Schutz der alten Klärteiche: „Mini-Harvester“ sägt Birken ab

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Mit dem Mini-Harvester mit Raupenantrieb rückt Felix Klückers den Birken zu Leibe, Ruth Klückers schichtet zwischen den mannshoch stehen gebliebenen Stümpfen die dünnen Stammabschnitte und Zweige zu so genannten Benjeshecken auf. Im Hintergrund die beiden Silotürme der alten Zuckerfabrik.

Soest – Manchmal müssen auch Bäume aus Gründen des Naturschutzes fallen. Ein Schicksal, das in diesen Tagen eine lange Reihe stattlicher Birken ereilt hat, die entlang der ehemaligen Klärteiche der Zuckerfabrik standen. Mit Spezialgerät in Form eines „Mini-Harvesters“ mit Raupenantrieb sind Felix und Ruth Klückers vom gleichnamigen Baumpflegebetrieb aus Erwitte den Birken zu Leibe gerückt, um sie der Reihe nach abzusägen.

Erforderlich wurde die Fällaktion aus zwei Gründen, so Marianne Rennebaum vom Umweltdezernat des Kreises Soest. Bei Stürmen drohten die Birken mitsamt Wurzelballen umzufallen, dies hätte Lücken in den abdichtenden Wall der Teiche gerissen. Die als Refugium für seltene Wasservögel bedeutsamen Teiche hätten folglich auslaufen können. Andererseits bestand die Gefahr, dass die Birken auf die benachbarte Bahnstrecke fallen und dadurch Probleme auslösen. 

Ohne ökologischen Wert bleiben die gefällten Bäume jedoch nicht, die dünnen Stammabschnitte und Zweige wurden von Ruth Klückers entlang der Wälle zu so genannten Benjeshecken aufgestapelt. Im Schutz dieser Aufschichtungen sollen nun durch Samenanflug neue Heckenpflanzen aufkeimen und die Wälle mit ihrem Wurzelwerk stabilisieren. Nur große Bäume wie die Birken sollen hier wegen der beschriebenen Probleme nicht wieder entstehen. 

Viele der Birkenstämme wurden in zwei, drei Metern Höhe gekappt, und bilden nun stehendes Totholz, das zum Beispiel für Spechte und bestimmte Insektenarten wertvoll ist, ergänzte Felix Klückers. Der Einsatz des Raupenfahrzeugs sei zuvor abgeklärt worden. Da die in Schweden gebaute Maschine dank der breiten Raupenketten weniger Bodendruck verursacht als ein Mensch, sei ihr Einsatz auf dem empfindlichen Wall überhaupt möglich gewesen. 

Das Verfahren mit Benjeshecken hat der Kreis Soest bereits früher mit gutem Erfolg angewendet, so Rennebaum. Die Wasserflächen gehörten einst zur Soester Zuckerfabrik und dienten seinerzeit als Klärteiche. Nach der Einstellung des Fabrikbetriebs hat der Kreis die Klärteiche günstig erworben, so Rennebaum. Die Kosten für die Baumfällung teilt sich der Kreis mit der Stadt Soest. 

Wie Christina Jaax von der Naturschutzbehörde des Kreises ergänzend erläuterte, stehen die ehemaligen Klärteiche heute unter Naturschutz. Als Wasserflächen bilden sie ein wichtiges Rückzugsgebiet für Wasservögel auf dem Durchzug und für das Brutgeschäft. Unter anderem kommen in dem öffentlich nicht zugänglichen Gebiet auch Knäkenten und Krickenten vor. 

Die mit der Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz (ABU) abgestimmte Fällaktion war am Mittwoch beendet.

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