken geblieben war.

Die dunkle Seite der Allerheiligenkirmes: Straftaten, Notfälle und Sauereien

Als „sehr unglücklich für alle Beteiligten“ bezeichnete die Eurobahn-Sprecherin Nicole Pizzuti die Ausfälle am Freitagabend. Weil es zunächst zwischen Bad Sassendorf und Soest eine Streckenstörung und anschließend den krankheitsbedingten Ausfall eines Lokführers gegeben habe, seien die Züge der Eurobahn von Soest aus zwischen 22 und 3 Uhr nicht gefahren. „Der Zugführer musste den Dienst akut beenden“, so Pizzuti. Und weil die Kollegen in der Leitstelle für Klarheit sorgen wollten, hätten sie anstatt einen Ersatz zu suchen lieber „die deutliche Kommunikation an den Fahrgast“ veranlasst und die Züge auf „Ausfall“ gestellt.

Weil es mit dem Subunternehmer „Tri-Rail“ noch einen Anbieter für den Sonderfahrplan gab, seien aber nicht alle Verbindungen ausgefallen. Welche genau nun stattgefunden haben, das konnte bis zum Montagabend aber weder Nicole Pizzuti noch Uli Behle vom „Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe“ sagen. Immerhin: Ab 2 Uhr sei ein Notverkehr mit Taxis eingerichtet worden. Und auch einige wenige Busse von Westfalenbus hätten Fahrgäste aufgenommen.

Kirmes-Bekenntnisse

„Das war echt filmreif“, amüsiert sich Birgitt Moessing vom Stadtmarketing. „Weil es die beliebten Mützen und Schals mit den Kirmes-Motiven nur für Kinder gegeben habe, sei es zu spektakulären Szenen gekommen, „wenn Erwachsene versuchen, sich möglichst klein zu machen“. Das aber passt ins Bild: Denn auch die Kirmes-Pins und Christbaum-Behänge mit Kirmes-Charme seien mal wieder vergriffen.

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