Blinde Schüler an der Universität? Scouts sollen helfen

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Projektkoordinator Christian Stauer und Berufskolleg-Schulleiterin Sonja Janzen (vorn) unterzeichnen den Vertrag.

Soest - Wer Eltern, Verwandte und Bekannte hat, die nicht studiert haben, tut sich mit dem Gedanken an die Uni schwerer als Akademikerkinder. Wer dann noch blind ist, hat ein doppeltes Handicap – es sei denn, ihm stehen Talentscouts an der Seite, die ihn fördern und motivieren.

Genau das passiert am Soester Berufskolleg für Blinde und Sehbehinderte. Gestern ist die offizielle Kooperationsvereinbarung mit der TU Dortmund unterzeichnet worden, die das Scouting leistet.

 Wie funktioniert dieses Talentscouting? 

„Wir suchen talentierte, motivierte junge Leute, die wir über einen langen Zeitraum ergebnisoffen begleiten“, sagt Christian Stauer, der das Projekt koordiniert. Gleich zu Beginn der Oberstufe stellen die Lehrer den Schülern das Angebot vor und sprechen potenzielle Kandidaten gezielt an, denen sie ein Studium zutrauen. Jeder zweite Blinde und Sehbehinderte am Soester Kolleg steht in Kontakt mit den Scouts, berichtet Schulleiterin Sonja Janzen.

Wie gehen die Scouts vor?

 Im Vordergrund stehen persönliche Gespräche. Aber auch über Facebook und WhatsApp halten die Förderer Kontakt zu den Schülern. Die ersten Verbindungen bestehen seit zwei Jahren.

Kommt diese Hilfe bei den Mädchen und Jungen an?

 Offensichtlich ja. Niklas, der demnächst sein Abitur ablegen will, sagt: „Mein Wunsch war es schon immer, mal zu studieren; doch dieser Wunsch schien wegen meiner Behinderung so weit weg.“ Sein Mitschüler Jakub, der drei Tage Schnupper-Uni hinter sich hat, ergänzt: „Die Uni ist eine andere Welt; die Schule organisiert alles für einen; aber an der Uni bin ich für alles selber verantwortlich.“ Jakub will Mathe und Musik studieren, Niklas Musik und Englisch.

Ist mit Aufnahme des Studiums die Mission der Talentscouts erfüllt? 

Keineswegs. Denn nicht jeder Student kommt auf Anhieb klar, erst recht nicht, wenn er blind ist. Anna studiert bereits seit anderthalb Jahren soziale Arbeit und ist stark sehbehindert. „Ich bin echt froh über Barbara“, sagt sie und meint Barbara Bernard, ihren persönlichen Scout; die beiden kennen sich seit der Zeit am Soester Berufskolleg. Anna beschreibt die vielen Hürden: „Das fängt schon mit den pdf-Dateien an, die ich nicht lesen kann.“ Die Studentin spricht von einem „täglichen Kampf“, ohne ihre Mentorin hätte sie den womöglich längst verloren.

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