Schon wieder Schließung: So reagieren Gastronomen in Soest und Werl auf neue Corona-Maßnahme

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Im „Lamäng“ waren Ini und Geri Isanllari am Mittwoch noch für die Gäste da. Ab Montag ist zu.

Soest – Was Yvonne Pälmer da am Mittwochmittag auf den Tisch bekam, war ganz schwer verdaulich – und das lag nicht daran, dass die Küche ihres Hotels „Zum Wilden Mann“ am Soester Markt etwas falsch gemacht hätte. Serviert worden war ihr vielmehr ein Entwurf für die Gespräche zwischen den Ministerpräsidenten der Länder und der Bundeskanzlerin mit den später am Tag beschlossenen Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie. Mit dabei: die Schließung von gastronomischen Betrieben und Hotels schon ab Montag.

Zwar hatte Pälmer angesichts rasant steigender Infektionszahlen durchaus mit Einschränkungen des öffentlichen Lebens gerechnet, die auch an ihrem Betrieb nicht spurlos vorüber gehen würden, das milderte aber nicht ihre Enttäuschung darüber, dass sie ab Montag ein zweites Mal in diesem Jahr komplett schließen muss. „Wir haben viel Geld und Arbeit in ein wirksames Hygienekonzept gesteckt“, erklärte sie. Dass die Politik jetzt trotzdem einen radikalen Schnitt mache, empfindet sie als ungerecht – ganz abgesehen von dem wirtschaftlichen Schaden, den Wochen ohne Gäste bedeuten.

Gefordert sieht sie sich aber nicht nur als kalkulierende Kauffrau: „Wir tragen hier Verantwortung für 26 Mitarbeiter, die sich große Sorgen um ihre Arbeitsplätze machen“, erklärt sie – und versichert: „Wir werden niemanden entlassen.“ 

Fast noch größere Sorge bereitet Yvonne Pälmer und ihrem Ehemann Thorsten der „Rattenschwanz“, der an den Entscheidungen aus Berlin dran hänge: der drohende Ausfall des Weihnachtsgeschäftes, auch des Weihnachtsmarktes und die traditionell schwachen ersten drei Monate des neuen Jahres im Einzelhandel – das könnte für viele Betriebe nicht mehr zu schaffen sein, fürchten sie. 

„Ich halte von Schließungen gar nichts“, macht Halid Mehinovic, Betreiber des Wiener Hofs in Werl, klar. „Das Verbot von Feiern ist in Ordnung, aber das normale Geschäft sollte weiterlaufen.“ Er fände die Schließungsanweisung daher „ganz, ganz ärgerlich“. 

Und steht damit nicht alleine da, auch Volker Damm, Inhaber des Fischlokals in Westönnen, empfindet Schließungsweisungen als überzogen. „Es wäre das komplett falsche Signal. Man sollte die Gastronomen dabei unterstützen, ihre Schutzmaßnahmen zu verbessern.“ 

Sorge um Kollegen in der Branche, aber auch darüber hinaus, macht sich Frank Van den Bremt, Inhaber des „Röstaroma“ im Soester Grandweg. Er rechnet zwar damit, dass er den Ausschank in seiner kleinen Kaffeerösterei schließen muss, den Verkauf von Kaffeebohnen wird er aber wohl weiterführen können. Ihn bedrücken aber die Existenzsorgen vieler Menschen als Folge der Einschränkungen. 

Imer Jashari, Geschäftsführer des „Lamäng“, hat in den vergangenen Tagen bereits die psychologische Wirkung steigender Infektionszahlen auf viele Gäste gespürt: „Man hat schon gemerkt, dass weniger als üblich Menschen in der Altstadt unterwegs waren“, erklärte er gestern Nachmittag. Es sei offensichtlich, dass viele Gäste zu Hause blieben – ab Montag werden sie nun noch weniger Gründe haben, auszugehen.

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