Am Ende blieb nur noch Galgenhumor

Drei Jahre – zwei „Jahrhunderthochwasser“: Hattroper mit klarer Forderung an die Stadt

Sandsäcke, nasse Lappen und herausgerissene Teppiche: Im Garten von Joachim Scharf waren die Spuren des Hochwassers am Donnerstag noch eindeutig zu erkennen – im Hintergrund laufen die Aufräumarbeiten.
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Sandsäcke, nasse Lappen und herausgerissene Teppiche: Im Garten von Joachim Scharf waren die Spuren des Hochwassers am Donnerstag noch eindeutig zu erkennen – im Hintergrund laufen die Aufräumarbeiten.

„Land unter“ herrschte am Mittwoch durch die Starkregenfälle im Hattroper Unterdorf – mal wieder.

Hattrop – Erst vor drei Jahren, 2018, mussten die Anwohner des Bereichs Brückenstraße mit ansehen, wie ihre Keller und Wohnungen mit Wasser vollliefen. Schon in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch habe der Soestbach durch erste „Vorboten“ wieder einmal gezeigt, welche Gefahr von ihm ausging: „Hier war schon alles geflutet“, schilderte eine Anwohnerin am Donnerstagmorgen. Um sie herum wurde fleißig aufgeräumt. „Hier wurde erst vor drei Jahren alles renoviert. Es war doch alles erst wieder fertig“, schilderte sie mit erschöpfter und gleichzeitig genervter Stimme.

Die betroffenen Hattroper fühlen sich von der Stadt Soest im Stich gelassen: Sie kritisieren, dass „in den Baugebieten alles versiegelt und zugebaut wird“ und fragen gleichzeitig: „Wo sind denn die Ausgleichsflächen dafür?“

Hochwasser in Soest: „Es muss zackig etwas geschehen“

Dass der Soestbach bei Starkregen schnell über die Ufer tritt, müsse durch entsprechende Maßnahmen verhindert werden. „Es ist nicht nur Zeit, dass etwas passiert“, schimpft ein Anwohner: „Es muss zackig etwas geschehen. Das war jetzt mal wieder ein sogenanntes Jahrhunderthochwasser für uns – die treten offenbar alle zwei bis drei Jahre auf.“ Deshalb fragen sich die Anwohner mit ironischem Unterton: „Sollen wir jetzt überhaupt aufräumen oder lieber direkt aufs nächste Hochwasser warten?“

Die Feuerwehr kämpfte in Hattrop mit allen verfügbaren Mitteln gegen die Fluten.

Einer der betroffenen Anwohner ist Joachim Scharf, er berichtet: „Vor drei Jahren stand es hier auch schon im Haus.“ Aus der Erfahrung weiß er, dass es teuer wird: „Das zahlt keine Hausratsversicherung. Und eine Elementarversicherung 30 Meter neben einem Bach kann man nicht bezahlen.“ Joachim Scharf habe noch versucht, zu retten, was noch zu retten war. Doch gegen die immer wieder strömenden Wassermassen aus dem längst zum See gewordenen Soestbach hatte keiner eine Chance: „Das ging auf einmal alles so schnell. Mittags rum sah es noch so ruhig aus. Wir waren total entspannt. Doch dann kippte die Lage plötzlich.“

Hochwasser in Soest: Das sagt die Stadt

Bodenbeläge und Holztüren müssten nach dem erneuten Hochwasser wieder einmal erneuert werden – mindestens. Die komplette Schadensaufnahme lief am Donnerstag noch. Zu den nachdrücklichen Forderungen der Hattroper sagte Stadtsprecherin Brigitte Sliwa, dass der Soestbach und die verbundenen Vorsorgemaßnahmen „hauptsächlich Aufgabe des Kreises Soest“ seien. „Wir stehen aber natürlich mit dem Kreis in Kontakt, wenn es darum geht, den Bach zu renaturieren. Das machen wir auch. Es wird sehr zeitnah ein Gespräch mit dem Kreis stattfinden. Aktuell werden noch sämtliche Informationen zusammengetragen. Die Situation soll entschärft werden. Aber man muss auch leider sagen: Egal welche Maßnahmen ergriffen werden – komplett wird die Hochwassergefahr in dieser Nähe zum Soestbach niemals verschwinden können.“

Die Hochwasser-Situation am Mittwoch nahmen die Betroffenen mit einer ordentlichen Portion Galgenhumor: „Die Nachbarn haben einen Stehtisch rausgeholt und wir haben uns ein Bierchen getrunken“, berichtete Joachim Scharf.

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