Diskussion um Fahrradspuren

Radstreifen: Soest soll nicht mehr als Vorbild dienen

So sieht die Fahrradspur in der Jakobistraße im Moment aus – weiße Spuren, kaum Radzeichen. -  Foto/Grafik: Niggemeier
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So sieht die Fahrradspur in der Jakobistraße im Moment aus – weiße Spuren, kaum Radzeichen. -  Foto/Grafik: Niggemeier

Soest – Nur zu gern würde man in Castrop-Rauxel dem Soester Beispiel folgen. Dort wollte man nach einem schweren Radunfall vor zwölf Tagen einige Altstadtstraßen mit Fahrradspuren in der Mitte anlegen. Doch dann das: Die Castroper holten sich eine Abfuhr aus dem Verkehrsministerium ab: An Soest sollten sie sich bloß kein Beispiel nehmen, heißt es aus Düsseldorf.

Was die in Soest trieben, sei „nicht rechtskonform“. Das Ministerium habe deshalb seine „Rechts- und Fachaufsicht ausgeübt“ und Soest auferlegt, den Fahrradschutzstreifen zu beseitigen.

Das könnte sich noch als schwerer Brocken erweisen. Denn immer mehr Soester sind nicht gewillt, sich die Sicherheitsspuren für Radfahrer so mir nichts dir nichts wegnehmen zu lassen. Die Zahl der Befürworter bei unserer Online-Abstimmung im Netz wächst ebenso stetig wie die Zahl der Kommentatoren, die ihr Unverständnis, oftmals sogar ihr Entsetzen ausdrücken.

„Bis wieder ein Radfahrer zu Tode kommt?!“, fragt Hanne Köhler besorgt auf unserer Facebook-Seite. „Haben die (in Düsseldorf) den schweren Unfall schon vergessen?“ Die Soesterin verlangt vom Minister: „Kümmert Euch um sinnvolle Belange!“ In die selbe Kerbe schlägt Boris Skupke: „Da machen sich die Herrschaften einen Kopf um diese Fahrspur; die Langeweile muss groß sein in Düsseldorf.“

Und so (deutlich) sieht sie in der Anzeiger-Graphik aus: Rot unterlegt wird für jeden klar, dass Fahrradfahrer Vorrang haben.

Doch es scheint, als ob das Ministerium hart bleiben will. Nach der schriftlichen Antwort aus Soest wird bei der Bezirksregierung in Arnsberg nun eine Antwort aufgesetzt, die „zeitnah“ nach Soest geschickt werden soll. Selbst wenn die Aufforderung, die Schutzstreifen zu überpinseln, dort noch einmal unmissverständlich bekräftigt würde, will Soest sich fürs Erste nicht beugen. Bürgermeister Ruthemeyer hat bereits zugesagt, sich „an die Spitze der Bewegung“ zu stellen, um zumindest für die bestehenden Radstreifen Bestandschutz zu bekommen.

In Castrop-Rauxel dürfte es dagegen schwer werden, überhaupt eine Genehmigung für Radspuren zu erlangen. Der „Arbeitskreis bürgerfreundliche Altstadt“ hat dort in den vergangenen Tagen das Thema angeschoben und gleich mehrere schmale Straßen in der Altstadt benannt, wo sich Rad- und Autofahrer beim Überholen gefährlich nah kommen. Vorvergangenen Montag war eine 80-jährige Radfahrerin mit einem Bus zusammengestoßen und schwer verletzt worden.

Ein ähnlich schwerer Unfall hatte im Herbst 2008 in Soest die Diskussion um Sicherheitsstreifen auf der Fahrbahnmitte vorangetrieben. Nur wenige Wochen später entstand mitten auf der Jakobistraße die erste Velo-Spur; seither können auf dem 400 Meter langen Teilstück zwischen Jakobitor und Puppenstraße Autofahrer hier Radfahrer nicht mehr überholen.

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