Schalke-Randale: Soester müssen jetzt vor Gericht

Vermummte Dortmund-Fans stehen auf dem Zaun des Gästeblocks, nach dem Zünden von Feuerwerken. Unter den Krawalltypen hat die Polizei auch zwei junge Männer aus Soest ausgemacht, die sich jetzt vor Gericht verantworten müssen.
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Vermummte Dortmund-Fans stehen auf dem Zaun des Gästeblocks, nach dem Zünden von Feuerwerken. Unter den Krawalltypen hat die Polizei auch zwei junge Männer aus Soest ausgemacht, die sich jetzt vor Gericht verantworten müssen.

SOEST - Neun Monate nach der gewalttätigen Randale Auf Schalke beim Revierderby gegen Dortmund geht es jetzt für zwei junge Soester erneut nach Schalke. Vor dem Jugendschöffengericht in Gelsenkirchen müssen sich die beiden Heranwachsenden wegen Landfriedensbruchs und Körperverletzung verantworten. Der Prozess soll am 22. Juli stattfinden.

Die Schreckensbilder vom 26. Oktober, als maskierte Hooligans ausrasteten, Absperrungen niederrissen, Böller und Leuchtgeschosse in die Zuschauerreihen friedlicher Fans feuerten, haben sich eingeprägt – erst recht bei den Ordnern und Polizisten, die bei der Randale um ihr Leben fürchteten und nun im Gerichtssaal als Zeugen aussagen werden.

Sind die Soester die Schlimmsten?

Die beiden Soester, so sagt der Direktor des Amtsgerichts, seien keinesfalls ein paar unbedeutende Mitläufer gewesen. Bei den Gewalt-Exzessen im Fußballstadion hätten sie sich nach Erkenntnissen der Polizei als „die Schlimmsten der Schlimmen“ entpuppt.

Der 20-jährige S. hatte bereits im Januar bei einem Strafverfahren wegen anderer Delikte vor dem Soester Schöffengericht geschildert, wie sehr Fußball sein Leben und seinen Alltag bestimmt. Mit den Ultra-Fans „Desperados“ sei er stets zu den Auswärtsspielen der Dortmunder gereist, bis der Verein nach den Zwischenfällen im Oktober der Truppe die Tickets entzogen habe. Vor zwei Jahren handelte er sich bereits nach einem Schalke-Spiel einen Strafbefehl ein, weil er die Bande am Spielfeldrand demoliert hatte. Ohnehin sind Bundesligaspiele derzeit für den jungen Soester tabu, da er ein Stadionverbot bekommen hat.

Seit Monaten ist aber nicht nur das Jugendschöffengericht in Gelsenkirchen damit beschäftigt, die Ausschreitungen beim Revierderby juristisch abzuarbeiten. Das Amtsgericht Gelsenkirchen-Buer, das sich um die volljährigen Täter kümmert, hat bereits mehrere Prozesse abgewickelt und reihenweise Randalierer zu Geldstrafen zwischen 1350 und 3600 Euro verurteilt. Darunter nach Außen eher unscheinbare junge Männer wie etwa einen 22-jährigen Studenten, der gerade für seine Lehrerprüfung büffelt und bereits an einer Grundschule unterrichtet. Er habe sich von den Vermummten und Randalierern anstecken lassen und auch das Bengalo gezündet, das ihm ein Anhänger in die Hand gerückt hatte.

„Es war eine Dummheit“, beteuerte der Student vor Gericht, seine Karriere wegen so eines Mists aufs Spiel zu setzen.

Der Soester S. steht ohnehin schon mit einem Bein im Gefängnis. Nach sechs Vorstrafen hatte ihn das Soester Jugendschöffengericht im Januar wegen fünf neuerlicher Diebstähle, Betrugs und Urkundenfälschung „ein letztes Mal“ zu 15 Monaten auf Bewährung verurteilt.

Damit er aber schon mal weiß, wie sich Knast anfühlt, schickte ihn der Richter für zwei Wochen Dauerarrest in die Zelle und warnte S.: „Jetzt noch die kleinste Kleinigkeit – und Sie sitzen die 15 Monate ab!“ - hs

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