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Bombe in Soest: Entschärfung  abgebrochen - Schacht kollabiert, Kampfmittel-Experte fast verschüttet

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Evakuierung abgeschlossen. Die Einsatzkräfte gehen noch einmal alle Straßen am Plan durch.

In Soest sollte am Donnerstag eine 250 Kilogramm schwere Bombe entschärft werden. Zunächst war alles wie immer, wenn im Soester Norden ein Blindgänger gefunden wurde. Doch dann gab der Schacht, in dem der Bomben-Entschärfer am Werk war, nach.

Soest – Es hat schon fast etwas von Routine, wenn im Soester Norden eine Bombe entschärft wird – und doch war am Donnerstagabend alles anders: Die 250-Kilo-Bombe, die da direkt neben einer Trafo-Station am Danziger Ring seit Jahrzehnten im Boden geschlummert hat, war selbst für den erfahrenen Kampfmittel-Spezialisten Karl-Heinz Clemens „etwas Besonderes.“ 

Und manche Anwohner hatten nicht viel im Sinn mit Evakuierungsroutine. Immerhin 450 Bürger mussten am Donnerstagabend ihre Häuser und Wohnungen verlassen – und da war nicht nur Verständnis, auf was die Rettungskräfte stießen, als sie an allen Türen klingelten und die Anlieger baten, sich bis zur Entschärfung aus der Gefahrenzone zu begeben.

Bombenentschärfung in Soest: Mancher Anwohner zeigte wenig Einsicht

Oft wurde gefragt, ob das denn wirklich sein müsse, die Kinder seien doch gerade im Bett, ein Mann wollte sich sogar ganz weigern, sein Haus zu verlassen und ein Versteckspiel mit der Feuerwehr beginnen. 

Evakuierung wegen Bombenfund in Soest: Hunderte Soester müssen Häuser verlassen

Ganz andere Sorgen hatte dagegen Bomben-Experte Clemens. Die Bombe hatte sich in der Kriegsnacht tief in die Soester Börde gebohrt, acht Meter tief. Auch für den Mann, dem die Soester schon etliche entschärfte Bomben verdanken, war das eine nicht alltägliche Aufgabe – und am Ende des Tages eine, die zumindest am Donnerstag nicht zu bewältigen war.

Bombenentschärfung in Soest: Plötzlich wird es brenzlich im Schacht

Nach etwas mehr als einer Stunde waren alle im Gefahrenbereich liegenden Häuser von den Rettungskräften evakuiert. Um 20.57 Uhr rückte Kampfmittel-Experte Karl-Heinz Clemens dem Blindgänger zu Leibe, startete mit der Entschärfung. Eine Stunde später wurde es plötzlich brenzlich im acht Meter tiefen und rund anderthalb Meter breiten Loch: „Gerade als ich versucht habe, den Zünder freizulegen, wurde der Schacht instabil“, berichtete Clemens im Anzeiger-Gespräch. Erde rutschte nach. „Ich bin gerade noch rausgekommen.“ 

Bombenentschärfung schlägt fehl: "Da gab's keine Chance mehr"

Die Entschärfung musste abgebrochen werden. „Da gab’s keine Chance mehr“, erklärte Clemens. Kurz nach dem Schacht-Einbruch erreichte die Einsatzleitung, die auf dem Parkplatz des Aldis am Bergenring Quartier bezogen hatte, die Nachricht, mit der niemand gerechnet hatte. Sofort war klar: „Heute passiert hier nichts mehr“, sagte Olaf Grebe vom Soester Ordnungsamt, bevor er sich auf den Weg zur Trafo-Station am Bergenring machte, um sich selbst ein Bild der Lage zu verschaffen. 

Damit war um kurz nach 22 Uhr auch klar, dass die Anwohner zurück in ihre Häuser konnten. Auch für Feuerwehr und Hilfsorganisationen war der Einsatz beendet. Weit mehr als 100 Kräfte waren vor Ort: Neben 65 Feuerwehrleuten aus Soest, waren auch 50 Helfer des Rettungsdienstes des Kreises Soest, des DRK und der Malteser im Einsatz. Auch Polizei, Mitarbeiter der Stadt Soest und sogar Seelsorger waren vor Ort. 

