Schüler in Soest überrollt: Lkw-Fahrer muss sich nun doch noch vor Gericht verantworten

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Ein weiß lackiertes Fahrrad, Grablichter und ein Kreuz mit Inschrift erinnern am Deiringser Weg an den tödlichen Radunfall vom 16. November 2017 und mahnen zu mehr Achtsamkeit gegenüber Fußgängern und Radfahrern.

Soest – Der Lastwagenfahrer, der vor anderthalb Jahren beim Rechtsabbiegen am Deiringser Weg einen jungen Radfahrer übersehen und tödlich verletzt hat, muss sich nun doch noch vor Gericht verantworten. Zunächst hatte die Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen den 57-Jährigen eingestellt.

Der Unfall hat seinerzeit viele Soester aufgewühlt. Der 12-jährige Archigymnasiast war am 16. November 2017 mit seinem Rad unterwegs in die Stadt und machte alles richtig: Er hielt vor der roten Ampel vorschriftsmäßig rechts neben dem Lastwagen an der Haltelinie. Als die Ampel auf Grün schaltete, setzen Fernfahrer und Radfahrer ihre Tour fort. Dabei erfasste der Transporter beim Rechtsabbiegen den Schüler, weil der offenbar für den Fahrer im toten Winkel nicht zu sehen war. 

Ein Gutachter bestätigte später gegenüber der Staatsanwaltschaft den Sachverhalt. Staatsanwalt Thomas Schmelzer, der nach dem tödlichen Radunfall die Ermittlungen leitete und „wenn überhaupt, dann nur ein minimales Verschulden des Fernfahrers“ gesehen hatte, stellte das Verfahren gegen den 57-Jährigen ein. Doch die Eltern des verunglückten Jungen legten Beschwerde ein. 

Die Staatsanwaltschaft zog andere vergleichbare Urteile heran, holte eine ergänzende Stellungnahme des Gutachters ein und gelangte zu dem Schluss: Wenn der Lastwagenfahrer tatsächlich nur mit Schrittgeschwindigkeit rechts abgebogen wäre, hätte er womöglich doch den Jungen erkennen und den Unfall verhindern können. 

Der Fernfahrer muss sich deshalb am kommenden Freitag wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht verantworten. Sachverständige sowie drei Zeugen, die den Unfall mitbekommen haben, werden im Amtsgericht aussagen. Für den Prozess muss der angeklagte Italiener eigens aus seiner Heimat anreisen; damals hatte er von Südeuropa aus eine Fuhre bis nach Soest gebracht, als das Unglück passierte. 

Die Eltern, die vor anderthalb Jahren ihren Sohn verloren, haben nach dem Unfall alle Hebel in Bewegung gesetzt, die Kreuzung sicherer zu gestalten, damit sich eine solche Tragödie nicht wiederholt. Sie schrieben einen ergreifenden Brief an Politik und Öffentlichkeit, den der Anzeiger im Februar 2018 veröffentlichte. Der Tenor: „Tun Sie alles, die Kreuzung am Deiringser Weg so zu sichern, dass hier nie wieder ein Mensch verunglückt.“ 

Tatsächlich sind inzwischen Korrekturen vorgenommen worden. Dank einer Privatinitiative des Soesters Bernd Gockel sind an der Kreuzung Spiegel montiert worden, die Lastwagenfahrern einen Blick in den toten Winkel rechts neben ihrem Transporter gewähren. Zudem nehmen die Radfahrer heute vor der roten Ampel Aufstellung vor dem motorisierten Verkehr und befinden sich somit im Blick der Auto- und Fernfahrer. 

Und schließlich ist die Ampelschaltung neu programmiert worden: Radfahrer bekommen zwei Sekunden früher Grün und haben folglich die Kreuzung längst verlassen, wenn der Autoverkehr anrollt.

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