Sassendorfer Verwaltung zeichnet düsteres Bild

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Hat es der Investor „Orpea“ gar nicht nur auf ein Reha-Zentrum abgesehen, sondern will in Wirklichkeit das ganze Klinikum Stadt Soest schlucken? „Ja“, sagt die Sassendorfer Verwaltung – und erntet dafür ein entschiedenes Dementi aus Soest.

Soest/Bad Sassendorf - Für einige Aufregung sorgt eine Vorlage der Sassendorfer Verwaltung für den Wirtschaftsförderungsausschuss. Thema: das Reha-Zentrum im benachbarten Soest am dortigen Klinikum.

Ein neues Reha-Zentrum in Soest wird sich nicht rechnen, das Klinikum Stadt Soest in wirtschaftliche Schieflage bringen und damit zur leichten Beute für den französischen Investor machen, der das öffentliche Klinikum sowieso übernehmen und rein betriebswirtschaflich führen will. Womit die Gesundheitsversorgung im gesamten Kreis negativ beeinflusst würde. Dieses Szenario entwirft die Sassendorfer Verwaltung und sorgt damit für viel Verunsicherung, nicht zuletzt bei den Mitarbeitern des Klinikums.

Was den Mitgliedern des Wirtschaftsförderungsausschusses da in Bad Sassendorf als Vorlage der Verwaltung mit der Bitte um „Unterstützung“ auf den Tisch gelegt wird, ist eine im Rahmen des Bauleitverfahrens für das Reha-Zentrum routinemäßig abzugebende Stellungnahme einer Nachbarkommune zu einem Projekt dieser Größenordnung.

Dass sich die Begeisterung im Kurort mit seinen rund 1100 Betten und über 1000 Beschäftigten über eine Konkurrenz nur wenige Kilometer entfernt in Grenzen halten würde, überrascht nicht – Schärfe und Tragweite der Kritik aber durchaus.

Wirtschaftlich sei das Soester Reha-Zentrum nicht zu betreiben, behaupten die Sassendorfer. Stattdessen drohe angesichts einer „ohnehin bereits vorhandenen Marktsättigung in der Region“ ein „Verdrängungswettbewerb“ und ein „Preiskampf“. Weil eine „wirtschaftliche Fehlentwicklung realistisch anzunehmen sei“ und das Klinikum schädigen würde, werde der Investor „Orpea“ das Klinikum komplett übernehmen – was ohnehin „beabsichtigt“ sei, heißt es in der Vorlage weiter.

Und: Selbst wenn das Klinikum eigenständig bliebe, würde sich die Gesundheitsversorgung insgesamt, besonders in der Akutversorgung, in der Region verschlechtern, weil „in jedem Fall eine stärkere Ausrichtung des gemeinnützigen Klinikums auf die Bedürfnisse des gewinnorientiert arbeitenden Investors Orpea“ zu erwarten sei.

Eine Stellungnahme zu diesen Spekulationen war aus dem Rathaus, die Stadt ist alleiniger Gesellschafter des Klinikums, am Mittwoch nicht zu bekommen. Sprecher Thorsten Bottin verwies lediglich darauf, dass die Vorlage erst am Donnerstagabend diskutiert werde. Das Ergebnis werde man dann „im Rahmen des Bauleitverfahrens bewerten“.

Nichts an inhaltlicher Klarheit zu wünschen übrig ließ dagegen die Stellungnahme des Klinikum-Aufsichtsratsvorsitzenden Roland Maibaum (SPD): „Gerade weil ein privater Investor so eine Strategie haben mag, haben wir in den Verträgen glasklar festgelegt, dass das Klinikum von möglichen Schieflagen des Reha-Zentrums nicht infiziert werden kann. Und wirklich niemand in Soest will das Klinikum verkaufen!“

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