Morgner in seiner künstlerischen Umgebung

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Klaus Kösters, Bürgermeister Dr. Eckhard Ruthemeyer, Michael Supe von der Sparkasse, Beigeordneter Peter Wapelhorst, Dr. Annette Werntze und Dr. Norbert Wex (Abteilungsleiter Kultur) vor einem Selbstbildnis Morgners.

Soest - In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts war Soest eine Kunststadt des Expressionismus und wurde auch im Land als solche wahrgenommen. Erstmals sind nun Werke der seinerzeit in Soester ansässigen Expressionisten in einer einzigen Ausstellung zu sehen.

Das Museum Wilhelm Morgner Soest zeigt vom 3. September bis 26. November „Wilhelm Morgner und die Junge Kunst in Soest“ – eine Dokumentation, die zugleich erläutern soll, weshalb Soest so viele Künstler des Expressionismus angezogen und hervorgebracht hat. Über Langeweile kann sich Klaus Kösters derzeit bestimmt nicht beklagen. Der Drensteinfurter Kunsthistoriker verbringt jeden Tag von früh bis spät im Museum Wilhelm Morgner. Zwar hat der Kurator, der erst im November dass 200-seitige Buch „Wilhelm Morgner und die Anfänge der abstrakten Kunst“ veröffentlichte, die ganze Ausstellung penibel am Computer vorbereitet, aber es gibt doch eben Unwägbarkeiten.

„Morgners Feldarbeit-Gemälde ist so groß und vor allem so schwer, dass wir es nicht umhängen konnten. Das wird jetzt wohl für alle Zeit dort bleiben“, lacht er, obwohl er wieder umplanen musste. Denn die Ausstellung zum 100. Todestag Morgners (und zugleich zum 50. Todestag Eberhard Viegeners) ist nach Themen-Schwerpunkten ausgerichtet. Die Idee hinter der Schau ist es es, Morgner ins seiner künstlerischen Umgebung zu zeigen. 

Als Ausgangspunkt dienten Kösters zwei hochgradig inszenierte Fotos aus den frühen Zwanzigern, die einige der wichtigsten Künstler zeigten, darunter Wulff, Arnold Topp und Eberhard Viegener, die mit Morgner den Kern des „Jungen Soest“ bildeten, eine Malerschule, die auch national Aufmerksamkeit erregen sollte. „Daher macht es keinen Sinn, jeden einzelnen Künstler monografisch darzustellen“, so Kösters. „Es geht ja darum, zu zeigen, wie sie untereinander verbunden waren.“ 

So gibt es eine Abteilung für die Selbstbildnisse, und hier hat Morgner wohl die größte Zahl produziert. In ihnen zeigte sich stets seine Zerrissenheit: Er bildete sich immer so ab, wie er sich fühlte, weshalb oft genug keine optische Ähnlichkeit zwischen den Porträts auszumachen ist. Im Rundgang finden sich außerdem Bilder, die andere Menschen zeigen, sei es als Gruppe oder einzeln, sowie Stillleben, „fast Viegeners Monopol“, und in der Galerie wurden religiöse Motive gehängt, die zum Teil für jene Tage sehr provokant in Szene gesetzt wurden. 

Im großen Saal wurde alles zusammengetragen, was die Künstler zum Thema Soest umgesetzt haben, was gerade im Falle Morgners nicht leicht war – aufgrund seiner Hassliebe zu seiner Heimatstadt hatte er viele Bilder vernichtet. Erhalten blieb, was sich nicht mehr in seinem Besitz befand. So auch eine Grafik, die die Stadtsilhouette zeigt. Morgner hatte sie einst verschenkt, und im Rahmen dieser Ausstellung wird sie erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Der Abzug ist das einzige erhaltene Exemplar des Holzschnitts. Das überdauerte in der Grafikmappe eines Sammlers und wurde erst nach 92 Jahren wiederentdeckt. Ähnlich das Gemälde „Vorfrühling an der Planger Mühle“, das erstmals seit 1920 wieder in einer Ausstellung gezeigt wird. 

Ebenfalls im Saal: Arbeitswelten sowie Landschaftsbilder, auf der Empore folgen die abstrakten Arbeiten, „und auf diese Arbeitsweise lief ja Morgners gesamter Werdegang bis 1913 zu“,weiß Kösters. Zwar sei er auch stark von Kandinsky beeinflusst worden, „und nur zu gerne hätten wir hier auch ein passendes seiner Werke präsentiert, aber dann hätten wir uns die ganze restliche Ausstellung nicht mehr leisten können“, bedauert Kösters. Für Bürgermeister Dr. Eckhard Ruthemeyer ist dies eine „Premium-Ausstellung, auch überregional ein Highlight dessen, was wir in den vergangenen Jahren angeschoben haben.“ Man habe für Westfalen etwas geschaffen, das über Westfalen hinausgehe, „und das präsentieren wir mit Stolz und Inbrunst“. R

und 300 Exponate sind hier zu sehen, und nur die Hälfte stammt aus städtischem Kunstbesitz. „Und nach dieser Auswahl beginnt man zu schauen, wer einem etwas leihen mag“, so Museums-Chefin und Co-Kuratorin Dr. Annette Werntze. 

So habe sich zum Beispiel das LWL-Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Münster dafür, dass es unlängst Werke Morgners zu dessen 125, Geburtstag ausstellen durfte, revanchiert, aber nach seinen Bedingungen: Ein Selbstbildnis Morgners hängt auf Anordnung der Münsteraner Restauratoren hinter Plexiglas. Werntzes Dank gilt aber auch den privaten Leihgebern, „die uns mit großen Engagement und Herzblut unterstützt haben“. Während des gesamten Jubiläumsjahrs ist der Museumseintritt übrigens frei – und auch diese Ausstellung bildet da keine Ausnahme. 

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