Serie: 25 Jahre Alter Schlachthof

Bitte wenig Experimente

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Die Litfaßsäule vor dem „Alten Schlachthof“ wirbt vor allem für wirkungsvolle Comedyveranstaltungen. Das „Schlachthof“-Team will Experimentelles wagen. 

Soest- Den Trend beobachten, Teil des Trends zu sein und gleichzeitig selber Trends setzen – dieser Anspruch fordert jeden Tag aufs Neue einen Spagat vom Team des „Alten Schlachthof“.

Um zukünftig erfolgreich zu bleiben und den eigenen Anspruch zu erfüllen, müsse man behutsam neue Wege gehen, sagt „Schlachthof“-Chef Dr. Thomas Wachtendorf.

Als „soziokulturelles Zentrum“ wurde der „Alte Schlachthof“ Anfang der 90er-Jahre eröffnet – zu einer Zeit, als sich dieser Begriff, aus der 68er-Bewegung längst überall etabliert hatte. Überall in NRW bezuschusst, schossen solche Zentren aus dem Boden.  Doch in Soest entfesselte die Einrichtung handfeste Kontroversen.

Auf der einen Seite standen die Vertreter traditioneller, bürgerlichen Werte, die den Zerfall jeglicher Kultur durch solche Einrichtungen befürchteten. 

Auf der anderen Seite kämpften diejenige, die vom Gedanken der Gleichberechtigung bewegt waren, gegen das Elitäre und für eine „Kultur von unten, eine Kultur für alle“. 

Endlich wurde der „Alte Schlachthof“ als Bürgerzentrum eröffnet und boomte von Anfang an. Vereine, Clubs und Verbände nutzen die Räume, auf der Bühne gaben sich Akteure die Klinke in die Hand, die noch unbekannt waren, aber später einen großen Namen hatten. Die mittlerweile ausufernde Comedy- und Kabarett-Szene war damals noch jung, und der „Alte Schlachthof“ mischte ganz vorne mit. Diese Zeiten sind heute vorbei.

 Das Bürgerzentrum ist zum Kulturhaus geworden. „Wir werden heute als bodenständiges ,Veranstaltungshaus’, nicht als ,Experimentierhaus’ wahrgenommen“, sagt Wachtendorf. Aber er weiß, dass der „Schlachthof“ immer wieder Neues ausprobieren muss, um in Zeiten des Umbruchs das Überleben zu sichern. Allerdings muss das behutsam passieren, um niemand zu verprellen: Ein experimentelles Konzert im Halbjahresprogramm ist genug.

Das Team versucht, alles unter einen Hut zu bringen, private und freie Kultur, Anspruchsvolles und kommerziell Erfolgreiches – denn ohne Geld geht gar nichts. Manchmal klappt’s nicht so, wie es sollte: Die Reihe „Schlachthof_neo“, die junge Gruppen ansprechen sollte, floppte. Dafür entwickelt sich „Schlachthof_akustisch“, die Konzerte in intimem Rahmen, zum Renner. Die wirkliche Konkurrenz aber lauere nicht in der Nachbarschaft oder in den großen Städten, sagt Wachtendorf. Die Konkurrenz sei das Internet. Im Kulturbetrieb „Alter Schlachthof“ geht es offenbar nicht anders zu als in vielen inhabergeführten Einzelhandelsgeschäften der Innenstadt.

„Im Internet werden die Trends gemacht“, wissen Wachtendorf und sein Vize Florian Hanrath. Die beiden versuchen, diesen Trends auf die Spur zu kommen und sie aufzunehmen, bevor sie vorbei oder – was fast noch schlimmer ist – zu groß geworden sind.

Diese Reihe will das Bürgerzentrum „Alter Schlachthof“ in den kommenden Wochen bis zur Jubiläumsfeier begleiten. Zum 25-Jährigen will sie hinter die Kulissen des Kulturhauses schauen und dabei Personen, Projekte und Probleme vorstellen. Wer sich mit Geschichten und Erinnerungen, Programmen, Fotos oder Karten daran beteiligen möchte, ist eingeladen, mitzumachen und Kontakt unter Telefon 02921/688 143 oder per E-Mai: kultur@soester-anzeiger.de aufzunehmen.

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