Schnelle Erste Hilfe: Handy lotst Retter zum Unglücksort

Handy am Steuer
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Die meisten haben unterwegs sowieso ihr Handy dabei. Im Unglücksfall kann der Rettungsdienst so die Position der Verletzten orten.

Soest - Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand zählt jede Sekunde. Doch oft bekommen potenzielle Ersthelfer von der Notlage überhaupt nichts mit, obwohl sie direkt in der Nähe sind. Das soll sich demnächst ändern.

Die Fraktionen von CDU und SPD im Kreistag planen die Einführung eines Smartphone-basierten Ersthelfer-Alarmierungssystems. Dabei werden medizinisch qualifizierte Ersthelfer, die sich in unmittelbarer Nähe zum Notfall befinden,  durch die GPS-Komponente ihrer Smartphones geortet und nach Wahl des Notrufs 112 durch die Leitstelle automatisch parallel zum Rettungsdienst alarmiert. 

Mit dem Thema befasste sich jetzt der Kreistag und sprach sich einstimmig für die App aus. Eine große Diskussion über das Thema gab es nicht. Mitte November hatte der Rettungsausschuss über den gemeinsamen Antrag beraten, ein neues Alarmierungssystem zu installieren, und bei zwei Enthaltungen ebenfalls mehrheitlich ja gesagt.

In dem Antrag der beiden Fraktionen heißt es: „Bei einer ansonsten guten rettungsdienstlichen Versorgung in der Fläche muss festgestellt werden, dass eine städtisch einzuhaltende Hilfsfrist von (durchschnittlich) acht Minuten und einer ländlichen Hilfsfrist von zwölf Minuten für den Spezial-Notfall des Herz-Kreislauf-Stillstandes medizinisch wissenschaftlich nicht ausreichend ist.“ Hier seien Maßnahmen bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes zur Verkürzung des sogenannten „therapiefreien Intervalls“ notwendig.

Im Kreis Soest soll diese Verkürzung durch die Einführung der strukturierten Notrufabfrage und der telefonischen Anleitung zur Reanimation durch die Leitstelle erreicht werden. Auf den Ersthelfer-Smartphones wird dazu eine spezielle App installiert. Von den an den Kreis Soest angrenzenden Kreisen betreibt der Kreis Unna bereits seit 2016 ein solches System. Der Hochsauerlandkreis hat die Einführung des Smartphone-basierten Alarmierungssystems „Mobile Retter“ im Juli 2018 beschlossen. 

Aus den Statistiken der vergangenen Jahre wäre im Kreis Soest mit 500 Alarmierungen jährlich zu rechnen. Die Fraktionsvorsitzenden Ulrich Häken (CDU) und Wilfried Jäger (SPD) sind in ihrem Antrag überzeugt: „Das System der Ersthelfer-Alarmierung ergänzt die bestehenden guten rettungsdienstlichen Strukturen im Kreis Soest in sinnvoller Weise.“

Das Projekt soll zunächst auf vier Jahre begrenzt und vor Ablauf dieses Zeitraumes noch einmal bewertet werden. Als Partner kommt der gemeinnützige Verein „Mobile Retter“ in Frage. Die Initiative mit Sitz in Köln setzt sich seit Anfang 2014 für die Verbreitung von Smartphone-basierten Ersthelfer-Systemen in Deutschland ein. Sie hilft Kommunen und Leitstellen bei der Einführung und dem Regelbetrieb dieser Systeme. 

Der Verein um den Vorsitzenden Andreas Schiemenz stellt gleichzeitig klar: „Uns ist es wichtig zu betonen, dass unsere Mobile Retter-Initiative lediglich eine Ergänzung zu bestehenden Rettungsdiensten darstellt.“ Das Projekt könne und wolle keinerlei rettungsdienstliche Maßnahmen oder Posten ersetzen.

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