Einkauf nur mit Test

Neue Corona-Regeln: Kaufleute sind wütend und fassungslos

Shoppen im Einzelhandel der Soester Innenstadt geht nur noch mit negativem Coronatest.
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Shoppen im Einzelhandel der Soester Innenstadt geht nur noch mit negativem Coronatest.

Mit Fassunglosigkeit, Unverständnis, Sprachlosigkeit und Wut haben die Soester Geschäftsleute auf die neue Corona-Schutzverordnung reagiert, die am Samstag in Kraft getreten ist. Die besagt, dass die Inzidenz mindestens fünf Werktage in Folge unter 50 liegen muss, ansonsten müsse beim Einkauf wieder ein negativer Schnelltest vorliegen.

Soest - „Ich habe durch die Zeitung von der neuen Verordnung erfahren und das zuerst für einen ganz schlechten Scherz gehalten“, sagt Marc Schreiber vom Schuhhaus Schreiber. Die neue Verordnung sei plötzlich wie vom Himmel gefallen. Er sei auf die Politik richtig wütend, findet Schreiber harte Worte. Unsere Redaktion hatte am Donnerstag über die neue Entwicklung berichtet.

StadtSoest
BundeslandNordrhein-Westfalen
BürgermeisterDr. Eckhard Ruthemeyer

Er hat die Hände nicht in den Schoß gelegt und sofort mit heimischen Landtagsabgeordneten, der IHK und dem Einzelhandelsverband telefoniert. Diese Verordnung müsse rückgängig gemacht werden, zumal die Inzidenzwerte im Kreis Soest nur bei knapp über 50 lägen. Ohne vorherige Diskussion oder Ansage hätte die neue Verordnung den Einzelhandel kalt erwischt. „Der Einzelhandel ist nachweislich kein Pandemietreiber“, erklärt Schreiber.

Das findet auch Susanne Lobenstein von Intersport Lobenstein. Auch sie ist sauer, wütend und auch niedergeschlagen. Die Einzelhändler würden veräppelt. „Mir fehlen die Worte, ich bin fassungslos und ich bin es leid. Ich weiß nicht, was das soll. Es reicht einfach.“ Damit spricht sie vielen Soester Einzelhändlern aus der Seele. Denn bis gestern lief der Verkauf im Sportgeschäft wieder prima – mit Anmeldung aber ohne Test. Alle Informationen zur Corona-Pandemie finden Sie hier.

Am Freitag konnte man noch einmal ohne negativen Corona-Test einkaufen. Die Gelegenheit nutzten etliche Kunden, die Stadt war am Nachmittag rappelvoll.

Die Innenstadt war voll. „Die Kunden wollen vor dem Einkauf schlichtweg keinen Schnelltest machen. Als diese Regel galt, waren maximal fünf Kunden täglich im Geschäft“, klagt Lobenstein. Nicht ernst genommen von der Politik fühlt sie sich auch, weil man viel ins Hygienekonzept investiert habe. Der Händlerin fehle auch wegen des langen Wochenendes die Zeit, zu reagieren. So habe sie zum Beispiel wieder mehr Personal aus der Kurzarbeit geholt, um es jetzt wieder nach Hause schicken zu müssen. Susanne Lobenstein: „Das alles kam aus heiterem Himmel. Es geht an die Substanz.“ Da helfe es auch nur wenig, dass nun ein negativer Coronatest 48 Stunden lang gilt.

Neue Verordnung im Einzelhandel: „Da fehlt die Logik“

Auch Marianne Kress vom Modehaus Kress sieht in der Handlung der Landesregierung keine Logik. Auch sie ist sprachlos. „Warum regelt es jedes Bundesland anders? Bayern macht auf und in Baden-Württemberg öffnet sogar die Innengastronomie – aber NRW verschärft.“ Als Einzelhändler habe man in den vergangene fünf Monaten viel ertragen und erdulden müssen. Gerade jetzt besuchen auch viele Kunden von außerhalb die „Modellkommune“ Soest und kommen gerne zum Shoppen auch in die Geschäfte. Wie könne man diese Kunden jetzt erreichen, die dann doch plötzlich am Eingang einen Test vorlegen müssen? „Die werden sehr enttäuscht und sauer sein.“

Viele Gewerbetreibende haben bereits groß damit geworben, dass Shoppen wieder ohne Test geht, so auch Möbel Wiemer. „Wir planen Aktionen und Personal, und jetzt kommt die Verschärfung der Regeln. Ich habe gedacht, das kann doch nicht wahr sein“, kritisiert Hans Kanne, Geschäftsführer von Möbel Wiemer, das „Hin und Her“. Zumal ein langes Wochenende sei und man die Mitarbeiter, die für die Werbung zuständig seien, gar nicht erreichen könne. Plakate, auf denen steht: „Einkauf jetzt wieder ohne Test“ müssen flott entfernt werden. Die Kunden würden über die Website des Hauses informiert. „Es gibt überhaupt keine Planungssicherheit mehr“, klagt Kanne.

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