Schäden an Soester Kirche unter die Lupe genommen

Vermessung der Wiesenkirche per Laser: Das ist dabei herausgekommen

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Soest - Die Ergebnisse der Vermessung der Wiesenkirche mit einem Laserscanner sind jetzt da. Und Dombaumeister Jürgen Prigl sieht seinen Verdacht bestätigt: Die Schäden am sakralen Bauwerk sind manifest, das vordere Drittel der Kirche besonders betroffen.

Schlechtes und zu starres Baumaterial in der Traufengalerie, vermutlich Stampfbeton aus den 30er Jahren und wohl die Detonation einer Bombe im Zweiten Weltkrieg haben die Kirche in starke Mitleidenschaft gezogen, vermutet Dombaumeister Prigl. 

Bis 21 Zentimeter streben einzelne Segmente vom Boden bis in die Höhe auseinander. Das Bauwerk driftet sozusagen auseinander; die Kräfte durch den Schiefstand setzen sich auch draußen fort.

Quantensprung der Erkenntnis

Die Folgen für die Wiesenkirche sind immens, Jürgen Prigl in Sorge. Da half ihm die Bachelorarbeit der Soesterin Pia Vering im Fachbereich Geodäsie an der Hochschule Bochum in Zusammenarbeit mit dem dortigen Labor für Photogrammetrie, dem Vermessungsbüro Ludwig und Schwefer und der Dombauhütte absolut weiter. 

Ein Quantensprung der Erkenntnis sei die Auswertung der Daten, so Prigl. Dass eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg, zusammen mit dem schlechten Baumaterial, verantwortlich sein könne für die Schiefstände, die außen durch eine Stütze abgesichert werden müssen, darauf sei er gekommen, denn der frühere Pfarrer Dr. Paul Girkon, der bis 1948 dort tätig war, habe das in Notizen erwähnt. 

31 Gigabyte Daten

Eine Bombe soll um 1945 das Dach der Kirche durchschlagen haben, das aber stehen blieb. Die Bombe explodierte wohl im Gewölbe, was auch das Auseinanderdriften des ersten östlichen Drittels um den Altar herum erklärt. 

Risse waren schon Mitte 2018 zu sehen. 31 Gigabyte Daten sind bei der Vermessung im Dezember 2018 in zehn Stunden an 58 Standpunkten mit drei Milliarden Einzelkoordinaten ermittelt worden, so Rainer Brechtken vom Labor für Photogrammetrie. 

Die Darstellung mittels einer Präsentationsoftware erlaubt eine „Reise durch die Wiesenkirche“, die Schäden durch Fugenrisse und herausgebröselte Mörtelreste werden sichtbar. In drei Wochen soll nun die Instandsetzung beginnen, die rund zehn Jahre dauern könne, so Dombaumeister Prigl. Es gelte nun, weiteres Ungemach abzuwenden.

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