Abgelehnter Kandidat klagt

Schon seit 15 Monaten: Soester Archigymnasium weiter ohne Chef

Das Soester Archi
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Traditions-Gymnasium ohne Chef: Das Soester Archi

Die nunmehr 15 Monate währende Suche nach einem neuen Schulleiter am Archigymnasium läuft höchst unglücklich. Auch in den nächsten Monaten dürfte mit keinem Ergebnis zu rechnen sein; inzwischen beschäftigen sich sogar die Gerichte mit dem Fall.

Soest – Anfang vorigen Jahres war der alte Direktor Winfried Papenheim in Pension gegangen. Wie in solchen Fällen üblich schrieb die Bezirksregierung in Arnsberg, die als Schulaufsichtsbehörde fungiert, die Chefstelle aus und suchte unter den Bewerbern die Kandidaten aus, die in einem sogenannten Eignungsfeststellungsverfahren den besten Eindruck machten.

Bei der Auswahl blieb ein Bewerber im Sommer vergangenen Jahres übrig, der sich – so sieht es das Verfahren vor – in Soest der Schulkonferenz aus Vertretern der Lehrer, Schüler und Eltern sowie dem Schulträger (Stadt Soest) präsentierte. Dort machte der Kandidat offenbar keine gute Figur, die Soester lehnten ihn ab. Darauf brach die Aufsichtsbehörde das Besetzungsverfahren ab, um mit der Suche noch einmal von vorn zu beginnen.

„Konkurrenten-Klagen“

Das hätte im Herbst längst geschehen können, wenn nicht der abgewiesene Bewerber geklagt hätte. Er rief das Verwaltungsgericht Arnsberg an und verlangte die Fortsetzung des bisherigen Verfahrens, berichtet Gerichtssprecherin Silke Camen. Die Arnsberger Richter lehnten in einem Eilverfahren im August das Ansinnen des Lehrers ab.

Doch anstatt sich in sein Schicksal zu fügen, legte der Ex-Kandidat Beschwerde gegen die Entscheidung des Verwaltungsgerichts ein. Seit Anfang Februar liegt der Fall nun beim Oberverwaltungsgericht in Münster, dort wolle man sich im nächsten Quartal der Sache annehmen, sagt Richterin Dr. Gudrun Dahme.

Solche „Konkurrenten-Klagen“ sind für das Gericht „nichts Ungewöhnliches“, so Dahme. Immer wieder suchten Lehrer, aber auch andere Mitarbeiter im öffentlichen Dienst die Unterstützung der Justiz, wenn sie bei Bewerbungsverfahren auf der Strecke bleiben.

„Höchst unbefriedigend“

Ärgerlich ist das fürs Archi, das weiter auf einen neuen Direktor warten muss. Denn im laufenden Streit vor Gericht hat die Schulaufsichtsbehörde das Verfahren auf Eis gelegt. Christoph Söbbeler von der Bezirksregierung Arnsberg: „Das ist für die Schule höchst unbefriedigend.“ Mehr möchte er dazu gar nicht sagen.

Derweil führt Marcus Roß einmal mehr kommissarisch das Soester Traditionsgymnasium anno 1534. Roß hat längst Übung darin. Denn es ist bereits das dritte Mal, das er einspringt. Binnen weniger als 20 Jahren haben sich drei Chefs vom Archi verabschiedet: Erst Dr. Gerd Eikenbusch, dann Heinrich Dreier und zuletzt eben Winfried Papenheim. Die Zeiten, als ein Karlfriedrich Bartlewski allein schon zwischen Mitte der 60er- und 80er-Jahre zwanzig Jahre Archi-Direktor war und das Gesicht der Schule prägte, sind lange vorbei.  

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