Richterin: Vater hat seinen sieben Monate alten Sohn geschlagen

Wegen Körperverletzung wurde in Soest ein 24-jähriger Vater zu einer Geldbuße verurteilt.

Soest - Das Gericht sah es als erwiesen an, dass ein 24-jähriger Vater seinen damals sieben Monate alten Sohn vermutlich mit der Hand ins Gesicht geschlagen hat. Das Kleinkind trug Hämatome auf der rechten Gesichtshälfte davon, die von der Einwirkung stumpfer Gewalt stammten, erklärte die Richterin.

Obwohl der Angeklagte beteuerte, er habe mit seinem Sohn nur etwas zu wild gespielt und die Verletzungen seien unabsichtlich entstanden, glaubten Staatsanwältin und Richterin dem 24-Jährigen nicht. Das Gericht verurteilte ihn wegen Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen á 30 Euro.

Die 22-jährige Mutter schilderte das Geschehen so: Am 22. August vergangenen Jahres brachte die Soesterin ihre Tochter in den Kindergarten. Den sieben Monate alten Sohn ließ sie in der Obhut des Vaters.

Als sie zurückkam hörte sie schon im Flur das Weinen ihres Sohns. Als sie in die Wohnung gekommen sei, habe das Kind mit Verletzungen im Gesicht im Maxi-Cosi gesessen, der Vater spielte an der Playstation. Der Vater erklärte, das Kind sei mehrmals aus dem Maxi-Cosi gefallen, daher stammten die Verletzungen.

„Doch die Geschichte habe ich ihm nicht geglaubt.“ Am Abend brachte die 22-Jährige ihren Sohn ins Krankenhaus und ging zur Polizei. Sie trennte sich von dem Vater ihrer Kinder und zog zunächst zu ihrer Mutter. Im Moment, so die Mutter, habe der Vater mit seinen Kindern guten und freundlichen Kontakt. Der Angeklagte sagte vor Gericht aus, er habe mit seinem Sohn gespielt und ihn wohl etwas zu heftig in die Luft geworfen. Dann habe er es nicht geschafft, ihn wieder richtig aufzufangen und hätte das Kleinkind gerade noch am Kopf erwischt.

Daher stammten die Verletzungen am Kopf des Kindes, erklärte er vor Gericht. Seiner Freundin und der Polizei hatte er allerdings die Version mit dem Maxi-Cosi erzählt, was Staatsanwältin und Richterin stutzig machten. Die Richterin vermutete, dass der Angeklagte seine Version änderte, nachdem er das rechtsmedizinische Gutachten kannte.

Das Gericht hatte einen Rechtsmediziner aus Dortmund geladen, der das Gutachten über die Art der Verletzungen anhand von Fotos erstellt hatte. Er hielt die Version des Vaters für nicht realistisch. „Die Verletzungen könnten von einem Schlag mit der Hand stammen. Die Hämotome befanden sich nur auf der rechten Gesichtshälfte. Hätte der Vater das Kind am Kopf aufgefangen, wären die Verletzungen beidseitig“, so der Gutachter.

Das ermahnte den Angeklagten, dass er gegenüber seinem sieben Monate alten Kind zur Obhut verpflichtet sei und Schlagen nicht geht. Auch hätte der Vater sofort mit dem Kind zum Arzt gehen müssen, anstatt sich vor die Play-Station zu setzen.

Der Verteidiger erklärte, das Gericht könne dem Angeklagten nicht nachweisen, dass er seinen Sohn geschlagen habe.

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