Blitzeblanke Bördesteine

Für das Guinness-Buch der Rekorde: In Soest werden die Wälle gesäubert

+
An Steinen ist kein Mangel, an Helfern auch nicht. Mit Plastikeimern sammelten sie die Steine vorübergehend ein, um das Laub zu entfernen.

Die Steinschlange auf dem Wall ist ein echter Besuchermagnet. Jetzt wollen die Initiatoren mit dem Projekt ins Guinness-Buch der Rekorde.

Soest - Bühnenkünstler und Piloten sind es gewohnt, nach getaner Arbeit Beifall zu ernten. Aber im handwerklichen Bereich ist dies eher die Ausnahme. Kein Wunder also, dass das halbe Dutzend Mitarbeiter des Kommunalbetriebs (KBS) etwas peinlich berührt dreinblickte, als das gute Dutzend Frauen, somit deutlich in der Überzahl, ihm applaudierte. 

Wofür? Sie hatten den Wall gereinigt. Freiwillig, samstags ab 7 Uhr, bei 8 Grad Celsius. Und während die Frauen noch bis zum Mittag mit der Feinarbeit beschäftigt waren, waren die Herren mit ihrer Arbeit schon ganz schnell fertig. Denn in den Tagen zuvor hatten sie bereits mit Rücksicht auf die Steine der Bördeschlange gemäht, die Hecke geschnitten und mit Laubbläsern den Großteil des Laubs entfernt: „Da fliegt einem der Staub nur so um die Ohren, deshalb war es besser, das bereits vorab zu erledigen“, so Wilfried Lining vom KBS.

Guiness-Buch-Rekordversuch in Soest: Steinschlange im Weg

Schon einmal hatten Mitglieder der Bördestein-Gruppe sich des Walls angenommen. Denn darüber, dass da gelegentlich mal Großreinemachen nötig ist, die Steinschlange dabei aber im Wege sein könnte, waren sich die Administratorinnen der Facebook-Gruppe im Klaren. Dieses Mitdenken blieb beim KBS nicht unbemerkt, und Lining bot an, Hand in Hand zu arbeiten. Denn einerseits muss er der Verkehrssicherungspflicht nachkommen, andererseits ist es ja lediglich eine Aktion auf Zeit, die nach dem Versuch, mit der Schlange ins Guinness-Buch der Rekorde zu gelangen, der Geschichte angehören wird. 

Mit Laubbesen nahmen sich die Männer der Kommunalen Betriebe das Umfeld vor.

Und: Lining ist erklärterFan der Aktion. Und nicht nur er: Bis in die oberste Spitze der Verwaltung hat sich das Engagement der Gruppe herumgesprochen: Ab sofort ist Bürgermeister Dr. Eckhard Ruthemeyer Schirmherr des Rekordversuchs und wird alles, was die Gruppe an den Kosten, die der erhoffte Eintrag verursacht, nicht selber aufbringen kann, übernehmen: „Denn so etwas Tolles soll nicht an den Finanzen scheitern“, meint er. 

„Ich bin mit meinem Enkelkind über die Wälle gegangen“, begründet er seine Motivation, „es zeigte mir die Steine, die es beigesteuert hat. Da habe ich erst wirklich gemerkt, was für eine Leistung in Corona-Zeiten hinter einem solch gemeinschaftlichen Projekt steckt. Dann hörte ich, dass die Steine später für einen guten Zweck versteigert werden.“

Der Erlös soll zu gleichen Teilen einem Verein zur Hilfe für Straßenkatzen aus Hamm sowie dem Soester Hospiz und dem Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst Soest zukommen. Ruthemeyer: „Und wenn dann auch noch ein Eintrag im Guinness-Buch ansteht, dann ist es für mich eine große Ehre, zum Gelingen beitragen zu können.“

Guiness-Buch-Rekordversuch in Soest: 10.000 Steine gestohlen

Beim Besuch der Putzaktion zeichnete er unter Anleitung der Gruppengründerin Cäcilie Koch seinen ersten eigenen Bördestein, ging aber auch nicht mit leeren Händen heim: Zum Dank gab es einen Bördestein mit dem Jägerken als Motiv, gemalt von Katti Michel, zudem einen Anstecker fürs Revers mit dem Konterfei des Maskottchens Kiesbert, beide geschaffen von Goldschmiedin Petra Hammacher. 

Der Rekordversuch rückt in greifbare Nähe, der Termin hängt nur noch vom Kalender der Guinness-Buchs ab. Bis dahin wird die Schlange am Kattenturm angekommen sein, ist sich Cäcilie Koch gewiss, „und wir wären schon längst einmal komplett um die Stadt, wären nicht schätzungsweise 10.000 Steine gestohlen worden.“ Andere Städte hätten vergleichbare Aktionen aufgrund Vandalismus oder Widerstand von Anwohnern abgebrochen, so in Körbecke, Köln oder Hamm. Koch: „Aber der Rückhalt in der Bevölkerung ist unglaublich. Hier liegen mehr Steine von Nicht-Mitglieder der Gruppe als von Mitgliedern.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare