Ab Sommer 2022 könnte alles anders sein als heute

Fotoläden fürchten neues Gesetz: Wichtiges Standbein droht wegzubrechen

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Soest – Ist der Personalausweis abgelaufen oder man plant eine Fernreise und benötigt einen Reisepass, führt der Weg zum Bürgerbüro ins Rathaus. Die nötigen Unterlagen und neue Passfotos liegen parat. Das soll nach Willen des Bundesinnenministeriums neu geregelt werden: Passfotos sollen nur noch bei der Behörde, die die Pässe ausstellt, angefertigt werden.

Passfotos sollen auf Wunsch von Horst Seehofer nur noch in den Behörden in Gegenwart eines Mitarbeiters aufgenommen und „elektronisch erfasst werden“. Durch die neue Regelung soll eine Bildmanipulation verhindert werden. Denn Fälscher können durch „Morphing“ digitale Fotos verändern: Mehrere Fotos verschmelzen zu einem Gesicht.

Bis jetzt sind den Behörden drei Fälle bekannt, in denen gemorphte Passbilder auftauchten. Bis Ende Januar werden Länder und Verbände zu diesem Gesetzentwurf gehört, denn will die Regierung dem Bundestag den Gesetzvorschlag vorlegen. 

Gibt der grünes Licht, kann das Gesetz ab Sommer 2022 greifen. „Bis jetzt ist das für uns im Rathaus noch kein Thema. Die Planungen laufen erst bei uns erst an, wenn das Gesetz konkret wird. Und das Gesetz ist noch nichtmal durch die erste Lesung durch“, sagt Brigitte Sliwa, Sprecherin der Stadt Soest. 

Die Soester Fotostudios betrachten den Gesetzentwurf jedoch mit großer Sorge. „Von diesem Gesetz haben wir leider auch schon gehört und er ist absolut nicht in unserem Sinne“, sagt Robin Beimann vom Fotostudio Lehmann.

Denn dem Fotostudio würde ein wichtiges Tagesgeschäft wegbrechen. „Passbilder machen im Tagesgeschäft etwa 50 bis 60 Prozent aus, an manchen Tagen kurz vor der Urlaubszeit sind es sogar 80 Prozent“, so Beimann. Würden künftig die Behörden die Passbilder anfertigen, fällt dem Fotostudio ein wichtiges wirtschaftliches Standbein weg.

„Wir achten bei den biometrischen Passbildern auch auf die Haltung des Kunden, der ruhig auch ein bisschen schmunzeln darf fürs Foto.“ Die ganze Fotobranche ist besorgt. Die Soester wollen sich nun mit der Fotoverbund „Ringfoto“ zusammenschließen, die bereits bundesweit gegen den Gesetzentwurf protestieren. Robin Beimann: Mal sehen, was passiert.

Auch für Foto Sommer ist das Anfertigen von Passfotos ein wirtschaftlich wichtiger Bereich. „Wird das Gesetz so verabschiedet, ist es für uns Existenz bedrohend“, sagt Roland Wiemer von Foto Sommer. Die Politik mache sich zu wenig Gedanken und die Fotohändler, kritisiert er. „Die wissen oft gar nicht, was da alles dranhängt. Die Einkaufsgemeinschaften und Verbände werden bei Seehofer vorsprechen, um das Gesetz zu verhindern.“ 

Wiemer meint, mit dem Gesetz würde übers Ziel hinausgescdhossen: „Viele Millionen Menschen fälschen ihre Passbilder nicht, es sind nur sehr wenige, und die bringen eine ganze Branche in Schwierigkeiten.“

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