Zufälliger Zusammenprall der Kulturen

+
Ein Afrikaner aus dem Mittelalter auf einem Soester Pferd? Kulturell mussten die Passanten gestern vor dem Soester Rathaus einiges verkraften. ▪

SOEST ▪ Schöner kann ein Zusammenprall der Kulturen kaum ausfallen: Stephan Neuhaus und Petra Bender lernten sich beim Pfingstlager der Mittelalterfreunde vor zwei Jahren kennen. An diesem Wochenende findet dieses Lager erneut statt und das Paar beschloss, dies mit seiner Hochzeit zu verbinden. Während gut hundert Gewandete, zum Teil sogar hoch zu Ross, zuvor schon auf dem Markt mit Musik und Tanz aus dem 15. Jahrhundert die Aufmerksamkeit auf sich lenkte, sorgte der Zufall für eine Musikeinlage ganz anderer Art.

Der namibische „Western Youth Choir“ gastiert auf Einladung des Soesters Jannis König an diesem Wochenende in Soest. König hatte den Chor bei seinem freiwilligen sozialen Jahr in Namibia kennen gelernt.

Bei den Konzerten bleibt es natürlich nicht, selbstverständlich schaut man sich auch die Stadt ein wenig an. Dabei stießen die zwei Dutzend Afrikaner auf die Mittelalterhorde. „Die machen Musik – kann man da mit machen?“, fragten sie sich und wurden natürlich nicht abgehalten. Und während drinnen im Rathaus noch die Ringe getauscht wurden, tanzten und sangen die gut zwei Dutzend Afrikaner ein erstes Mal vor ihrem Laufpublikum, ein zweites Mal, als das Paar aus dem Rathaus kam, das mit einigen Überraschungen gerechnet haben dürfte, aber nicht damit.

Kein Wunder also, dass nicht nur viele Passanten stehend blieben, um dieses Schauspiel mitzuerleben, auch die frisch Vermählten konnten sich eine Träne der Rührung nicht verkneifen.

In Soest gestalten die jungen Afrikaner am Pfingstsamstag um 18 Uhr den Gottesdienst in der Paulikirche gemeinsam mit der Stadtkantorei. Im Anschluss an den Gottesdienst gibt der namibische Chor um 19 Uhr in einer gut halbstündigen Soirée einen Einblick in sein temperamentvolles Repertoire, das zahlreiche selbst komponierte und arrangierte Stücke enthält. Im Western Youth Choir, dessen Mitglieder sich auf großen Chorcamps zum Proben treffen, sind viele verschiedene Bevölkerungsgruppen Namibias vertreten, so dass auch in unterschiedlichen Sprachen gesungen wird.

Der Eintritt zur Soiree ist frei, die am Ausgang gesammelten Spenden benötigt der Chor zur Finanzierung seiner Reise. Wer sich schon vorab ein Bild von der beeindruckenden Leistung und der ansteckenden Musizierfreude der jungen Sängerinnen und Sänger machen möchte, findet in Jannis Königs Reisetagebuch unter jannisnamibia.wordpress.com auch einige Tonbeispiele.

Am Sonntag tritt der Chor im Pfingstgottesdienst um 10 Uhr in St. Maria zur Wiese auf und am gleichen Abend findet das Abschlusskonzert um 19 in Alt St. Thomä (Schiefer Turm) statt. ▪ kb

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare