Ladenöffnung erfreut Händler und Kunden

Shoppen mit Termin: So lief der Start in den Soester Geschäften

Ruhiger Einkauf: Catarina Wagner vereinbarte einen Termin mit Susanne Graf und Michael Edingloh.
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Ruhiger Einkauf: Catarina Wagner vereinbarte einen Termin mit Susanne Graf und Michael Edingloh.

Aus „Click and Meet“ wurde in den meisten Geschäften „Call and Meet“. Doch viele Soester brauchten am Montag zum Start des Einzelhandels weder eine Online- noch eine telefonische Anmeldung.

Soest - „Wenn gerade nicht viel los ist, lassen wir auch spontan Kunden herein – natürlich nur unter Angabe der Kontaktdaten“, hieß es beispielsweise an den Eingangstüren von Ernsting’s family und beim Textil-Discounter Kik im City-Center am Bahnhof, aber auch beim Großteil der Läden in der Fußgängerzone.

Stadt:Soest
Postleitzahl:59494
Bevölkerung:48.747 Einwohner (Stand 30. Juni 2010)

Einzige Ausnahme in Soests Innenstadt: C&A. Dort kamen nur die Menschen rein, die sich zuvor angemeldet hatten. „Was für ein Schwachsinn“, regte sich eine Frau am Vormittag vor dem Eingang auf, nachdem sie von der Mitarbeiterin abgewiesen worden war. Diese begründet das konsequente Vorgehen so: „Wir können das aufgrund der Größe unserer Verkaufsfläche nicht im Blick behalten, wie viele Personen gerade drin sind. In einer kleinen Boutique geht das einfacher.“ Ein anderer Kunde hatte Erfolg, kam mit zwei großen Tüten voller Kleidung aus dem Geschäft. Was das für ein Gefühl ist nach so vielen Wochen Shopping-Pause? „Befreiend!“

Ladenöffnung in Soest: Geschäftsleute werden zu „Türstehern”

Filialen wie Nanu-Nana, Gamestop, Vero Moda und Jack & Jones blieben zumindest am Vormittag geschlossen. Ansonsten bot sich im Einzelhandel ein relativ einheitliches Bild: Viele Eingänge waren versperrt, damit niemand das Geschäft einfach betreten kann, Schlangen bildeten sich nur selten – hauptsächlich vor dem Modehaus Kress, wo der Kundenverkehr besonders fortschrittlich geregelt wurde. Bei Verlassen des Geschäftes wurden die Menschen elektronisch ausgeloggt, sodass die Mitarbeiterin am Eingang stets den Überblick darüber hatte, wie viele Personen sich gerade im Laden befanden. Um 11 Uhr waren es zwischenzeitlich rund 50 Kunden – maximal 150 sind dort gleichzeitig zulässig.

Michaela Hild nimmt die Kunden bei Deichmann am City-Center in Empfang.

Die Mitarbeiter von Intersport Lobenstein haben einen roten Teppich ausgerollt, um den Passanten zu zeigen: „Wir sind wieder da!“ Bei Deichmann am City-Center sorgte Filialleiterin Michaela Hild mit ihrer fröhlichen Art für gute Laune bei den Gästen: „Wir sind alle sehr erleichtert. Die Mitarbeiter können endlich raus aus der Kurzarbeit und die Kunden sind froh, dass sie überhaupt wieder vor Ort einkaufen dürfen.“

Einzelhandel-Öffnung im Lockdown: Das ist jetzt möglich

Denn die vergangenen Wochen seien hart gewesen: „Schuhe online zu kaufen – das geht eigentlich nicht, die muss man anprobieren“, sagt Hild. Für einen Termin werden etwa 15 Minuten eingeplant. „Mit drei Kindern benötigt man natürlich mehr Zeit, aber das passen wir dann entsprechend an.“ Ein Mann sei wieder gegangen, weil er das Kontaktformular nicht ausfüllen wollte, ansonsten sei in der ersten Stunde schon viel los gewesen. „Das Telefon klingelt ununterbrochen.“

Einzelhandel öffnet: Großer Ansturm bleibt vielerorts aus

Anderswo blieb der große Ansturm aus. „Es hält sich in Grenzen. Der Start war eher durchwachsen“, hieß es zum Beispiel beim Juwelier Glanz & Gloria in der Brüderstraße. Bei Ernsting’s family zählte man bis 10 Uhr gerade einmal sechs Kunden, auch bei NKD und Hunkemöller war es eher ruhig. Doch die Verantwortlichen zeigten sich meist zuversichtlich: „Die Kunden müssen erst einmal begreifen, wie alles abläuft.“

Bei Woolworth hingegen waren die Mitarbeiterinnen sehr zufrieden: „Wir hätten nicht gedacht, dass schon so viele Leute kommen.“ Ebenso als „angenehm“ wurde die Nachfrage bei Faber, Cecil und Cruse beschrieben.

