Düstere Klima-Aussichten

Soest drohen 2080 Temperaturen wie in Johannesburg

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Dieser Sommer hat in Soest und der Börde einen weiteren Vorgeschmack geliefert, was da noch in den nächsten Jahrzehnten auf uns zukommen könnte: Staubtrockene Äcker über Monate und zwischendurch wenige, aber sintflutartige Schauer, die die Altstadt unter Wasser setzen.

Soest - Die Aussichten sind gerade düster; vermutlich gelingt es der UN-Klimakonferenz in Kattowitz nicht, sich auf drastische Maßnahmen zu einigen, um die Erderwärmung zu stoppen. Im Jahr 2080 wäre es in Soest dann so heiß wie heute schon in Johannesburg in Südafrika.

Das Beunruhigende daran: Dies ist keine billige Kaffeesatzleserei, sondern die Prognose des Weltklimarats IPC. Ohne drastisches Gegensteuern rechnen Experten bis zum Ende des Jahrhunderts mit einem Temperaturplus von 4,2 Grad. 

Auf Basis dieser Rechenmodelle haben die Forscher für alle deutschen Städte und viele weitere Orte auf der ganzen Welt sogenannte Referenzorte ermittelt, an denen es heute schon so heiß ist wie ab 2060 in den entsprechenden deutschen Städten. 

25,8 Grad im Durchschnitt

Und dabei ist für Soest als Klima-Doppel Johannesburg herausgesprungen. Die durchschnittliche Tageshöchsttemperatur im wärmsten Monat liegt in Johannesburg bei 25,8 Grad – und womöglich in ein paar Jahrzehnten auch in Soest. „Noch“ freilich kommt Soest mit einer Durchschnittstemperatur im wärmsten Monat von 22,1 Grad davon.

Das klingt beim ersten Lesen nicht gerade nach extremer Hitze. Doch bereits heute gibt es hier etwa 40 Tage im Jahr, an denen man nach der offiziellen Industrierichtlinie am besten eine Klimaanlage einschaltet, weil die Durchschnittstemperatur am Tag über 18,3 Grad liegt. In 40 Jahren würde sich – 4,2 Grad Erwärmung angenommen – die Zahl der „Kühltage“ glatt verdoppeln. 

Vor allem den Bewohnern der Soester Innenstadt brennen Hitze und (im Gegenzug) Starkregen und Überschwemmungen immer öfter unter den Nägeln; auch dafür hat der Sommer 2018 aktuelle Belege geliefert. Seit zwei Jahren liegt das Klimakonzept auf dem Tisch, das die Ruhr-Uni Bochum für Soest zusammengetragen hat. Es deckt sich mit den Sorgen des Weltklimarats und rät dringend zu „Maßnahmen, um die Anfälligkeit von Menschen und Umwelt gegenüber den Folgen des Klimawandels zu verringern“. 

Zahl der heißen Tage hat um 150 Prozent zugenommen

Seither wird in Soest an 27 Stellschrauben gedreht, um zumindest auf lokaler Ebene einen Beitrag gegen weitere Erwärmung zu leisten. Das reicht von grünen Dächern auf öffentlichen Gebäuden bis zu offenen Regenrückhaltebecken. Ob das reicht? In Soest, so die Wissenschaftler des Geografischen Instituts der Ruhr-Uni, habe die Zahl der heißen Tage (mehr als 30 Grad) in den vergangenen 100 Jahren um 150 Prozent zugenommen. In den nächsten 50 Jahren drohe eine weitere Verdopplung solcher Hundstage. 

Selbst wenn es gelänge, die Erderwärmung auf knapp zwei Grad (im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter) zu begrenzen, müssten sich die Soester noch auf ein Plus der Tageshöchsttemperatur von knapp zwei Grad im wärmsten Monat einrichten. Auch dazu haben die Forscher gleich das passende Klima-Doppel herausgepickt: Wer schon heute wissen will, wie sich das anfühlt, müsste nach Kabale in Uganda reisen.

Die Daten hat die Tagesschau zum Nachlesen und Ort-für-Ort-Reinklicken aufbereitet. 

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