Die Renaissance der roten Stängel

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Florian Milke vom Fruchtwerk stellt fest, dass Rhabarber mittlerweile genauso beliebt ist wie Äpfel. 

Kreis Soest –  Rhabarber ist im Trend. Leckeres aus den rot-gelb-grünen Stangen ist auf dem Vormarsch. Florian Milke vom Fruchtwerk Milke, der vor fünf Jahren angetreten war, um leckeren Apfelsaft herzustellen, stellt fest, dass der Rhabarber dem Apfel mittlerweile den Rang streitig macht.

„Ich fülle genauso viele Flaschen Apfel- wie Rhababerrsaft ab“, sagt Milke. Rund 80 bis 100 Tonnen der säuerlichen Stangen seien es, die er pro Jahr verarbeitet, schätzt er. 

Der Boom ist umso erstaunlicher, als das Gemüse, das aus dem Kaukasus nach Europa kam, bis vor wenigen Jahren noch als Unkraut galt und in vielen Hausgärten mehr oder weniger unbeachtet vor sich vegetierte. Vor dem Zweiten Weltkrieg wurden die grünen und roten Stangen noch auf einer Fläche von 1 700 Hektar angebaut, zu Anfang der 1990er-Jahre war sie auf rund 400 Hektar geschrumpft.

 „Eine Zeit lang war das Gemüse aus der Fruchtfolge so gut wie verschwunden“, sagt Florian Milke. Er erklärt das Phänomen so: „Rhabarber enthält relativ viel Cäsium. Nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl 1986 wurde den Bauern gesagt: Baut mal nicht so viel Rhabarber an. Wir haben schon genug Cäcium in der Luft“. 

Erst vor wenigen Jahren hätten Bauern im Rheinland das säuerliche Gemüse wieder entdeckt und angebaut, berichtet Milke. Und mittlerweile ist die Rhabarber-Renaissance zu einem echten Boom geworden. Kein Wunder, schließlich seien Rhabarber-Schorle und -Nektar, der mindestens 40 Prozent Fruchtanteil enthält, sehr erfrischend. 

Damit der Saft tatsächlich genießbar wird, fügt Milke immer etwas Zucker hinzu, denn die Stangen sind nun mal im Urzustand zu sauer. Zum Süßen wird Rohrzucker genommen. „Die Soester Zuckerrübe verträgt sich leider nicht mit dem Rhabarber“, sagt Milke und beugt damit eventuellen Klagen heimischer Bauern vor.

 Im Saft landet übrigens vor allem Ware der Güteklassen 2 und 3. Die Einteilung nach optischen Gesichtspunkten getroffen. Zur Güteklasse 1 zählen jene Stangen, die äußerlich makellos sind und große grüne Blätter besitzen. Beliebteste Rhabarbersorten seien „The Sutton“ und „Frambozen“.

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