Monika Freitag-Schiele

Ein Herz für Archäologie: Soesterin mit über 70 bei Grabung dabei

Monika Freitag-Schiele bei Ausgrabungen in der Thomästraße.
+
Monika Freitag-Schiele bei Ausgrabungen in der Thomästraße.

Neue Erfahrungen machen und seinen Wissens-Horizont erweitern: Das ist es, was Monika Freitag-Schiele antreibt. 

Soest - Sie ist über 70 Jahre alt und war bis kurz vor Ostern Mitglied des Teams der Stadtarchäologie, das in der Thomästraße auf dem Gelände des früheren Parkplatzes neben dem ehemaligen Anno eine Grabung durchführt.

Die Soesterin absolviert ein Seniorenstudium an der TU Dortmund – dort befasst sie sich mit breit gestreuten Themen wie Soziologie, Theologie, Erziehungswissenschaften und mehr. Zum Studium zählen neben Hausarbeiten auch Praktika. „Praktika können dort absolviert werden, wo es möglich ist, auch in Zeiten von Corona“, erzählt sie.

Herz für Archäologie: Zweiwöchiges Praktikum

Und da sie Archäologie immer schon spannend fand und mehr darüber erfahren wollte und außerdem in Soest lebt, bewarb sie sich um ein zweiwöchiges Praktikum – das ihr gewährt wurde. „Ich habe natürlich großes Glück gehabt, dass die Grabung in der Thomästraße zeitlich passte“, freut sie sich. Und so gräbt und kratzt sie, harkt und arbeitet Seite an Seite mit den Studenten der Archäologie, die einige Jahrzehnte jünger sind als sie. „Es ist eine tolle Erfahrung für mich, die Arbeit ist faszinierend“, sagt sie. Sie putzt Steine, legt Mauerreste frei und schlemmt Erde auf der Suche nach Fundstücken aus vergangenen Zeiten. „Die Fundstücke werden gereinigt, beschriftet und verpackt, um dann genauer analysiert zu werden.“

Natürlich sei die Arbeit im Rahmen der Grabung körperlich anstrengend. Zu ihren Aufgaben zählte auch, Eimer mit übrig gebliebener Erde zu einer Sammelstelle zu tragen und sie dort auszulehren. „Daran bin ich in meinem Alter nicht mehr gewohnt. Früher habe ich als Sekretärin gearbeitet.“

Die Praktikantin hatte sich gute Knieschoner besorgt, die ihr beim häufigen Hinknien in der Grube behilflich waren. „Man muss schon öfter die Position wechseln, sonst kommt man hinterher gar nicht mehr hoch“, sagt Freitag-Schiele mit einem Schmunzeln. Außerdem habe sie ein Hüftimplantat, da müsse man vorsichtig sein. „Um in die Grube zu klettern, benutze ich eine Leiter, ich springe nicht einfach hinein. Aber die Leiter wird auch von den jüngeren Studenten benutzt, so ist es nicht.“ Mit den jüngeren Studenten kam sie prima aus.

Es ist eine tolle Erfahrung für mich, die Arbeit ist faszinierend.

Monika Freitag-Schiele

Einen ganzen Tag in der Grabungsgrube – da hatte sich auch die Senioren-Studentin warm angezogen, schließlich ist noch nicht Sommer. Wenn sie nach Hause kommt, steht erst einmal eine heiße Dusche auf dem Feierabend-Programm. Die Arbeitsabläufe und worauf es ankommt bei einer archäologischen Grabung, wurden ihr schnell erläutert.

Aber nicht jeden Tag fand die Grabung statt, auch für Monika Freitag-Schiele gab es Innendienst. Dann zeichnete sie Fundstücke ab oder informierte sich am Computer über weitere Grabungsstellen in Soest. „Für mich waren es spannende zwei Wochen. Ich habe viel darüber nachgedacht, wie die Menschen früher im Mittelalter gelebt haben.“ Durch die Grabung hat sie sich fit gehalten, was sie sonst in der mittelalterlichen Tanzgruppe Firlitanz tut. Doch die hat zurzeit wegen Corona Zwangspause. Inzwischen ist das Praktikum vorüber und Monika Freitag-Schiele verfasst ihren Praktikumsbericht. „Der muss wissenschaftlich sein, da kämpfe ich ein bisschen“, sagt sie. Sie kann sich aber gut vorstellen, ein weiteres Praktikum in der Stadtarchäologie zu absolvieren.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare