Lebhafte und kontroverse Debatte im Soester Gestaltungsbeirat

Ein rundes Wohnhaus am Kloster Paradiese: Da ging es richtig rund

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Ein Ein-Famlien-Haus in Rundform soll neben der alten Mühle auf dem Klostergelände entstehen.

Paradiese – Gleich im doppelten Sinn des Worts ist es diesmal im Soester Gestaltungsbeirat richtig rund gegangen: Auf dem Areal des Klosters Paradiese soll ein kreisförmiges Wohnhaus gebaut werden, die Debatte darüber entwickelte sich äußerst lebhaft und kontrovers.

Für Familie Steinberg, der Eigentümerin der einen Hälfte des Klosters und Chef des hier ansässigen Krebs-Labors, sind die alten Mauern aus dem 13. Jahrhundert längst eine Herzensangelegenheit geworden. 

Vor 25 Jahren entschied sich der Arzt Dr. Winfried Steinberg, die damals vollkommen desolate Kloster-Ruine nach allen Regeln der Denkmalkunst wieder aufzubauen und mit Leben – eben der Krebs-Klinik – zu füllen. „Andere gehen segeln, wir haben einfach Spaß an dem alten Kloster gehabt und wollten es erhalten.“

Genau dieses „Erbe“ möchten Steinberg und seine Frau der nächsten Generation, ihren beiden Kindern, übertragen. Seine Tochter ist Ärztin und schmiedet mit der Familie Pläne, das Labor fortzuführen – und auch das alte Kloster zu bewahren.

Das Neue soll sich klar vom Alten abheben

Die Diskussion mit dem Bauamt und den Denkmalschützern, was hier gebaut werde könnte und dürfte, „zieht sich seit Jahren“, schildert Steinberg. Dabei habe er stets die Botschaft vernommen: Das Neue soll sich klar vom Alten abheben. Deshalb auch der Rundling, der wohl bestechendste von mittlerweile acht Entwürfen.

Nebenan auf dem Areal steht die alte Wassermühle. Sie brachte die Investoren und die Architekten erst auf die Idee, die Form des Neubaus an einen Mühlstein anzulehnen. Auf zwei Geschossen würden oben wie unten alle Räume um einen Mühlstein herum platziert; am Ende entsteht so ein großer Mühlstein mit 12 Metern Durchmesser – direkt am Amper Bach gelegen.

Zweiköpfiger Gestaltungsbeirat äußert Zweifel

„Große, große Fragezeichen“ sieht Franz-Jörg Feja. Der Recklinghäuser Architekt bildete zusammen mit seinem Dortmunder Kollegen Christian Moczala den Gestaltungsbeirat, jene unabhängige Expertenrunde, die Soester Politiker, Verwaltung und Bauherren berät. 

Die beiden Fachleute fragten sich vor allem, ob so eine Rotunde überhaupt an diese Stelle hinpasse. Der Neubau dominiere schon durch seine Größe das Bild, die alte Mühle wirke zweitrangig. Kurzum: „Das passt alles nicht zusammen.“

"...als ob hier ein Ufo gelandet ist"

Die Sachverständigen reihten beim lebhaften Disput mit Investor Steinberg noch manches Contra aneinander, bevor Baudezernent Matthias Abel das Schlusswort sprach: „Ein echter Bruch mit der Umgebung; es wirkt, als ob hier ein Ufo gelandet ist.“

Was also tun? Drei Perspektiven bleiben: Umbau und Erweiterung der alten Wassermühle. Problem dabei: Die heißt nicht nur so, der steht das Wasser auch buchstäblich bis an die Füße. Oder ein komplett neuer Entwurf für diese Stelle, an der zumindest schon mal Baurecht gilt. Oder das Rundhaus an anderer, weniger sensibler Stelle auf dem Klostergelände.

An der Einzigartigkeit würde dies nichts ändern. Architekt Raphael Billecke kennt weit und breit kein Gebäude, in dem es zum Wohnen ähnlich rund geht.

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