Kita Lütgengrandweg kann wachsen, weil Nachbar Geschäft aufgibt

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Axel Finke (rechts) zeigt Kindern und Eltern schon mal das Modell. Im Hintergrund ist der Zusatzbau zu sehen, den die Kita erhält.

Soest – 2000 Kita-Plätze in Tagesstätten und bei Tagesmüttern gibt es bereits in Soest. Und es reicht noch immer nicht. Aktuell zum Sommer hin fehlen an die 40 Plätze. Diesmal haben Eltern und Stadt großes Glück: Direkt neben der Kita Lütgengrandweg gibt gerade ein Raumausstatter-Betrieb auf. Alle drei – Inhaber, Vermieter und Kita-Verein – sind sich schnell einig geworden: Dort wo heute noch Stores und Teppichböden hängen, toben morgen die Kleinen. 

„Eine typische Win-win-Situation“, sagt Axel Finke, der Vorsitzende des Evangelischen Kindergartenvereins. Finke ist 74 und fühlt sich dem Verein verpflichtet, seit sein Sohn vor über 30 Jahren hier mal gut betreut worden ist. Und er hat sich gerade mit der Stadt und den Aufsichtsbehörden geeinigt, den Raumausstatter-Laden „ratz-fatz“ kindgerecht herzurichten und zu genehmigen. Am 1. Juli kommen die Handwerker, am 1. August die neuen Kinder. Künftig wird hier Platz für 75 Steppkes sein, heute besuchen 46 die Kita. 

Das Haus im Lütgengrandweg hat einst zur Batteriefirma Akku Hagen gehört, die hier ein Magazin untergebracht hatte. Später kaufte Nachbar Ingbert Kuss, der einen Steinwurf entfernt sein Elektrogeschäft betrieb, das Objekt und vermietet es seither: Die letzten 18 Jahre an Raumausstatter Frank Bause-Kipp. 

„Wär das nicht was für Sie?!“, hatte Kuss Kita-Leiterin Karin Ellinghaus kürzlich gefragt und buchstäblich offene Türen eingerannt. Den Kindergarten kennt Ingbert Kuss von klein auf, er selber ist hier schon als kleiner Junge versorgt worden. Mitten im Krieg: „Wenn Luftalarm kam, sind wir gleich nebenan in den Bunker gezogen; das war ganz einfach.“ 

Die Kita, die auch Kuss’ Sohn besucht hat, liegt dem 79-Jährigen seither am Herzen. Und er war spontan bereit, einen langfristigen Mietvertrag zu schließen. 

Die Tagesstätte mitten in der Altstadt ist recht beliebt: Viele Eltern haben ihren Job in der Nähe und können so auf kurzem Weg ihre Zöglinge vorbeibringen und gleich zum Arbeitsplatz durchstarten. Aber auch die große Turnhalle der ehemaligen Thomäschule nebenan, die den Kita-Kindern offensteht, und das wöchentliche Reiten auf einem Hof in Paradiese haben sich herumgesprochen. Kita-Leiterin Ellinghaus berichtet stolz: „Selbst unsere Kleinsten können schon galoppieren!“ 

Und mit dem Nachbarhaus gibt es ab August auch noch weitere Plätze. Dabei hat die Stadt schon in den vergangenen Jahren in Sachen Kita-Plätze immer wieder aufsatteln müssen: Die neue Martin-Luther-Kita am Schwarzen Weg entstand, ebenso die Sonnenschein-Tagesstätte und das Kinderhaus Blume. Doch es reicht noch immer nicht. Gerade haben die Bauarbeiten für eine neue Tagesstätte neben dem Klinikum im Westen begonnen. 

Jährlich muss das Jugendamt seinen Bedarfsplan aktualisieren, weil immer neue junge Familien nach Soest ziehen, hatte kürzlich erst der für Jugend und Soziales zuständige Fachbereichsleiter Meinhard Esser im Jugendausschuss berichtet. Die neuen Kitas samt der, die im Westen erst noch entsteht, hat er längst eingepreist und kommt zu dem Schluss: Es könnte immer noch nicht reichen. Esser: „Wir denken darüber nach, 2021 eine weitere neue Kita zu bauen.“

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