Niemand verletzt - Bombe bringt keine Gefahr

Die wichtigste Nachricht verkündete die Stadt Soest am späten Abend: „Personen kamen nicht zu Schaden.“ Und auch wegen der weiter in der Erde schlummernden Bombe müsse sich niemand sorgen: „Die Bombe ist durch die aufliegende Erde gesichert, so dass keine Gefahr für die Bevölkerung besteht“, betonte Stadtsprecherin Brigitte Sliwa. 

Nun müsse der Schacht zunächst stabilisiert werden. Anschließend soll es mit den Entschärfungsarbeiten weitergehen. Wann dies geschieht, ist noch unklar. Die Stadt sprach am Abend von „den nächsten Tagen“. Dann beginnt die Routine wieder von vorn.

Bombenentschärfung in Soest: Der Ticker zum Nachlesen

Update, 22.37 Uhr: Damit liegt die Bombe immer noch genau da, wo sie die vergangenen Jahrzehnte verbracht hat.  Wann genau ein zweiter Anlauf unternommen wird, das explosive Kriegsrelikt unschädlich zu machen, lässt sich noch nicht sagen. Die Stadt spricht davon, dass die "Entschärfungsarbeiten in den nächsten Tagen fortgesetzt" werden. Zunächst müsse jetzt die Grube stabilisiert werden.

Update, 22.34 Uhr: "Da im Bereich des Schachtes erhebliche Mengen Erde nachgerutscht sind, ist eine Entschärfung zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich", heißt es jetzt in einer Mitteilung aus dem Soester Rathaus.  Sprecherin Brigitte Sliwa: "Die Bombe ist durch die aufliegende Erde gesichert, so dass keine Gefahr für die Bevölkerung besteht. Personen kamen nicht zu Schaden. Daher können die aus den Wohngebäuden in angrenzenden Straßen evakuierten Bewohnerinnen und Bewohner gefahrlos in ihre Häuser zurückkehren."

Update, 22.30 Uhr: Die Stadt Soest wird in Kürze eine Erklärung abgeben.

Update, 22.25 Uhr: Eine offizielle Mittelung der Stadt Soest zu der gescheiterten Bombenentschärfung und der Frage, wann die Bombe jetzt tatsächlich unschädlich gemacht werden soll, steht noch aus.

Update, 22.17 Uhr: Die Entschärfung musste abgebrochen werden, weil der etwa anderthalb Meter breite und acht Meter tiefe Schacht instabil geworden ist. "So, dass ich gerade noch rausgekommen bin", sagte Kampfmittelbeseitiger Karl-Heinz Clemens im Gespräch mit unserer Redaktion. Demnach war er gerade mit dem Zünder beschäftigt, als von oben Erde nachrutschte. Danach ist der Schacht wohl komplett eingebrochen.

Update, 22.05 Uhr: Die Entschärfung der Bombe wird abgebrochen und soll zu einem späteren Zeitpunkt in den nächsten Tagen erneut versucht werden. Die Anwohner dürfen zunächst wieder zurück in ihre Häuser, auch die Straßensperrungen werden aufgehoben.  Über die Hintergründe des Abbruchs ist noch nichts bekannt.

Update, 21.54 Uhr: Die Entschärfung der Bombe nimmt nun schon fast eine Stunde in Anspruch. Die Sonne ist mittlerweile untergegangen. Die Einsatzkräfte warten gespannt auf das erlösende Signal, dass die Bombe entschärft ist.

Update, 21.13 Uhr: Von der Feuerwehr Soest sind etwa 65 Einsatzkräfte aus den Zügen 1,2 und 6 vor Ort, dieHilfsorganisationen sind mit 50 Kräften des DRK, der Maltesers und dem Rettungsdienst des Kreises Soest im Einsatz. Auch Seelsorger stehen bereit.

Update, 20.58 Uhr: Die Evakuierung ist abgeschlossen. Auch die vorgesehenen Straßensperrungen rund um die Fundstellen der Blindgänger sind eingerichtet. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst Westfalen-Lippe wird nun mit der Entschärfung der 250-Kilogramm-Fliegerbombe beginnen.

