Richterin schlichtet Ebay-Clinch um eine Kaschmir-Jacke

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Eine Richterin am Amtsgericht Soest schlichtete jetzt einen Ebay-Clinch um eine Kaschmir-Jacke.

Soest - Vier Frauen stehen im Kreis um einen Tisch herum, in der Mitte liegt eine beigefarbene Kaschmir-Jacke. Nach sorgfältiger Begutachtung und kurzer Beratung setzen sich die Damen und die Richterin hat das Wort. Diese Szene spielte sich am Dienstag im Soester Amtsgericht ab, wo eine 49-Jährige wegen Betrugs angeklagt war.

Sie hatte das Kleidungsstück im Dezember vergangenen Jahres auf der Online-Plattform Ebay-Kleinanzeigen inseriert und für den Preis von 84 Euro an die 58-jährige Zeugin verkauft. Die Jacke sei zu diesem Zeitpunkt vier Jahre alt, aber dennoch in einem „sehr guten Zustand“ gewesen. Die Angeklagte habe die Jacke selber für 400 Euro gekauft. 

Als die Käuferin die Ware auf Qualitätsmängel überprüfte, stellte sie ein Loch sowie zwei Punkte, an denen die Jacke gestopft worden war, fest. Daraufhin schickte sie die Jacke zurück, die Verkäuferin akzeptierte dies und sagte die Erstattung der Kosten zu. Soweit war alles normal gelaufen. Nachdem das Modestück wieder bei der ursprünglichen Besitzerin eingegangen war, konnte diese keinen Schaden erkennen. 

Außerdem war sie wegen einer anderen Sache verärgert: „Ich hätte das Geld überwiesen, wenn sie mir keine negative Bewertung gegeben hätte“, sagte sie vor Gericht. Die große Frage, die sich noch stellte, war nun: Ist der Zustand der Jacke mangelhaft oder in Ordnung? Richterin, Staatsanwältin und Zeugin waren sich einig – „hochwertig“ sei das nicht. Um die Geschichte aus der Welt zu schaffen, schlug die Richterin vor, dass die Angeklagte das Geld direkt vor Ort in bar zurückzahlt. Gerade geschehen, wurde das Verfahren eingestellt. 

Und in einem Punkt waren sich alle einig: Dieser Prozess hätte nicht unbedingt sein müssen. 

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