Engel der Kulturen landet in Soest

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Die Schüler des Alde vor dem Rathaus

Soest - „Alle Menschen werden Brüder...“ spielte das Trippenmeker-Blasorchester des Aldegrever-Gymnasiums, und dazu läuteten die Glocken von St. Petri und St. Patrokli.

Eine erhebende, geradezu symbolische Klangkulisse begleitete Mittwoch Mittag den Festakt mitten in der Stadt. Schüler und Lehrer des Aldegrever-Gymnasiums und ihre internationalen Gäste legten die Bodenintarsie „Engel der Kulturen“ nieder. Das Werk drückt den Wunsch nach einem gleichberechtigten, friedlichen Zusammenleben aus und will Rechtsextremismus, Femdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Islamophobie entgegenwirken. 

Die Ideengeber und Schöpfer des Werks, das Herner Künstlerpaar Carmen Dietrich und Gregor Merten, begleiteten die Aktion ebenso wie Vertreter der Stadt, der Sponsoren, der drei abrahamischen Religionen und viele Bürger. Die Aldegrever-Schüler, die zurzeit Gruppen aus Ungarn, Polen, Italien und der Türkei zu Gast haben, hatten sich im Rahmen ihres „Erasmus+“-Projekts mit dem Titel „Bücher bauen Brücken“ intensiv mit dem Thema Religionen und Völkerverständigung befasst. Kein Wunder also, dass zehn Schüler in ihren unterschiedlichen Landessprachen die Gäste zur Feierstunde begrüßten. 

Entscheidende Motoren des Projekts waren die Lehrer Cornelia Dieckmann und Bodo Dreves gewesen: „Ohne sie wäre das Ganze nicht zustande gekommen.“ Dafür kassierten die beiden herzlichen Applaus. Schon morgens war eine Prozession mit einem großen „Engel der Kulturen“ am Aldegrever-Gymnasium gestartet und hatte Stationen religiösen Lebens ins Soest „abgerollt“: An der Moschee am Brunowall sprach Imam Sevki Caliskan vom türkisch-islamischen Kulturverein, an der Stelle der ehemaligen Synagoge in der Osthofenstraße hatte Alexander Krimhand von der jüdischen Kultusgemeinde Groß-Dortmund das Wort. Später, zur Feierstunde, zitierte er Psalmen aus dem Talmud, während der Imam ein arabisches Gebet sprach.

Propst Josef Heers trug das Friedensgebet der Vereinten Nationen zur Feierstunde bei, Schulreferent Pfarrer Carl las einen Text von Hanns Dieter Hüsch vor. Und Superintendent Dieter Tometten mahnte alle, sich auf die gemeinsamen Traditionen zu besinnen. Mit großen Traditionen können sie gut umgehen, bewiesen die italienischen Schüler und zitierten „Laudato si“, den „Sonnengesang des Heiligen Franziskus“: „Eines der wichtigsten Werke in unserer Sprache“, wie ihre Lehrerin betonte. Die Musik zur Feierstunde kam aus berufenem Munde: Bodo Dreves hatte seine Kollegen vom Hellweg Quartett gebeten, die unter Leitung von Michael Busch auftraten. 

Dazu kontrastierte das Mitsing-Lied der Patrokli-Grundschüler mit Detlev Gethmann „Da berühren sich Himmel und Erde“. Nach anderthalb Stunden konnten sich die Organisatoren freuen: Alles war fast wie am Schnürchen gelaufen. Sie konnten abends unbeschwert beim Konzert der Gruppe Avram feiern. Der Engel, den der Künstler Gregor Merten und Schulleiter Martin Fischer gemeinsam aus einer runden Stahlplatte ausgeschnitten hatten, verbindet Soest mit dem nächsten Verlegeort. Der inneren Engel jedoch, der am Rand mit Ort und Datum der Aktion versehen wird, wird – wie die aller anderen Orte – ein Teil Kulturen-Säule für Jerusalem.

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