Soester Wiesekirchturm niedriger als gedacht

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Das Redaktionsteam und einige Autoren stellten gestern die neuste Ausgabe der Soester Zeitschrift vor (von links): Günter Kükenshöner, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins, Dirk Elbert vom Stadtarchiv, Dr. Ulrich Löer. Stadtarchivar Dr. Norbert Wex, Morgner-Fachmann Walter Weihs, Autorin Karina Risken, Frederik Heinze von der Stadtarchäologie sowie Autor Norbert Mauser. 

Soest - Der Wiesekirchturm ist fast 6,30 Meter niedriger als überall verkündet. Das haben zwei Azubis beim Kreiskatasteramt herausbekommen. Das Ergebnis ihrer Untersuchung findet sich, neben manch andere Überraschungen, in der neuen Ausgabe der Soester Zeitschrift. 

Dieses Heft 129 stellten Redaktion und Autoren jetzt vor. Kreisheimatpfleger Peter Sukkau war die angegebene Höhe des südlichen  Wiesekirchturms schon immer seltsam vorgekommen. Er stiftete die beiden jungen Leute zum Nachmessen an. 

 Mithilfe der trigonometrischen Höhenbestimmung maßen Risken und Gieske den Turm nach – und siehe da: Von Boden bis Spitze misst der nicht 81 Meter, wie es Wikipedia und die Stadtführer verkünden, sondern gerade mal 74,70 Meter. Dieses Ergebnis deckt sich weitgehen mit den Berechnungen aus den 70er-Jahren, bei denen 74,54 Meter gemessen wurden. „Eigentlich müsste man jetzt den Wikipedia-Eintrag korrigieren“, meinen die Forscher. 

Überraschend wie diese Erkenntnis sind auch die Ergebnisse manch anderer der insgesamt neun Aufsätze in dem 164-seitigen Heft. Beispielsweise kommt Morgner-Fachmann Walter Weihs zu dem Schluss, dass ein Gemälde des Soester Expressionisten von einem Auktionator falsch datiert und daher wohl unter Wert verkauft wurde. Klaus Fischer seinerseits macht deutlich, dass der vermutliche Standort des Betrachters für eine Grafik aus dem 19. Jahrhundert korrigiert werden muss. 

Die „Soester Zeitschrift“ ist das jährlich erscheinende wissenschaftliche Mitteilungsblatt des Vereins für Geschichte und Heimatpflege Soest, das nicht nur an die Mitglieder geht, sondern wird in alle Welt verschickt wird und in Bibliotheken und an Universitäten auf die Arbeit des Soester Stadtarchivs und der Stadtarchäologie aufmerksam macht. Die Redaktion mit Dr. Norbert Wex, Dr. Ulrich Löer und Dirk Elbert arbeitet jetzt bereits an Heft Nummer 130. 

Bis Ende März nimmt sie Meldungen für geplante Beiträge entgegen. Bis zur Drucklegung der nächsten Zeitschrift wird es allerdings in der Regel September. 

Traditionell eröffnet ein Beitrag des Stadtarchäologen jedes Ausgabe der Soester Zeitschrift. „Wir gehen chronologisch vor“, sagt Stadtarchivar Wex. Im Heft 129 schreibt Frederik Heinze über „Gräber im Garen“ und erbringt den Nachweis eines Friedhofs des ehemaligen Klosters St. Walburgis. 

Die in der Schweiz lebende Autorin Anna Stützle-Dobrowolska schaut sich die Kapitellplastik von St. Petri genau an, während Ulrich Löer auf das Motiv „Kirchweih“ in den Choralbüchern des Dominikanerinnenklosters Paradiese eingeht.

Der Doktorand Christoph Gampert aus München untersucht die Soester Zahlungen an Parteien des 30-jährigen Krieges und stellt fest, dass Religionsstreitereien teilweise eine größere Rolle spielten, als bisher angenommen. Tobias Schmidt, ebenfalls Doktorand, nimmt sich der Armut und der Fürsorgeinstanzen im Soest des 18. Jahrhunderts an. Kreisheimatpfleger Peter Sukkau und seine früherer Schulkamerad Norbert Mauser machen sich auf die Spur eines geheimnisvollen Gleises auf dem Westenschützenhof. Besprechungen von Neuerscheinungen und der Jahresbericht des Vereins runden jede Ausgabe ab. 

Heft 129 der Soester Zeitschrift ISSN 0176-3946 ist für 25 Euro im Buchhandel zu haben. Das entspricht exakt dem Jahresbeitrag für den Verein. „Wir haben lieber Vereinsmitglieder als Käufer“, sagt Vereinsgeschäftsführer Dr. Norbert Wex dazu.

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