"Jugend forscht": Samantha entdeckt ein Schloss

Samantha Seithe packte das Forscherinteresse als sie vom Schloss in Scheidingen hörte. Die junge Schülerin wurde tatsächlich fündig und lockte selbst die Archäologen des LWL an, die ihre Grabungen im Sommer weiterführen werden. - Foto: Niggemeier

WELVER - Ende Mai nimmt Samantha Seithe aus Welver-Scheidingen am Bundesfinale der Stiftung „Jugend forscht“ teil, als eine von nur 20 jungen Nachwuchsforschern aus ganz NRW. Über den Regionalwettbewerb in Dortmund und den Landesentscheid in Leverkusen qualifizierte sich die 13-Jährige im Fachgebiet Geo- und Raumwissenschaften.

In den Vorjahren hatte sie schon mehrfach erfolgreich Beiträge bei „Schüler experimentieren“ eingereicht. In diesem Wettbewerb hätte die Jungforscherin altersbedingt eigentlich auch in diesem Jahr antreten müssen, doch die Stiftung war von ihrem Beitrag über mittelalterliche Siedlungsspuren dermaßen überzeugt, dass sie in den Jugendwettbewerb hochgestuft wurde.

Bevor es jedoch hierzu kam, fing alles eigentlich recht harmlos an. In einer Chronik über ihren Heimatort Scheidingen fiel Samantha im vergangenen Frühjahr das Wort „Schloss“ ins Auge, genauer genommen die Wörter „Schloss in Scheidingen“. Nun hat das Dorf am Salzbach zwar einiges zu bieten, ein herrschaftliches Anwesen lässt sich dort jedoch nicht finden und auch auf Nachfrage konnte der wissenshungrigen Gymnasiastin niemand weiterhelfen. Doch das Interesse war geweckt und nicht zum ersten Mal wurde eine Zufallsentdeckung zum Auftakt eines größeren Forschungsprojektes. „Ich wollte das Schloss unbedingt finden“, erklärte die 13-Jährige im Anzeiger-Interview. „Erfahrungen im Nachforschen hatte ich ja bereits“.

Es folgten lange Recherchen in Büchern, alten Karten und Urkunden, die immer mehr Hinweise enthielten. Mal war von einem Königsweg die Rede, an anderer Stelle vom Steinwerk, dem befestigten, mittelalterlichen Speicher- und Zufluchtsort von Adel und Kaufmannsleuten. In einer Urkunde aus dem 15. Jahrhundert wurde dann wieder das Schloss erwähnt, auch Hinweise auf dessen Zerstörung im Zuge der Soester Fehde (1444-1449) ließen sich finden.

Mit der bloßen Recherche war es nun nicht mehr getan. Auf zwei Bereiche war der mögliche Standort letztendlich eingegrenzt, dank familiärer Hilfe standen dann bald auch die benötigten Werkzeuge bereit, um die zum Teil mehrere Hektar großen Suchgebiete zu sondieren. Hier war vor allem Ausdauer gefragt, erst auf dem „Hillefeld“, dem zweiten Gebiet, und nach rund zwei Wochen harter Arbeit folgte der ersehnte Treffer.

Statt einzelner Steine brachte eine Grabung erst eine befestigte Struktur und anschließend eine Mauersektion zu Tage. Es folgten Tierknochen, Tonscherben und Kohlereste, doch dann wurde der Forscherdrang erst einmal abrupt gestoppt.

Archäologische Ausgrabungen in der Region sind immerhin Aufgabe des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) und dessen Fachleute waren ziemlich überrascht, als sie inmitten der Scheidinger Felder auf ein großes Loch, viele Mauerreste und eine überglückliche Nachwuchsforscherin trafen. Diese wurde sofort mit einem „Spartenverbot“ belegt, durfte zunächst nicht weiter graben und musste erst einmal nur zusehen, wie ihr Fund wieder zugeschüttet wurde. „Ich hatte Glück, dass ich zu dieser Zeit durch ein freiwilliges Praktikum schon Kontakte zu den Archäologen vom LWL hatte, sonst hätte es wohl Ärger gegeben“.

Untätig blieb sie trotz der Zwangspause jedoch nicht. Während die Fachleute mit der Auswertung ihrer Funde beschäftig waren und mittels Bodensondierung weitere Strukturen entdeckten, bereitete Samantha mit der Hilfe von Lehrer Heinz Kiko ihre Beiträge für die verschiedenen Wettbewerbe vor.

Hierbei stieß sie auf eine weitere Karte, die nicht nur gleich drei Gebäude an der Fundstelle zeigten, sondern ganz in der Nähe auch den Flurnamen „Borg“, eine Sprachvariante des Wortes „Burg“ aufwies. So schloss sich der Bogen zum Zufallsfund am Beginn der Suche, Quellen belegten sogar Mauerreste auf eben jenem Stück Land.

Näheres hierzu erfährt Samantha vielleicht schon bald, ab dem Spätsommer wollen sich die Archäologen des Landschaftsverbandes der Fundstelle widmen. Bei diesen Ausgrabungen wird Samantha unter Anleitung helfen dürfen. Für die junge Forscherin ist dies fast schon eine größere Belohnung als die Auszeichnungen bei „Jugend forscht“, wo sie neben dem ersten Platz beim Landesentscheid, auch den ThyssenKrupp Sonderpreis erhielt. - fst

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