Update, 20.40 Uhr: Die Evakuierung schreitet voran. Vereinzelt hat die Feuerwehr jedoch Probleme mit uneinsichtigen Anwohnern: „Raus hier, das kann doch wohl nicht wahr sein. Hier wurde ne Bombe gefunden. Abmarsch jetzt!“, war von einer Haustür mit betonter Stimme zu hören. Der gemaßregelte Anwohner hatte dem für den Evakuierungs-Abschnitt zuständigen Feuerwehrmann eine ganze Zeit vorher zugesagt, dass er sein Haus nun verlassen würde -eine Lüge, wie sich herausstellen sollte. Mancher versteht offenbar nicht, dass die Evakuierung nur der Sicherheit aller dient.

Der Kampfmittelräumdienst bereitet sich jetzt auf die Entschärfung vor.

Update, 20.32 Uhr:  Für viele Anlieger ist es heute nicht die erste Evakuierung, seit die Stadt hier wegen der Erschließung des Baugebietes angefangen hatte, intensiv nach Blindgängern suchen zu lassen. Für Anwohnerin Christine Piksa aus dem Wiesmannweg sind Evakuierungen wegen Bombenfunden mittlerweile schon Routine. „Aber zu einer so späten Uhrzeit habe ich das auch noch nicht erlebt. Natürlich sind solche Evakuierungen nervig, vor allem so spät am Tag - aber was soll man machen. Bombe ist Bombe und da muss man eben weg.“

Update, 20.28 Uhr: Gefunden wurde der 250-Kilo-Sprengkörper übrigens nicht zufällig. Der Fund ist das Ergebnis der letzten Sonden-Arbeiten, mit denen das Gebiet im Norden nach Blindgängern abgesucht wurde. 

Die Einsatzkräfte gehen anhand der Straßenpläne durch, wo evakuiert werden muss.

Update, 20.20 Uhr: Die Evakuierung läuft, allerdings nicht immer ganz reibungslos. Einige Anwohner haben noch etwas Diskussionsbedarf. Ob das denn wirklich alles sein müsse, man habe schließlich gerade das Kind zu Bett gebracht, war eines der Argumente, denen die Feuerwehrleute geduldig und mit viel gutem Zureden begegnen. Vom Erfolg der Evakuierung hängt der Beginn der Entschärfung ab. Also: Je schneller evakuiert ist, um so schneller können alle wieder nach Hause - und auch die Kinder wieder ins Bett.

Update, 20.01 Uhr: Das Bürgertelefon der Stadt Soest ist weiterhin unter Telefon 02021/103-2135 erreichbar. Evakuierte Bürger werden gebeten, sich bis zur Entwarnung außerhalb des Evakuierungsbereiches im Freien oder bei Bekannten oder Verwandten aufzuhalten.

Update, 19.58 Uhr: Die Stadt Soest weist nochmals darauf hin, dass wegen der Corona-Pandemie keine Sammelpunkte für die Evakuierten eingerichtet werden. Pflegebedürftige, behinderte und nicht transportfähige Personen werden gebeten, sich unter Telefon 02921 / 19222 zu melden, sofern ein Krankentransport erforderlich ist.

Auf dem Wiesmannweg besprechen die Einsatzkräfte das weitere Vorgehen bei der Evakuierung.

Update, 19.52 Uhr: Trotz der Nähe der Entschärfungsarbeiten zu der Trafo-Station müssen nirgendwo die Lichter ausgehen. Die Stadtwerke Soest sind bereits den ganzen Tag an den Vorbereitungen zur Entschärfung beteiligt. Der Strom muss nicht abgestellt werden.

Update, 19.47 Uhr: Die Bombe liegt nahe einem Trafohäuschen der Stadtwerke. Ungewöhnlich ist die Tiefe, in der sich der Sprengkörper befindet: 8 Meter. Kampfmittel-Experte Karl-Heinz Clemens, der auch in Soest schon etliche Bomben unschädlich gemacht hat, sagte gegenüber unserer Zeitung, das sei auch für ihn "eine besondere Bombe." 

Update, 19.42 Uhr: Die Straßensperren rund um die Fundstellen der Blindgänger sind eingerichtet. Die Feuerwehr und der Rettungsdienst beginnen nun mit der Evakuierung der betroffenen Straßen.

Die Bombe liegt in 8 Metern Tiefe neben einer Trafo-Station.

