Immer noch kein Schlussstrich unter Schalke-Randale

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Beim Revierderby stehen sich Krawalltypen und Polizei Auge in Auge gegenüber.

Soest – Der „Schwachsinn“, wie ihn der Staatsanwalt nennt, nimmt kein Ende. Vor sechs Jahren hatten zwei junge Männer aus Soest bei den Gewalttätigkeiten beim Revierderby Dortmund gegen Schalke an vorderster Front mitgemischt. Doch die juristische Aufarbeitung ist bis heute nicht erledigt. Kommenden Monat steht eine weitere Berufungsverhandlung an.

un Zeugen“ – so hatte der Anzeiger 2018 die Rolle der beiden Soester BVB-Hooligans zusammengefasst. Sie waren 19 und 20, als sie im Oktober 2013 beim Derby auf Schalke randalierten. Mit Brachialgewalt war der vermummte schwarz-gelbe Mob in den Gästeblock eingedrungen, hatte hier die Glas-Abtrennungen rausgehauen und Feuerwekrskörper in die benachbarten Ränge abgefeuert, wo ahnungslose, friedliche Fans und Familien saßen.

 Trotz Vermummung: Die beiden Soester waren blöd genug, auffällige Turnschuhe zu tragen, anhand derer die Polizei sie über Videoaufnahmen identifizieren konnte. Somit wäre eigentlich der Fall zu Ende: Im Juli 2014 bekamen die zwei Soester vom Amtsgericht Gelsenkirchen ihre Strafen (Haft beziehungsweise Geldstrafe) und gaben sich reumütig: Sie hätten angeblich mit den „Ultras“ gebrochen.

Die aber nicht mit ihnen. Kaum war der Prozess zu Ende und die beiden Verurteilten saßen mit ihrem Anwalt im Auto, ging eine Horde Vermummter (aus dem Schalke-Lager) auf die drei los. Trommelte mit Baseballschlägern auf das Auto ein und versuchte, die Türen zu öffnen. Der Anwalt konnte im letzten Moment Gas geben und flüchten. Seither müht sich die Justiz mit mäßigem Erfolg, auch dieses Kapitel aufzuarbeiten. 

Erst zogen sich die Ermittlungen jahrelang hin. Am Ende konnten nur vier (der vermutlich 12) Beschuldigten anhand ihrer Fingerabdrücke und DNA-Spuren an dem Auto auf die Anklagebank gebracht werden. Doch der Prozess ging gleich zum Auftakt in die Brüche. Wegen Formfehlern: nicht zugestellte Ladungen, unvollständige Akten. In diesem Frühjahr nun ein neuer Anlauf.

 Drei der vier Angeklagten wurden wegen gemeinsamer, versuchter Körperverletzung in Tateinheit mit Sachbeschädigung zu Geldstrafen verurteilt; der vierte aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Die drei Verurteilten legten Berufung ein. Nächsten Monat soll nun das Berufungsverfahren vor dem Landgericht Essen laufen, erläutert Mathias Kirsten, der Direktor des Gelsenkirchener Gerichts.

Der Soester Anwalt und seine beiden Mandanten werden sich also demnächst erneut auf den Weg ins Ruhrgebiet machen. Großartig helfen wird Anwalt Brunnert dem Gericht sowieso nicht können. „Es ging damals alles so schnell, zudem waren die vermummt“, sagt er. So habe er schon beim Prozess vor einem Jahr keinen der Angeklagten als Täter identifizieren können. 

Und selbst wenn er damals – 2014 – ein Gesicht erkannt haben sollte: Was nützt das heute. „Das ist so, als wenn Sie vor fünf Jahren mal jemand im Restaurant an einem Tisch gesehen haben. Den können Sie heute auch nicht mehr zuordnen“, meint der Anwalt.

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