Schülerzahlen auf Talfahrt: Realschulen sind Verlierer

SOEST - Die Talfahrt an den weiterführenden Schulen in Soest setzt sich auch in diesem Jahr fort. Nach den Einbrüchen im Vorjahr sind erneut elf Prozent weniger Kinder angemeldet worden. Vor allem die beiden Realschulen trifft es heftig.

 Klopften im vergangenen Jahr noch 777 Mädchen und Jungen an die Türen der weiterführenden Schulen in Soest, brach die Zahl in diesem Jahr auf 693 ein. Zwei Ursachen gleichzeitig sind dafür verantwortlich:

  • Zum einen sinkt die Zahl der Grundschulabgänger, weil einfach weniger Kinder in Soest leben.
  • Zum anderen wird das Angebot in den Nachbargemeinden immer attraktiver und vielfältiger.

Die Palette an Sekundar- und Gemeinschaftsschulen in Möhnesee, Lippetal und (neuerdings auch) Sassendorf macht vor allem den Realschulen zu schaffen. Hier sackte die Anmeldezahl binnen Jahresfrist von 171 auf 145 ab. Noch frappierender fällt der Vergleich mit 2011 aus: Damals zeigten noch 236 Kinder Interesse an der Christian-Rohlfs- und der Hansa-Realschule. Unterm Strich ist dies in nur zwei Jahren ein Schülerschwund von knapp 39 Prozent.

Weniger Schüler als im Vorjahr können auch die drei Gymnasien in Soest dieses Jahr begrüßen. Doch über die Jahre gesehen bleibt ihr Anteil weitgehend stabil, weil die drei Gymnasien gleichsam zwei Alleinstellungsmerkmale besitzen: Die Oberschulen stehen bei Eltern ungebrochen hoch im Kurs. Und noch hat keine Nachbargemeinde ihr eigenes Gymnasium aufgemacht.

Doch auch die Gymnasien stehen unter Druck, sagt Thomas Nübel von der Soester Schulverwaltung: „Die Verkürzung auf acht Schuljahre steht nachwievor in der Elternkritik.“ So geschlossen, wie die Oberschulen seinerzeit von neun auf acht Jahre umschalteten, so geschlossen halten sie (vorerst) an diesem Kurs fest.

Dabei hat der Gesetzgeber durchaus Möglichkeiten geschaffen, zu neun Jahren Gymnasialzeit zurückkehren zu können. Mit dem Argument „In neun Jahren zum Abi“ werben nicht zuletzt auch die Gemeinschaftsschulen in Lippetal und Sassendorf. „Ich möchte der Politik nicht vorgreifen, über Prozesse nachzudenken“, sagt Nübel. Doch der hinter den Zahlen steckende Trend sei unverkennbar und erfordere Diskussionen.

Die Frage, ob Soest immer noch der zentrale Bildungs-Standort sei, beantwortet Nübel allerdings mit einem klaren Ja. „Wir haben alle Schulformen und müssen nicht nur unsere Schulen, sondern auch die Berufsschulen des Kreises mitbetrachten.“ Dieses differenzierte Angebot sei einmalig in der Region. Klar sei aber auch, gerade bei den Realschulen entschieden sich Eltern aus den Umlandgemeinden für kurze Wege, die ihnen nunmal durch die neuen Angebote außerhalb Soests offen stehen. - hs

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