Die Gurkentruppe und ihr König

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Sonderbar, aber gesund: Die Fans der Band „Die Streuner“ schwenken mit Gurken.

Soest - Wer am Samstagabend gegen kurz nach 21 Uhr auf den Mittelaltermarkt hinter der Ressource kam, wurde Zeuge eines eigentümlichen Spektakels: Die Band „Die Streuner“ und das Publikum huldigten ihrer Majestät: dem „Gurkenkönig“.

Seine Untertanen schwenkten zu Hauf Salatgurken und dazu ein handgemaltes Banner, das neben der Aufschrift „Gurkentruppe“ ein Exemplar eben jenes Gemüses zeigt, das mit dem Soester Stadtschlüssel gekreuzt ist. Seinem veganen Zepter zum Trotze heißt der Gurkenkönig Sören Schinkenmeister. 

Wahre Legenden ranken sich um seinen langen Weg zum Throne. Er könne aufgrund einer Herzmuskelerkrankung keinen Alkohol trinken und habe daher einst statt mit einem Bier mit einer Gurke angestoßen, erzählt einer seiner Untertanen. Die Wahrheit ist deutlich unspektakulärer. 

„Unsinn“, antwortet der junge Mann, „ich bin von Beruf Brauer, ich trinke mehr als alle anderen hier.“ In der Tat habe er sich aber vor circa zehn Jahren an einem Kirmesfreitag kurz vor dem Konzert der „Streuner“ ein wenig Grünzeugs für daheim gekauft und aus Spaß zur Musik mit der Salatgurke gewunken: „Und im Jahr drauf brachten meine Freunde alle Gurken mit.“ 

In den folgenden Jahren verselbständigte sich die Nummer. Mittlerweile lebt und arbeitet König Schinkenmeister in Halle an der Saale, aber zur Kirmes kommt er natürlich zurück. Und seine Untertanen schleppen am Kirmessamstag kistenweise die Salatgurken auf den Platz. Die Streuner reagieren längst auf den Soester Gurkenkult. 

Sängerin Miriam Petzold liest zu Beginn des Auftritts aus Christine Nöstlingers 1972er Kinderroman „Wir pfeifen auf den Gurkenkönig“, die Band textet ihr Lied „Männer mit Bärten“ um in „Soester mit Gurken“ und verehrt ihren Regenten mit einer gurkenförmigen Rassel, angeblich ein „historisches Artefakt“ aus der Zeit des „ersten ägyptischen Gurkenkönigs Tut En Gurk“. 

Am Sonntagmittag dann brach König Sören wieder auf ins sein sächsisches Exil. Immerhin: Von dort ist es nicht mehr ganz so weit in den Spreewald. Und seine Untertanen freuen sich in der Zwischenzeit, dass ihr Regent vor zehn Jahren nur eine billige Gurke dabei hatte, mit der sie ihm nun jedes Jahr hundertfach huldigen – und keinen Beluga-Kaviar. Klaus Bunte

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