Eine Frage der Zukunft:

Smarte Stadt braucht die Soester

Vernetztes Denken ist gefragt: Eckhard Ruthemeyer, Uwe Dwornik, Matthias Abel und Jörg Radandt stellen das Beteiligungsverfahren für Bürger vor.	Foto: dahm
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Vernetztes Denken ist gefragt: Eckhard Ruthemeyer, Uwe Dwornik, Matthias Abel und Jörg Radandt stellen das Beteiligungsverfahren für Bürger vor.

Soest – Klimaschutz, Digitalisierung und ein aus diesen beiden Zukunftsfeldern resultierendes erweitertes Verkehrskonzept: Im Soester Rathaus haben die Verantwortlichen längst Visionen für die Zukunft vor Augen. Dabei sollen fortan zwei neue Regeln gelten: erstens das Zusammendenken der einzelnen Felder und zweitens eine noch intensivere Bürgerbeteiligung.

„Wir wollen die Themen Digitalisierung und Klima verbinden“, machte Bürgermeister Eckhard Ruthemeyer während einer Präsentation am Dienstagmittag deutlich, wohin die Reise gehen soll. Und schickte gleich ein Beispiel für eine echte Reise hinterher. „Wenn Menschen erst ein Busticket lösen, dann in den Zug umsteigen und wieder einen Fahrschein kaufen, anschließend am Bahnhof ein Fahrrad ausleihen wollen und auf ein freies Rad hoffen müssen, dann ist das nicht komfortabel. Wir wollen, dass es eine Verkehrs-App gibt, mit der alles zusammen abgewickelt wird und die gleichzeitig die günstigsten Tarife garantiert.“

Damit das keine Zukunftsmusik bleibt, hat das etwas sperrig klingende Projekt „Klimaneutrale Smart City Soest 2030“ ab sofort grünes Licht. Dass dabei die Bürger eine entscheidende Rolle spielen, machte Matthias Abel als Technischer Beigeordneter deutlich: „Was wir als Stadt beeinflussen können, ist begrenzt. Das Wesentliche und damit der eigentliche Schlüssel zum Erfolg liegt in der Bevölkerung.“ Um die Menschen in der Stadt nun noch einmal für die Zukunftsthemen – insbesondere den Klimapakt und die Verkehrswende – zu sensibilisieren, gebe es jetzt „so ein ,Kit’ mit appellativem Charakter“.

Dieses Beteiligungs-Kit wird an 1000 repräsentativ ausgewählte Haushalte verschickt (und am Samstag ankommen). Zudem gibt es unter www.mitdenken-soest.de die Möglichkeit einer online-Beteiligung. Wer‘s lieber analog mag, darf eine Mail an mitdenken@soest.de schicken oder unter Tel. 02921/103 3070 anrufen und die Unterlagen anfordern.

Klar: Die Corona-Folgen haben im Vorfeld auch im Soester Rathaus einiges durcheinander gebracht. So sollten in diesem Jahr eigentlich drei eigene Verfahren auf den Weg gebracht werden (Klimaschutzbeauftragter Uwe Dwornik: „Das machen wir jetzt alles zusammen“), und für Oktober war eine große Veranstaltung im Schlachthof vorgesehen (Ruthemeyer: „Da waren wir enttäuscht, dass das nicht ging. Aber dann haben wir mit diesem Verfahren eine wirklich gute Alternative auf den Weg gebracht“).

Überhaupt herrschte während der Präsentation so etwas wie Aufbruchstimmung. „Wir glauben, dass wir als digitale Modellkommune und mit unseren Klimazielen gute Möglichkeiten haben, um so etwas wie Vorreiter und Pionier zu werden“, meinte Eckhard Ruthemeyer. „Wir denken das ganzheitlich und nennen das den ,Soester Weg’“, fügte Jörg Radandt als Verantwortlicher der Digitalen Modellregion hinzu.

„Klimapakt Soest“, „Verkehrsentwicklungsplan Klima+“ und „Smart City Soest“ heißen die drei Bereiche, in denen die Bürger befragt werden. Wer einen Blick auf die Fragen wirft, stellt schnell die Querverbindungen fest. So sind mögliche Smart City-Projekte wie etwa ein Energieverbrauchs-Wettbewerb so ausgewählt, dass sie den Schwerpunkt der angestrebten Klimaneutralität integriert haben. Und auch bei der Verkehrsentwicklung geht es immer wieder ums Klima, etwa beim regionalen Radverkehrskonzept.

Bis zum 18. Dezember haben die Soester Bürger nun Zeit, um sich einzubringen in die Zukunft(sthemen). Danach wird ausgewertet. Ein erster Überblick soll bereits während der Ratssitzung am 16. Dezember den Bürgerwillen widerspiegeln. Danach sollen die Ergebnisse in die Beratungen des Umwelt-Ausschusses Anfang Februar, während des Frühjahrs in den erweiterten Verkehrsentwicklungsplan und bis zum Sommer in die Projektauswahl der Smart City einfließen. Matthias Abel: „Wir stehen nicht am Anfang, aber die Bürgermeinungen sind so etwas wie das i-Tüpfelchen auf unsere Arbeit.“

KOMMENTAR VON JÜRGEN VOGT

Verwaltung reicht Bürgern die Hand

Ein neues Wir-Gefühl: Genau das ist notwendig, wenn Politik, Verwaltung und insbesondere die Bürger die ehrgeizigen (Klima-)Ziele erreichen wollen. Klimaneutralität im Jahr 2030, die damit verbundene Verkehrswende und nicht zuletzt die digitalen Strukturen hinter entsprechenden Projekten haben nur eine Chance, wenn eine große Mehrheit der Menschen das will. Der Verwaltung ist mit diesem aus der Not geborenen Beteiligungsverfahren ein großer Wurf gelungen. Denn nur vernetztes Denken kann die benötigten Quantensprünge bei den Zukunftsthemen forcieren. Und nur die aktive Beteiligung der Bürger kann echte Bewegung in die Sache bringen. Die Verwaltung hat dafür jetzt die Hand gereicht.

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