Politischer Streit um Antriebsart

Scharfer Ton in Dieselbus-Debatte: „Nicht in Ordnung“ - RLG-Chef übt Kritik

Dieselbusse auf dem Soester Betriebshof: Möglicherweise stehen hier in Zukunft mehr Fahrzeuge mit Elektro- oder Wasserstoffantrieb.
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Dieselbusse auf dem Soester Betriebshof: Möglicherweise stehen hier in Zukunft mehr Fahrzeuge mit Elektro- oder Wasserstoffantrieb.

Welche Antriebsart ist sinnvoll? Der Stadtentwicklungsausschuss hat jetzt über eine mögliche Umrüstung der RLG-Busse diskutiert.

Soest - Auslöser war ein Antrag der SPD, demzufolge die Verwaltung gemeinsam mit den anderen 20 Gesellschaftern auf die RLG einwirken soll, bei der künftigen Beschaffung von Verkehrsmitteln auf benzin- und dieselgetriebene Fahrzeuge zu verzichten und stattdessen auf alternative Antriebe wie Wasserstoff, Elektro oder CNG zu setzen. Außerdem forderten die Sozialdemokraten, den aktuellen Bestand auf eine mögliche Umrüstung zu überprüfen.

Die SPD bezieht sich in dem Antrag auf die Berichterstattung unserer Redaktion über die RLG-Anschaffung von acht neuen Dieselbussen Anfang dieses Jahres. Das stehe dem Ziel entgegen, den CO2 -Ausstoß zu vermindern.

Dieselbus-Debatte: CNG-Vorschlag stößt auf Unverständnis

RLG-Geschäftsführer André Pieperjohanns war eingeladen worden, um den Politikern Rede und Antwort zu stehen. Gleich zu Beginn stellte er gegenüber den Ausschussmitgliedern klar: „Wir sind Ihr Unternehmen. Eine Entscheidung steht uns gar nicht zu. Ich bin Kaufmann. Meine Aufgabe ist, das Unternehmen so zu führen, wie Sie es verlangen. Also: Was wollen Sie?“

Pieperjohanns selbst halte es für sinnvoll, unabhängig von der Antriebsart zumindest auf eine einheitliche Lösung an den verschiedenen Betriebshöfen zu setzen. Bei der Frage nach dem Antrieb sei zu bedenken: Als emissionsfrei gelten nur Busse mit Batterie- und Wasserstoffantrieb. Busse, die mit CNG oder Biomethan fahren, gelten nur als emissionsarm, sind also auch sauberer als Dieselbusse, aber noch nicht die sauberste Option. In Soest könnten, so Pieperjohanns, 12 von 13 Bussen auf Elektroantrieb umgestellt werden – allein von der Reichweite her.

Dieselbus-Diskussion: „Keine Grundsatzdebatte“

Einig waren sich alle Politiker darüber, dass auf Dauer der Wechsel zu einer umweltfreundlichen Antriebsart wünschenswert sei. Heinz Hagmanns (SO-Partei) brachte beispielsweise den Vorschlag ins Spiel, übergangsweise CNG zu nutzen – quasi als „Brückenlösung“, bis man komplett auf Elektro oder Wasserstoff setzen kann.

Andreas Kappelhoff (BG) ist gegen eine solche „Übergangstechnologie mit hohem Aufwand und minimalem Effekt“. Vom RLG-Chef erhielt Hagmanns sogar eine Antwort in scharfem Ton: „Ich verstehe den Sinn nicht. Vielleicht kennen Sie jemanden, der CNG vertreibt.“ Doch dabei blieb es nicht.

Pieperjohanns fühlte sich attackiert und an den Pranger gestellt: „Ich weiß nicht, warum ich heute hier bin. Da sind zuletzt Sachen gelaufen, wie man mit mir und der RLG umgeht, das ist nicht in Ordnung.“ Die Kritik bezog sich auf den Vorwurf der SPD, die Einkaufs- und Einsatzstrategie der RLG widerspreche den Diskussionen, „die seit Jahren auf allen politischen und gesellschaftlichen Ebenen“ geführt werden.

Wie man mit mir und der RLG umgeht, das ist nicht in Ordnung.

André Pieperjohanns, Geschäftsführer der RLG

Der Ausschussvorsitzende Andreas Janning trat auf die Bremse: „Wir brauchen hier jetzt keine Grundsatzdebatte über den Stand der Forschung zu führen.“ Manuela Mewes (CDU) versuchte ebenfalls zu beruhigen und dankte André Pieperjohanns für die klare Erklärung der Positionen.

Am Ende ging es in der Abstimmung darum, ob sich Kämmerer Peter Wapelhorst als Vertreter der Stadt im RLG-Aufsichtsrat für einen Umstieg auf alternative Antriebe einsetzen soll.

Sieben Mitglieder stimmten dafür, sieben dagegen. Bei Gleichstand gilt ein Antrag als abgelehnt, sodass die RLG vorerst ohne politischen Druck weiterplanen und an einem langfristigen Klimaschutzkonzept arbeiten kann.

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