Privatklinik in Kloster Paradiese wird im Sommer geschlossen

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Ihr neues Konzept für die Krebsklinik Kloster Paradiese erläutern (von links) Dr. Thomas Hamm und Dr. Anke Wortmann im Gespräch mit Anzeiger-Redakteur Achim Kienbaum.

Paradiese - Hinter den Kulissen war bereits seit einiger Zeit darüber spekuliert worden, dass in der Krebsklinik im Koster Paradiese gravierende Veränderungen in der Vorbereitung seien. Jetzt ist zumindest ein Stück klarer, wie es weitergehen soll. Über die Pläne sprach Achim Kienbaum mit den Geschäftsführenden Ärzten Dr. Thomas Hamm und Dr. Anke Wortmann.

Sie haben am heutigen Mittwoch die Mitarbeiter des Klosters Paradiese darüber informiert, was in den kommenden Monaten sowohl auf die Belegschaft, als auch auf die Privatpatienten der Klinik zukommen wird. Was genau planen Sie?

Hamm: Um das zu erklären, würde ich gerne kurz die aktuelle Situation hier in Kloster Paradiese vorstellen. Wir haben zwei Behandlungseinheiten: das medizinische Versorgungszentrum, in dem mehrere Tausend Patienten pro Quartal ambulant behandelt werden, und dazu die Privatklinik mit 17 Betten mit ihrem sehr auf Chefarzt Dr. Nils Thoennissen zugeschnittenen Therapieansatz, der stark naturheilkundlich geprägt ist. Wir haben seit einigen Jahren das Problem, dass wir mit unseren Kooperationspartnern im stationären Bereich in einer Konkurrenzsituation stehen. Weil wir das auflösen wollen, befinden wir uns seit einem Jahr in Gesprächen mit den beiden Soester Krankenhäusern, wie wir den onkologischen Standort Soest insgesamt stärken und zu einem Onkologischen Zentrum mit drei Partnern ausbauen können. Dabei geht es auch darum, wie wir einer größeren Zahl von Patienten, also nicht mehr ausschließlich Privat-, sondern auch Kassenpatienten, unsere onkologischen Leistungen zur Verfügung stellen. Hinzu kommt jetzt, dass Dr. Thoennissen ein Angebot einer Klinik im süddeutschen Raum angenommen hat und uns verlassen wird. Mit den verbleibenden Ressourcen werden wir leider nicht die Privatklinik hier auf dem Gelände und eine verstärkte Mitgestaltung der onkologischen Hauptabteilung im Klinikum zusammen stemmen können. Deshalb haben wir uns schweren Herzens dazu entschlossen, den stationären Betrieb in der Privatklinik voraussichtlich im Sommer einzustellen.

Was bedeutet das für die Arbeitsplätze der Mitarbeiter hier in Paradiese?

Wortmann: Für die rund 30 Mitarbeiter in der Klinik heißt das leider, dass wir ihnen die Kündigung aussprechen müssen. Darunter sind auch Service- und Reinigungskräfte sowie 14 examinierte Krankenschwester und -pfleger, einige davon in Teilzeitanstellung.

Was wird sich für Patienten ändern?

Hamm: Die Patienten, die gezielt das Segment der integrativ-biologischen Therapie suchen, werden das in Soest nicht mehr finden. Für die generelle onkologische Versorgung sehen wir aber keine Schwächung, sondern sogar eine Verbesserung, weil unser Knowhow dann allen Patienten in der Onkologie am Klinikum zur Verfügung stehen wird. Darüber hinaus wollen wir gemeinsam mit Kollegen des Marienkrankenhauses ein zertifizierte Zentrum für Lungenkarzinome aufbauen.

Wie weit sind die Gespräche mit den Partnern Klinikum und Marienkrankenhaus gediehen?

Wortmann: Wie wir uns die Umsetzung des Konzeptes vorstellen, werden wir dem Aufsichtsrat des Klinikums am 26. Januar vorstellen. Mit der Geschäftsführung des Marienkrankenhauses sind wir bereits sehr weit vorangekommen bei den Plänen für ein Lungenkarzinom-Zentrum. Ich rechne damit, dass die Zertifizierung noch in diesem Jahr erfolgen wird. Die Realisierung eines gemeinsamen Onkologischen Zentrums mit den Partnern Kloster Paradiese, Klinikum Stadt Soest und Marienkrankenhaus dürfte allerdings länger dauern. Ich hoffe, wir kriegen das in den nächsten eineinhalb Jahren hin.

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