Kinderhospizarbeit

„Enormer Lebenswille“: Eltern kümmern sich um behinderte Tochter - und sind froh über Hilfe

Maria Theresia Remmert-Otto und Norbert Remmert sind dem Kinderhospizdienst für seine Arbeit sehr dankbar.
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Maria Theresia Remmert-Otto und Norbert Remmert sind dem Kinderhospizdienst für seine Arbeit sehr dankbar.

Carolin Remmert ist eine Kämpfernatur. Die 19-Jährige hat schon viel mitgemacht, ausgehalten und überstanden. Nie gibt sie auf.

Soest-Hattrop - „Unser Kind hat einen enormen Lebenswillen“, sagen ihre Eltern, Norbert Remmert und Maria-Theresia Remmert-Otto, „es ist ganz toll, wie sie alle Schwierigkeiten bewältigt.“ Die Familie wohnt in Hattrop, und die drei sind froh, dass es den Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst gibt.

Sie genießen die zwei Stunden mit der ehrenamtlichen Mitarbeiterin, die jede Woche vorbeischaut. „Dann lacht Carolin“, erzählt ihre Mutter. Ihre Tochter kann wegen ihrer Behinderung nicht verbal kommunizieren. Doch sie artikuliere mit ihrer Körpersprache genau, was sie empfindet, beschreiben die Eltern, „Carolin freut sich und merkt, jetzt kommt etwas Gutes!“

Unterstützung vom Hospizdienst: Das Leben steht im Vordergrund

Die 19-Jährige sei feinfühlig und habe, sagen die Eltern, eine sehr sensible Antenne für ihre Umgebung: „Sie spürt sofort, wenn jemand gut drauf ist.“

Zum bundesweiten „Tag der Kinderhospizarbeit“ berichtete das Ehepaar jetzt von der Unterstützung durch den Soester Dienst, der seine Arbeit derzeit natürlich den Corona-Bedingungen anpasst. Klinikaufenthalte, Therapien, medizinische Geräte, Hilfsmittel prägen den Alltag. Viele Jahre lang haben sich Maria-Theresia Remmert-Otto und Norbert Remmert allein um ihre Tochter gekümmert, sie gepflegt und umsorgt. Heute sind sie froh, sich zu dem Schritt entschlossen zu haben, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Dasselbe schildern auch andere Familien mit Kindern in ihrer Mitte, die lebenverkürzend erkrankt sind.

Sie spürt sofort, wenn jemand gut drauf ist.

Maria-Theresia Remmert-Otto und Norbert Remmert

Für die Eltern bedeutet das: Rund um die Uhr eingebunden und parat sein, nicht nur am Tag, sondern auch in der Nacht, das ist oft schwer. Viele denken, sie müssten es alleine schaffen, und sie kämen ja auch ganz gut zurecht, ist immer wieder bei den Treffen zu hören, zu denen der ambulante Dienst die Familien einlädt.

Sie alle beschreiben, wie gut es ihnen, den Kindern selber und auch deren Geschwistern tut, zu wissen, da kommt jemand zu mir nach Hause, der sich bewusst Zeit nimmt, der aufmerksam und für sie da ist und vermittelt: „Wir schaffen das gemeinsam!“ „Das ist ein schöner Austausch“, erklärt das Ehepaar Remmert. Die Eltern betonen, wie bereichernd es für sie ist, in der Mitarbeiterin eine verlässliche Gesprächspartnerin und damit einen Anker zu finden. Mal bringt sie eine CD mit, mal singt sie Carolin am Bett etwas vor, widmet sich ihr mit basaler Stimulation und einer Fußmassage.

Kontakt

Der Soester Dienst informiert in einem neuen Film über seine Arbeit, abzurufen auf der Internet-Seite. Alle Informationen unter www.deutscher-kinderhospizverein. de mit einer eigenen Seite für den Soester Dienst. Die Geschäftsstelle befindet sich an der Oestinghauser Straße 11, Telefon 02921/6725885; E-Mail: soest@deutscher-kinderhospizverein.de

Weil das Leben im Vordergrund steht, kommt auch das Lachen nicht zu kurz. „Solche Kontakte sind wichtig“, meint Norbert Remmert. Er weist auf die vielen glücklichen Momente hin, die der Dienst durch sein Angebot beschert. Eine Alpaka-Wanderung stehe zum Beispiel ebenso auf dem Programm, wie ein Besuch des Flugplatzes. „Carolin ist immer dabei“, teilen die Eltern mit.

Die Familien sitzen außerhalb der Pandemie auch am Frühstückstisch zusammen. Remmert: „Man lernt sich kennen, erfährt, wie andere mit ihrer Situation umgehen. Im Prinzip liegen wir ja alle auf derselben Linie.“

Carolin macht Mut mit ihrer Kraft, damit, wie sie ihr Leben meistert und wie stark sie aus jeder Krise herausgeht. Ihre Eltern wissen: Sie lebt gern. Von ihr kann man eine Menge lernen, durch sie nimmt man die kleinen Freuden intensiver wahr.

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