"Eine Aufgabe für Mathe und Physik.."

Ehrensache! Feuerwehr seilt fast 50 Jahre alten Opel Blitz gekonnt ab

Ehrensache! Feuerwehr seilt fast 50 Jahre alten Opel Blitz gekonnt ab
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Letzte Abfahrt: Zentimeter für Zentimeter lassen Feuerwehrleute das historische Löschauto herunter.

Soest – „Kein Kran zu sehen? Wird das noch was?“ Neugierig recken große und kleine Soester die Hälse. Sie wollen am Samstagvormittag miterleben, wie das bekannte Feuerwehrauto bei Rosenthal und Rustemeier herausbugsiert wird. Nach vorne durch die Glasfront? Na, das soll was werden!

Soest - Henri (5) hat die Kamera von Opa Uli schon im Anschlag. „Spannend wird das“, sagt er: „Schau mal, ich habe auch ein altes Feuerwehrauto…“ Spricht’s und nestelt einen klitzekleinen Oldtimer aus der Tasche.

In der Zwischenzeit haben Bernhard und Stefan Rosenthal in der obersten Etage des Opel-Händlers die Feuerwehr zu Besuch. Kräne haben die aber nicht mitgebracht. „Wir machen das mit einem passenden Stahlseil und einem Greifzug. Das Seil kommt hier um einen Eisenträger“, erläutert Feuerwehrchef Jürgen Wirth, während Kräfte der Einsatzabteilung und der Jugendfeuerwehr Gerätschaften die lange Rampe hinauftragen, über die sonst immer die Fahrzeuge in die erste Etage gefahren wurden: Hier ist der Opel Blitz vor gut 25 Jahren herauf gekommen, hier soll er auch wieder herunter. Fahren geht nicht, bremsen schon mal gar nicht – das Schätzchen hat einfach zu lange gestanden.

Feuerwehr-Oldtimer abgeseilt: Taschenrechner wird nicht benötigt

„Ist eine Aufgabe für Mathe und Physik“, witzelt Armin Westhoff von der Feuerwehr: „Welche Kräfte wirken, wenn ein Fahrzeug mit 1,7 Tonnen eine schiefe Ebene mit einem Gefälle von soundsoviel Prozent ungebremst herunterrollt und plötzlich das Stahlseil spannt? Wird der Eisenträger das halten, oder reißt es ihn aus der Verankerung?“

Die Fotos

Die Freiwilligen gehen ohne Taschenrechner zuversichtlich ans Werk: Jürgen Wirth liegt längs unter dem Opel von 1972.

Historisches Feuerwehrauto in Soest abgeseilt

Historisches Feuerwehrauto in Soest abgeseilt
Historisches Feuerwehrauto in Soest abgeseilt
Historisches Feuerwehrauto in Soest abgeseilt
Historisches Feuerwehrauto in Soest abgeseilt
Historisches Feuerwehrauto in Soest abgeseilt

„Ein Löschfahrzeug für eine Besatzung von acht Personen“, erklärt er und schaut sich an, wo das Stahlseil eingehakt werden kann und ob die ganze Mimik wohl halten wird, wenn alles strack auf Zug kommt.

Feuerwehr-Oldtimer: Die Geschichte des Opel Blitz

Dann heißt es Ärmel hoch, auch Bernhard Rosenthal packt mit an: Das Schätzchen, das sein Vater Hans einst von einem Kunden übernommen hatte, haben fachkundige Hände im Soester Autohaus danach bis auf die kleinste Schraube auseinandergenommen, grundsaniert und wieder zusammengesetzt: „Hunderte Stunden Arbeit stecken da drin – ein Meisterwerk an handwerklicher Exzellenzarbeit“, erklärt Rosenthal und schiebt den Wagen zusammen mit Jürgen Wirth rückwärts in Richtung Rampe.

Unterwegs muss der Blitz noch wenden: Vorwärts soll er die Rampe hinunter, Meter für Meter, er wird dabei am Stahlseil hängen, das die Feuerwehr längst um den Eisenträger geschlungen hat.

Bremskeile werden immer wieder vor die Räder geschoben, der Opel soll sich bloß nicht selbstständig machen!

Feuerwehr-Oldtimer abgeseilt: "Bitte weg von der Rampe!"

Also: Leerlauf, Seil, Keil und jede Menge Vorsicht: „Bitte weg von der Rampe!“, mahnt Jürgen Wirth alle, die inzwischen ums Haus herumgekommen sind und die Bugsiererei verfolgen, filmen und fotografieren wollen. In den Häusern am Kölner Ring, da liegen sie nach hinten heraus schon in den Fenstern und schauen, was sich tut. Eine gute Stunde schauen sie zu.

Kurz vor Zwölf ist die Sache erledigt: Aufstellen zum Erinnerungsfoto, und dann kommt der Opel erst einmal in eine der Hallen. Wo wird er demnächst stehen – im Feuerwehrmuseum oder sonst wo in der Stadt? „Wissen wir noch nicht“, sagt Jürgen Wirth. Ob die Soester das Schätzchen aus Allendorf im Sauerland überhaupt behalten werden, sei unklar.

Rosenthals haben keinen Platz mehr, denn am neuen Standort gibt es keine Ausstellung auf drei Etagen. „Hat heute keiner mehr“, sagt Bernhard Rosenthal.

*In einer früheren Version des Artikels hieß es, dass das Feuerwehrmuseum am Hiddingser Weg geschlossen sei. Dies entsprach nicht den Tatsachen und wurde korrigiert. 

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