Nach Corona-Pause: Besonderheiten bei Terminvergabe

Zwei Besonderheiten gab es bezüglich der Terminvergabe auch noch. Bei H&M soll ab Dienstag nach Startschwierigkeiten alles über die App funktionieren. Bei Tedi in der Klostergalerie gebe es keine Möglichkeit, vorab Termine zu vereinbaren: „Das geht nur vor Ort mit dem Kontaktformular.“

Catarina Wagner gehörte zu den ersten Kundinnen, die auf Termin shoppten. Nach fast drei Monaten Pause stehen die Türen wieder offen, deshalb hatte sie sich rechtzeitig bei Michelle Mode und Design am Seel angemeldet und freute sich über die ungeteilte Aufmerksamkeit von Michael Edingloh und Susanne Graf, die sie freundlich begrüßten und ihre Wünsche erfüllten: „Gleich zwei Leute, die nur für mich allein da waren, toll“, erzählt sie lachend.

Gleich zwei Leute, die nur für mich allein da waren, toll!

Catarina Wagner

Beim Schuhhaus Schreiber in der Brüderstraße fragte eine ältere Dame gleich morgens nach, ob sie nachmittags vorbeischauen könne. Sie hatte Glück, auf der Liste war noch ein Platz frei. Bei den Einzelhändlern überwiegt die Freude, endlich wieder starten zu dürfen, obwohl strenge Regeln gelten. Spontan vorbeikommen und nach Lust und Laune zuschlagen, das geht in vielen Fällen noch nicht. Doch Birgit Czymoch vom Geschäft Wohnwerkstatt am Petrikirchhof gibt sich optimistisch: „Ich möchte das alles positiv sehen. Das wird sich bestimmt einspielen.“

Dominique und Lisa Berngruber probieren Schuhe bei Schreiber in der Brüderstraße an.

Bummeln, ins Schaufenster schauen, sich für zufällige Entdeckungen begeistern, einfach reingehen, anprobieren? Derzeit nicht! Einkaufen braucht jetzt etwas Vorlauf. „Wir leben von den Leuten, die sich umsehen und sich inspirieren lassen“, schildert Birgit Czymoch, die weiß, wie wichtig Laufkundschaft und Stammpublikum sind. Sie sei dankbar, fügt sie hinzu, dass die Leute nun wieder ins Geschäft kommen, um sich dort an Ständern und Regalen umzusehen und sie die Waren nicht mehr wie an einem Kiosk rausgeben muss.

Neben Freude gibt es auch Frust

Auch Marc Schreiber ist froh über das Ende der Dauerpause, doch es gibt auch Frust. „Denn was unterscheidet einen Schuhladen vom Buchhandel oder einem Blumenmarkt?“, fragt er sich mit Blick auf die unterschiedlichen Corona-Regeln. „Wo ist da die Sinnhaftigkeit?“

Er erklärt, wie wichtig den Kunden, die Wert auf gutes, gesundes Laufen legen, die fachliche Beratung ist. Wie sehr die Soester auf den gestrigen Tag gewartet haben, das sei zum Beispiel deutlich geworden, als kürzlich der Frühling mit Sonnenschein und Wärme ein Gastspiel gab: Da stellten Eltern fest, dass das leichte Schuhwerk ihrer Kinder über den Winter zu klein geworden war.

„Bitte kommen Sie einzeln rein“, steht an der Tür von Foto Sommer an der Katzengasse. Inhaber Roland Wiemer berichtet, er habe schon am Freitag und Samstag Termine vereinbart – ein Verfahren, das er wie auch andere Händler in der Stadt recht kompliziert findet. Er betont aber auch: „Gut, dass wir wieder arbeiten gehen dürfen und Geld verdienen.“

Leserin Ursula Rossa stöbert bei Thalia.

„Das tut gut, wir freuen uns“, stellt auch Michael Lebar von Thalia fest. Draußen regnet es, das richtige Wetter, um sich den passenden Lesestoff auszusuchen. Im Buchhandel ist das sogar unangekündigt möglich. „Die Kunden sind glücklich“, so Lebar. Worte, die Leserin Ursula Rossa gerne bestätigt, sie hat endlich wieder Gelegenheit, in Ruhe zu stöbern.

Auch die anderen Einzelhändler im Kreis Soest richten sich auf die Regelungen ein. Auf die neuen Möglichkeiten wurde am Wochenende bereits per Newsletter hingewiesen, berichtet Bad Sassendorfs Marketing-Leiter Olaf Bredensteiner. Weil der Einzelhandel im Kurort stark auf die Tagesgäste und deren oft spontane Besuche der Geschäfte ausgerichtet ist, betont Bredensteiner, dass die Vereinbarung eines Termins auch kurzfristig erfolgen kann, während der Kunde vielleicht schon vor dem Eingang steht: „Und wenn ein Termin nicht sofort möglich ist, kann man gerade in Bad Sassendorf ein paar Minuten leicht überbrücken.“

Einzelhandel öffnet: Es muss nichts gekauft werden

Diskutiert wurde unter den Einzelhändlern die Sorge, ob Kunden womöglich zögern, einen Termin zu vereinbaren, weil sie sich dadurch zu einem Kauf gedrängt fühlen. Bredensteiner erklärt, dass die Kunden die Geschäfte wie bei einem normalen Bummel ohne Weiteres wieder verlassen können, wenn sie das Passende nicht gefunden haben: „Es soll sich keiner belastet fühlen, die Einzelhändler freuen sich über jeden, der kommt.“

+++ Weitere Infos zum Coronavirus im Kreis Soest gibt es im News-Ticker +++

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