Bei den Radstreifen macht Soest einen Streifen mit

An der Jakobistraße (Bild) und auch an der Nöttenstraße wird der Fahrradstreifen zeitnah entfernt. - Foto: Dahm

Soest ~   In diesem Frühjahr soll – im doppelten Sinn des Worts – der Schlussstrich unter den Ärger mit den Fahrradstreifen in der Jakobi- und in der Nöttenstraße gezogen werden. Doch bevor der von den Aufsichtsbehörden beanstandete Mittelstreifen kassiert und um einen neuen Streifen weiter rechts ersetzt wird, holt sich die Stadt gerade noch das Okay bei der Bezirksregierung in Arnsberg ab.

Sobald die Zustimmung vorliegt, rückt eine Kolonne „kurzfristig“ aus, um die alten Striche zu tilgen. Im Gegenzug werden eine neue Strichel-Linie weiter rechts und Fahrrad-Piktogramme auf den Asphalt gemalt sowie ein paar zusätzliche Verkehrsschilder („Fahrradstraße“) aufgestellt, heißt es auf Anfrage aus der Stadtverwaltung.

Der Mittelstreifen in der Jakobistraße war 2008 nach einem schweren Verkehrsunfall aufgetragen worden. Damals verunglückte ein junger Mann, weil er relativ weit rechts in der schmalen Jakobistraße radelte und gegen eine Autotür prallte, die eine unaufmerksame Fahrerin aufgerissen hatte, ohne in den Spiegel zu schauen oder sich umzudrehen.

Mit dem Mittelstreifen steht seither den Radfahrern das Recht zu, mitten auf der Straße zu fahren, ohne dass sie von Autos überholt werden können. Die Idee ist so bestechend, dass sie 2013 sogar mit dem Deutschen Fahrradpreis ausgezeichnet worden ist.

Doch die Aufsichtsbehörden sowie das Landes- und Verkehrsministerium reiben sich an dem Sicherheitsstreifen. Er widerspreche dem in der Straßenverkehrsordnung verankerten Rechtsfahrgebot.

War zunächst überlegt worden, in einem Verkehrsversuch den Soester Mittelstreifen und seine Vor- und Nachteile zu untersuchen, um danach womöglich die Straßenverkehrsordnung zu ändern, distanzierte sich der Verkehrsminister in Berlin vergangenes Jahr von dieser Idee und ordnete an, der Streifen müsse verschwinden.

Nun also wird ein „Sicherheitstrennstreifen“, eine gestrichelte Linie auf Jakobi- und Nöttenstraße gezogen. Rechts von der Mitte, aber mit genügend Abstand zu den parkenden Autos, damit sich der schwere Unfall mit der aufgerissenen Tür nicht wiederholen kann.

Weil die Radfahrer nur links der neuen Strichellinie und somit weiterhin mehr oder weniger mitten auf der Straße rollen und deshalb kaum überholt werden können, ändert sich faktisch so gut wie nichts. Das Fazit: Neue Deko, Beschäftigung für die Straßenkolonne, weitere Schilder, mehrere tausend Euro Aufwand, vor allem aber buchstabengetreue Einhaltung der Straßenverkehrsordnung.

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