Update, 19.02 Uhr: Jetzt gibt es noch präzisere Angaben, welche Straßen gesperrt werden und wo evakuiert wird. Betroffen sind rund 450 Personen. Dazu werden aus Sicherheitsgründen vor Beginn der Entschärfung im Umfeld der Fundorte Straßen gesperrt und Gebäude evakuiert werden müssen. Gesperrt werden folgende Straßen: Weslarner Weg und Oestinghauser Landstraße zwischen Danziger Ring und Bundesstraße 475, darüber hinaus der Bergenring, der Schleswiger Ring Oestinghauser Straße ab Arnold-Berthold-Weg. Anwohner in diesem Wohnviertel können aber die jeweils bis zu den Absperrungen befahren. 

Die Straßensperrungen sollen ab 19 Uhr gelten. Für den Autoverkehr mit Zielen außerhalb der Stadt wird empfohlen, den Soester Norden weiträumig zu umfahren.

Die Einsatzleitung bespricht das weitere Vorgehen.

Die Evakuierungen betreffen folgende Straßen: Oestinghauser Landstraße ab Einmündung Arnold-Berthold Weg,Anna-Scholle-Weg, Franz-Becker-Weg, Wiesmannweg, Wilhlem-Trockel-Weg, Elisabeth-Altmann-Weg, Hellwitzweg und Sophie-Hagen-Weg. Die Soester Feuerwehr wird an den Haustüren klingeln und die Bewohnerinnen und Bewohner auffordern, die Gebäude vorübergehend zu räumen.

Update, 19 Uhr: Wegen der Corona-Pandemie wird in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt keine Sammelstelle für die Evakuierten eingerichtet. Betroffene Bürger werden gebeten, sich bis zur Entwarnung außerhalb des Evakuierungsbereichs im Freien oder bei Bekannten oder Verwandten aufzuhalten. Pflegebedürftige, behinderte und nicht transportfähige Personen werden gebeten, sich unter Telefon 02921/19222 zu melden, sofern ein Krankentransport erforderlich ist.

Die Feuerwehr fährt auf dem Kuchenmeister-Gelände vor. Hier ist der Sammelpunkt für alle Einsatzkräfte.

Update, 18.54 Uhr: Die Feuerwehr richtet sich ihre Einsatzleitung auf dem nahen Gelände des Aldi--marktes am Bergenring ein, Sammelpunkt für alle Rettungskräfte ist auf dem Kuchenmeister-Gelände. Die 250-Kilo-Bombe soll auf jeden Fall heute noch entschärft werden.  Evakuiert werden sollen der Liebfrauenweg, Wiesmannweg und Wilhelm-Trockel-Weg, sowie die bereiche um die Kreisverkehre Ostinghauser Landstraße und Weslarner Weg. Die Kreisverkehre werden gesperrt. 

Update, 18.10 Uhr: Auf einem Feld im Bereich des geplanten Baugebietes Soest-Nord zwischen Oestinghauser Landstraße und Weslarner Weg ist bei der Suche nach Kampfmitteln aus dem Zweiten Weltkrieg am heutigen Donnerstag erneut ein Blindgänger gefunden worden. 

"Ersten Erkenntnissen zufolge handelt es sich um eine 250-Kilogramm-Fliegerbombe. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst Westfalen-Lippe ist vor Ort. Die Entschärfung soll noch am heutigen Tag geschehen", erklärte die Stadt Soest. 

Eine akute Gefährdung der Bevölkerung bestehe nicht, betonte die Stadt. Zurzeit bereitete das Ordnungsamt der Stadt Soest die Entschärfung vor. "Aus Sicherheitsgründen werden Gebäude evakuiert und Straßen gesperrt werden müssen." Welche Bereiche genau davon betroffen sein werden, wird aktuell erarbeitet.

Es wurde ein Bürgertelefon eingerichtet, das unter der Rufnummer 103-2135 erreichbar ist.

Wir berichten weiter.

Lange war es ruhig um die Bombenfunde im Soest: Zuletzt hatte es im August und September 2019 Funde im Soester Norden gegeben. Die letzte Evakuierung in Folge eines Bombenfundes liegt mehr als ein Jahr zurück. Im April 2019 mussten im Soester Norden mehrere Häuser geräumt werden.

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